Einer anregendern Umgebung, wie sie ihm sein einsamer Aufenthalt in Bauerbach darbieten konnte, bedurfte Schiller, um die genannten dramatischen Entwürfe auszuführen. Abgesehen davon, daß die Nähe eines guten Theaters seinem Talent sehr förderlich seyn mußte, zeigten sich ihm auch Aussichten, seine ökonomischen Verhältnisse zu verbessern, wenn es ihm gelang, seine "Luise Millerin", vielleicht auch seinen "Fiesko", in Mannheim auf die Bühne zu bringen. Von seiner dortigen Anwesenheit hoffte er, daß ihm dies gelingen werde. Ein drückendes Gefühl war es ohnedies für ihn, noch länger von den Wohlthaten Anderer zu leben. Er fürchtete seiner unbemittelten Gönnerin auf die Dauer zur Last zu fallen.
Schiller tröstete sie und ihre Tochter Charlotte, die ihm die Trennung erschwerte, durch die Hoffnung einer baldigen Rückkehr nach Bauerbach, als er nach siebenmonatlichem Aufenthalte in der zweiten Hälfte des Juli 1783 seine Reise nach Mannheim antrat. Am 27. Juli kam er dort an. Groß war Schillers Freude, seinen treuen Streicher wieder zu finden. Der Theaterregisseur Meier verschaffte ihm neben dem Schloßplatz für einen billigen Preis eine freundliche Wohnung.
Wie seine Verhältnisse in Mannheim sich gestalten würden, ließ sich nicht voraussehen, da der Freiherr von Dalberg von einer damaligen Reise nach Holland noch nicht wieder zurückgekehrt war. Mehrere Schauspieler hatten Urlaub genommen, und Schiller konnte von der Anschauung des Theaters um so weniger Vortheil ziehen, da bei der damaligen Anwesenheit der Churfürstin und des Herzogs von Zweibrücken wenig bedeutende Stücke aufgeführt wurden, "nur Alttagscomödien, wie sie der Geschmack der hohen Herrschaften verlangte." So äußerte sich Schiller selbst hierüber in einem Briefe vom 11. August 1783.
Seine literarische Thätigkeit ward gehemmt durch die unerträgliche Hitze und durch Zerstreuungen jeder Art. Er glaubte die Zeit, die er in Mannheim zubrachte, als eine verlorene betrachten zu müssen. In einem Briefe an Frau von Wolzogen schilderte er die Sehnsucht nach seinem einsamen Aufenthalt in Bauerbach. Er wünschte recht bald wieder dahin zurückkehren zu können, und meldete, wie er sich schon einiges Reisegeld erspart habe. Unterdeß war Dalberg wieder in Mannheim angelangt. Schiller traf ihn im Theater, und ward von ihm mit Auszeichnung behandelt. Zu dem Manne, der ihn so bitter getäuscht, konnte er zwar kein sonderliches Vertrauen mehr haben. Er entschied sich indeß, nach einiger Ueberlegung, zur Annahme der erneuerten Vorschläge, die ihm Dalberg in Bezug auf eine Anstellung als Theaterdichter aus freiem Antriebe machte.
In einem Briefe vom 11. September 1783 machte Schiller die Bedingungen namhaft, unter denen er sich bei der Mannheimer Bühne angagirt hatte. "Erstens", schrieb er, "bekommt das Theater von mir drei neue Stücke, den Fiesko, meine Luise Millerin, und ein drittes, daß ich innerhalb meiner Vertragszeit machen muß. Zweitens: der Contract dauert eigentlich ein Jahr, nämlich vom 1. September dieses Jahres bis zum letzten August des nächsten. Ich habe mir aber die Erlaubniß ausbedungen, die heißeste Jahreszeit, meiner Gesundheit wegen, anderswo zuzubringen. Drittens erhalte ich für dieses eine fixe Pension von 300 Fl. Außerdem bekomme ich von jedem Stück, daß ich auf die Bühne bringe, die ganze Einnahme der Vorstellung, die ich selbst bestimmen kann. Dann gehört das Stück dennoch mein, und ich kann es nach Gefallen verkaufen oder drucken lassen." Hierauf verzichtete Schiller späterhin, und erhielt im Ganzen ein Fixum von 500 Fl.
Ueber den auf diese Weise abgeschlossene Contract, der ihm neben der Vervollkommnung in seiner Kunst, zugleich Aussichten eröffnete, seine ökonomischen Verhältnisse zu verbessern, empfand Schiller eine ungemeine Freude. Sein Gemüth war ruhiger, seine Stimmung heiterer geworden. Dies zeigten mehrere Stellen in einem damaligen Briefe an Frau von Wolzogen. Begeistert von der sehr gelungenen Vorstellung seiner "Räuber", bei überfülltem Schauspielhause, widmete er sich mit Eifer seinem "Fiesko". Er ward jedoch in der Umarbeitung dieses Trauerspiels bald gestört.
Wiederholte Rückfälle eines kalten Fiebers, das ihn in der Mitte des Augusts ergriff, schwächten seinen Körper in solchem Grade, daß er, nach seinem eignen Geständnisse, durch starke Dosen China seine Kräfte einigermaßen stärken mußte. Zu diesem physischen Leiden trat seine unausgesetzte Geistesanstrengung, die ihn völlig erschöpfte. Nicht grundlos schien seine Besorgnis, "daß diese Krankheit ihm vielleicht für Zeitlebens einen Stoß versetzen möchte." Durch den übermäßigen Gebrauch der China hatte er seinen Magen sehr geschwächt, und er mußte eine äußerst einfache Diät beobachten, um den Krankheitsstoff nicht zu nähren.
Einen nachtheiligen Einfluß auf seine Gesundheit äußerten manche
Unregelmäßigkeiten, zu denen er wider seinen Willen verleitet ward.
Obgleich er seinen Umgang nur auf Dalberg's Haus und auf die Wohnung des ihm befreundeten Buchhändlers Schwan beschränkte, konnte er sich doch dem Verkehr mit den Schauspielern, den Einladungen mehrerer Familien Mannheims, den Besuchen von Fremden nicht ganz entziehen. Durch seine neunwöchentliche Krankheit hatte er, nach seinem eigenen Geständniß, wenigstens dreißig Dukaten eingebüßt. Um sich von seinen Schulden zu befreien, mußte er in stiller Zurückgezogenheit sich mit verdoppeltem Eifer seinen literarischen Beschäftigungen widmen. Er ward jedoch davon häufig abgelenkt durch Ausflüge in die Umgegend, nach Oggersheim, Schwetzingen, Speier und andern Orten.
Indeß brachten ihm jene kleinen Reisen wieder den Vortheil, daß sie ihm zu manchen interessanten Bekanntschaften verhalfen, zu denen unter andern Wielands Jugendfreundin, die geistreiche Schriftstellerin Sophie la Roche gehörte. Selten wich jedoch der durch seine Krankheit erzeugte Mißmuth gänzlich von ihm. In eine heitere Stimmung versetzte ihn in der Mitte des Novembers 1783 der unerwartete Besuch des Professors Abel aus Stuttgart und eines andern Landsmannes. Kurz zuvor, an seinem Geburtstage, den 11. November, hatte er einige Flaschen Burgunder zum Geschenk erhalten, und er freute sich, seine Gäste beim Mittag- und Abendessen festlich bewirthen zu können. Obgleich er sich nicht sonderlich wohl befand, ließ er sich dadurch nicht abhalten, seine Landsleute in der Stadt umherzuführen. Lebhaft schilderte er in einem Briefe an Frau von Wolzogen, wie schnell ihm bei jenem Besuch die Zeit verflossen, und wie er und seine Freunde vor lauter Erzählen und Fragen kaum hätten zu Athem kommen können.