Eine allgemeine Trauer verbreitete die Nachricht seines Todes. Die Brüder des Freimaurerbundes, dem er angehörte, beschlossen eine feierliche Bestattung des Entschlummerten. Architektonische Verzierungen schmückten in dem mittlern Theile des Landes-Industrie-Comptoirs zu Weimar, das von seinem vieljährigen Freunde Bertuch eingeräumte Local, wo Wielands sterbliche Hülle am Abend des 24 Januar ausgestellt ward. Seine zahlreichen Verehrer und Freunde sahen dort, mit fast unveränderten Zügen, sein mit einem Lorbeerkranze geschmücktes Haupt, auf einem blauseidnen, mit golden Spitzen eingefaßten Kissen ruhen. Eine ähnliche Decke breitete sich aus über den untern Theil des Sargs. Der Körper war in ein weißes Tuch gehüllt. Ein Lorbeerkranz umwand die Prachtausgaben der beiden Gedichte: „Oberon“ und „Musarion“, die in einem Einbande von Maroquin auf einem rothen Sammtkissen auf dem Deckel des Sargs ruhten. Dort sah man auch auf einem kleinern weißen Atlaskissen die Decorationen des russischen und französischen Ordens.
Der Gartensaal des Gutsgebäudes zu Osmanstädt, einst Wielands Lieblingsaufenthalt, empfing in der nächsten Nacht seine irdischen Ueberreste. Dort versammelten sich am 25. Januar 1813 Nachmittags die sämmtlichen Brüder der Loge Amalia, nebst einer großen Zahl von Wielands Freunden und Verehrern. Sie schlossen sich dem Trauergefolge an, welches der französische Gesandte, Baron St. Aignan, mit des Dichters ältestem Sohne Ludwig eröffnete. Sechzehn Maurerbrüder trugen den Sarg. Das Geläut der Dorfglocken lockte einen großen Theil der Bewohner von Osmanstädt herbei. Ihrem alten Gutsherrn, wie sie Wieland noch immer nannten, wollten sie die letzte Ehre erweisen. Der Zug ging die lange Allee hinab, die der Dichter oft durchwandelt hatte, bis zu dem Bosket, wo Wieland sich längst seine Ruhestätte gewählt. Dem Trauergesange an seinem Grabe folgte eine kurze, aber herzliche Rede des Oberconsistorialraths Günther, der die Verdienste des Dahingeschiedenen in ergreifenden Umrissen schilderte.
Neben den Gräbern derjenigen, die ihm am theuersten gewesen im Leben, neben Sophie Brentano und seiner Gattin Anna Dorothea, erhielt Wieland, seinem oft geäußerten Wunsch gemäß, seine Ruhestätte. Neben den zwei dreiseitigen Pyramiden, die die Gräber seiner Lieben bezeichneten, erhob sich auch sein Grab.
Der Weimarische Bildhauer Weiße hatte jene Denkmale in Seeberger Sandstein ausgeführt. Für Sophie Brentano war das Emblem einer Psyche mit einem Rosenkranz umgeben gewählt worden; für Wielands Gattin das Sinnbild der Eintracht und Treue: zwei verschlungene Hände in einem Eichenkranz. Die geflügelte Lyra mit dem Stern der Unsterblichkeit darüber ward für Wieland zum Sinnbilde gewählt. Er selbst hatte bereits 1806 für jene Denkmale die treffende Inschrift verfertigt:
„Lieb' und Freundschaft umschlang die verwandten Seelen im Leben,
Und ihr Sterbliches deckt dieser gemeinsame Stein.“
Die übereinstimmenden Zeugnisse Aller, die Wieland näher gekannt, bestätigen die richtige und partheilose Schilderung seines liebenswürdigen Charakters, die einer seiner Freunde in den nachfolgenden Worten entwarf: „Mild gegen den Irrthum, schonend gegen Fehler, war er für Vernunft, für Recht und Pflicht, für alles, was der Menschheit heilig seyn muß, weil es allein dem höhern Menschenleben Werth giebt, ein unermüdlicher, eifriger Kämpfer, aber eben deshalb auch ein rastloser Bekämpfer aller Vorurtheile, aller Verfinsterung, aller Unterdrückung. Veredlung und Beglückung seines Brudergeschlechts war sein Ziel. Er schwatzte nicht von Religion und Philosophie, aber er bethätigte sie im Leben, in welchem er dankbar alles Gute, und mit ruhiger Ergebung das Unglück hinnahm. Für ihn gab es nichts Größeres im Leben, als, nie in Gemeinheit sinkend, den Sinn stets auf das Edle gerichtet, unausgesetzt ein guter Mensch, Gatte, Vater, Freund und Bürger zu seyn.“