Eine sehr angenehme und fruchtbare Uebung für seine müssigen Stunden versprach sich Schiller, nach seinen eigenen Worten in einem am 29. Sept. 1784 geschriebenen Briefe, von der Beantwortung dramaturgischer Preisfragen. Diese Fragen wurden von Dalberg jährlich aufgegeben, und die Mitglieder der Mannheimer Bühne sollten darin gewissermaßen Rechenschaft ablegen über ihre Kunst und ihr Spiel. Selbst für den dramatischen Dichter, meinte Schiller, könnte die Vergleichung mehrerer Aufsätze über denselben Gegenstand in mehrfacher Hinsicht belehrend seyn. Schiller fand sich dadurch veranlaßt zur Herausgabe einer dramaturgischen Monatsschrift, welche Recensionen und Antikritiken der theatralischen Vorstellungen liefern sollte. Ein aus sechs Mitgliedern der Gesellschaft gebildeter Ausschuß, zu welchem Dalberg und er selbst gehörten, sollte die Beurtheilungen übernehmen. Einen ausführlichen Entwurf jenes vielversprechenden Plans enthielt ein von Schiller an Dalberg gerichteter Brief, datirt vom 2. Juli 1784. Die Ausführung unterblieb jedoch, weil die Theaterdirektion sich nicht dazu verstehen wollte, den von Schiller verlangten jährlichen Zuschuß von funfzig Dukaten zu verwilligen.
Mehrere dramatische Pläne wurden von Schiller wieder verworfen. Er konnte zu keinem bestimmten Entschluß kommen, was für einen Stoff er zur Bearbeitung wählen sollte. Mehrmals dachte er an einen zweiten Theil der "Räuber," in welchem die Dissonanzen dieses Schauspiels aufgelöst werden sollten. Den früher erwähnten Plan, Conradin von Schwaben zum Helden einer Tragödie zu wählen, hatte er wieder aufgegeben. Mitunter kam ihn die Idee, ausländische Meisterwerke für die Bühne zu bearbeiten, unter andern Shakspeare's Macbeth und Timon von Athen. Es schien ihm aber damit so wenig Ernst zu seyn, als mit der in einem Briefe vom 24. August 1784 geäußerten Hoffnung: "durch Verpflanzung der classischen Tragödien Corneille's, Racine's, Crebillon's und Voltaire's auf den deutschen Boden, der Bühne eine wichtige Eroberung zu verschaffen." Bereits am 7. Juni 1784 hatte er dem Freiherrn v. Dalberg in einem Briefe offen gestanden, daß er mehr als jemals in Verlegenheit sei wegen der Wahl eines neuen dramatischen Stoffes.
Mit Begeisterung ergriff er zum zweiten Mal die schon früher durch St. Real's Novelle in ihm geweckte Idee, den Don Carlos zum Helden eines Trauerspiels zu wählen. Die dramatische Bearbeitung dieses Stoffes nöthigte ihn zu manchen historischen Vorarbeiten, denen er sich mit großem Eifer widmete. Nach seinen brieflichen Aeußerungen wollte er in seinem neuen Trauerspiel völlig heraustreten aus dem dramatischen Kreise, in welchem er sich bisher bewegt hatte. Er wollte etwas ganz Anderes, und wo möglich weit Vollkommneres liefern. Ein erhebendes Selbstgefühl bemächtigte sich seiner Seele während der Beschäftigung mit seinem neuen Trauerspiel, von welchem er sich eine großartige Wirkung versprach. Nach seinen eigenen Aeußerungen wollte er "nichts weniger als ein politisches Stück, sondern vielmehr ein Familiengemälde aus einem fürstlichen Hause liefern." Beschäftigt mit seiner neuen dramatischen Arbeit, konnte er oft kaum die Abendstunde erwarten, um seinem treuen Streicher, der sich noch immer in Mannheim befand, die im Laufe des Tages gedichteten Scenen des Don Carlos vorzulesen.
Aus dem Reich der Ideen ward Schiller jedoch bald wieder in die wirkliche Welt zurückgescheucht. Seine Stuttgarter Schuld hatte er noch immer nicht tilgen können, und der Gedanke einer Mahnung hatte ihn oft beunruhigt. In Schrecken versetzte ihn nun die Nachricht, daß der Freund, der sich für ihn verbürgt hatte, und von dem ungestümen Gläubiger hart gedrängt worden war, sich aus Stuttgart nach Mannheim geflüchtet hatte. Dort war er ergriffen und verhaftet worden. Schiller befand sich, als er dieß erfuhr, in der äußersten Unruhe und Verlegenheit. Er wußte nicht, wie er die Summe von 200 Fl. auftreiben sollte, um seinem edelmüthigen Freunde zu helfen und ihn aus seiner Haft zu befreien. An seine Eltern, abgesehen davon, daß sie unbemittelt waren, sich in seiner Noth zu wenden, widerstrebte seinem Stolz. Von Dalberg konnte er, nach frühern Erfahrungen, kaum Hülfe erwarten. Ein unvermögender, aber edelmüthiger Mann ward sein Retter. Der Baumeister Hölzel, in dessen Hause er wohnte, und der ihn sehr schätzte, bewilligte ihm ein Darlehn von 200 Fl.
Um diese neue Last von sich abzuwälzen, mußte Schiller an eine Vermehrung seines Einkommens denken, das bisher kaum hingereicht hatte, seine nothwendigsten Bedürfnisse zu bestreiten. Er entwarf, nachdem sein früheres Project einer Dramaturgie sich zerschlagen, den Plan zur Herausgabe einer Zeitschrift, die ebenfalls vorzugsweise die Bühne und ihre Vorstellungen, nebenher aber auch andere wissenschaftliche Gegenstände berücksichtigen sollte. Durch eine öffentliche Ankündigung, die er in das von Göckingk herausgegebene Deutsche Museum einrücken ließ, machte Schiller das Publikum mit dem Plan seiner neuen Zeitschrift bekannt. Sie führte den Titel: "Rheinische Thalia."
In jener Ankündigung warf sich Schiller dem Publikum mit Vertrauen in die Arme durch die offenherzige Mittheilung seiner Jugendgeschichte, seiner Begeisterung für Dichtkunst und seiner bisher erlebten trüben Schicksale. "Ich schreibe," äußerte er, "als Weltbürger, der keinem Fürsten dient. Früh verlor ich mein Vaterland, um es gegen die große Welt zu vertauschen. Nunmehr sind alle meine Verbindungen aufgelöst. Das Publikum ist mir jetzt Alles, mein Studium, mein Souverain, mein Vertrauter. Ihm allein gehöre ich ganz an. Vor diesem und keinem andern Tribunal werde ich mich stellen. Dieses nur fürcht' ich und verehr' ich. Etwas Großes wandelt mich an bei der Vorstellung, keine andern Fesseln zu tragen, als den Ausspruch der Welt, an keinen andern Thron zu appelliren, als an die menschliche Seele." Seinen Aufsatz schloß Schiller mit den Worten: "Den Schriftsteller überhüpfe die Nachwelt, der nicht mehr war, als seine Werke—und gern gesteh' ich, daß bei der Herausgabe dieser Thalia es meine vorzügliche Absicht war, zwischen dem Publikum und mir ein Band der Freundschaft zu knüpfen."
Durch seinen häufigen Theaterbesuch erhielt sich in Schiller das Interesse für dramatische Kunst, das ihm auch bei der Beschäftigung mit dem "Don Carlos" sehr förderlich war. Neben der Herausgabe der "Rheinischen Thalia" nahm dieß Trauerspiel Schillers Geisteskräfte fast unausgesetzt in Anspruch. Aber auch sein Herz verlangte Befriedigung. Er sehnte sich nach freundschaftlicher Mittheilung und inniger Theilnahme, die er seit seinem Aufenthalt in Bauerbach mehr oder minder zu vermissen glaubte. Seine immer rege Phantasie entwarf sich ein reizendes Bild von den stillen Freuden des häuslichen Lebens. Nur in einem solchen Verhältnis glaubte er, nach mehreren Stellen in seinen damaligen Briefen, die Ruhe und Heiterkeit zu finden, die seine angestrengten Kopfarbeiten nothwendig verlangten. In einem Briefe an seinen Jugendfreund Zumsteg, der sich damals unlängst verheirathet, hatte Schiller zwar gemeint, "daß ihn selbst ein solcher Schritt von der Bahn seines Glücks ablenken, und daß überdieß sein ungestümer Kopf und sein warmes Blut jetzt noch keine Frau glücklich machen würden." Dieser Aeußerungen ungeachtet bewarb er sich in einem Schreiben an Frau v. Wolzogen vom 7. Juny 1784 um die Hand ihrer Tochter Charlotte.
Schillers Heirathsantrag, von welchem ihn seine noch immer unsichere und keineswegs sorgenfreie Lage hätte abhalten sollen, blieb unerwiedert oder vielmehr unbeachtet. Sein für Liebe empfängliches Herz mußte einen andern Gegenstand seiner Neigung suchen. Er fand ihn in der damals neunzehnjährigen Tochter seines Freundes, des Buchhändlers Schwan, Margarethe mit Namen, einem schönen und vielseitig gebildeten Mädchen. Schiller fühlte sich glücklich in dem Gefühl der Liebe. Aber eine ruhige Uegerlegung [Ueberlegung] untersagte ihm, irgend weitere Schritte in seiner Herzensangelegenheit zu thun.
Einer weiblichen Hand hätte er übrigens wohl bedurft, um seinen zerrütteten Haushalt einigermaßen in Ordnung zu erhalten. In seinem Zimmer lagen Kleider, Wäsche, Bücher in solcher Verwirrung umher, daß er gewöhnlich das, was er suchte, nicht finden konnte. An kleinliche und alltägliche Dinge zu denken, erlaubte ihm die poetische Begeisterung nicht, in der er sich fast unausgesetzt befand. Er behalf sich mit einem kärglichen Mittagsmahl, und lebte, mit Ausnahme der sogenannten Ehrenausgaben, die seine geselligen Verbindungen unbedingt zu fordern schienen, im Allgemeinen sehr mäßig. Aber seine Einkünfte hatten sich so wenig verbessert, daß er oft nicht wußte, wie er die nöthigsten Ausgaben für die nächste Woche, ja oft für den nächsten Tag bestreiten sollte.
Schillers Sinn für edle Freundschaft fand Nahrung in dem Umgange mit der Frau v. Kalb, die mit ihrem Gatten, der als Offizier in französischen Diensten in dem nordamerikanischen Freiheitskriege gefochten, im August 1784 Mannheim zu ihrem Wohnort gewählt hatte. Schiller nannte sie in einem Briefe an Dalberg "eine vortreffliche Person, die ohne aus ihrem Geschlecht zu treten, sich glänzend darin auszeichne." Jedenfalls übte Charlotte v. Kalb als eine vielseitig gebildete Dame durch das freundschaftliche Verhältniß, in welchem Schiller zu ihr stand, einen sehr günstigen Einfluß aus auf des Dichters Haltung im geselligen Leben.