Eine Erkältung, die er sich während seines Aufenthalts in Jena bei einer Spazierfahrt durch das Dornburger Thal zugezogen, hatte für Schiller die heftigsten Unterleibsschmerzen zur Folge. Seinen nächsten Umgebungen, wie ihm selbst, schien sein Zustand bedenklich. Erst langsam genas er wieder. Den 3. August 1804 schrieb er an Goethe: "Ich habe einen harten Anfall ausgestanden, und es hätte leicht schlimm werden können. Alles geht nun wieder besser, wenn mich nur die unerträgliche Hitze zu Kräften kommen ließe. Eine plötzliche große Nervenschwächung in einer solchen Jahreszeit ist in der That fast ertödtend, und ich spüre seit den acht Tagen, wo mein Uebel sich gelegt, kaum einen Zuwachs von Kräften, obgleich der Kopf ziemlich hell und der Appetit wieder ganz hergestellt ist."

Seit jenem Krankheitsanfall hatte sich Schiller in seinem Aeußern sichtbar verändert. Seine bleiche Gesichtsfarbe fiel in's Graue. Das Gefühl physischer Schwäche verließ ihn nicht wieder, und gesteigert ward es noch durch einen Fieberanfall im Februar 1805. Seinen Zustand schilderte er in einem Briefe an Goethe. Er schrieb: "Die zwei harten Stöße, die ich nun in einem Zeitraum von sieben Monaten auszustehen gehabt, haben mich bis auf die Wurzeln erschüttert, und ich werde Mühe haben, mich zu erholen. Mein jetziger Anfall scheint zwar nur die allgemeine epidemische Ursache gehabt zu haben, aber das Fieber war so stark, und hat mich in einem schon so geschwächten Zustande überfallen, daß mir eben so zu Muthe ist, als wenn ich aus der schwersten Krankheit erstände; und besonders habe ich Mühe, eine gewisse Muthlosigkeit zu bekämpfen, die das schlimmste Uebel in meinen Umständen ist."

Trost gewährte ihm eine ruhige Ergebung in sein Schicksal. In einem zufälligen Gespräche über den Tod meinte Schiller: "der Tod könne doch kein Uebel seyn, weil er etwas Allgemeines sei." Am 1. Mai 1805 überfiel ihn ein Katarrhalfieber, das jedoch wenig Besorgnisse erregte, da er sich nicht unwohler fühlte, als bei frühern Zufällen ähnlicher Art. Es war seine letzte Krankheit. Er nahm lebhaften Antheil an dem Gespräch einiger Freunde, die ihn besuchten. Unter ihnen befand sich auch sein Verleger, der Buchhändler Cotta, der auf seiner Reise nach Leipzig durch Weimar gekommen war. Selbst mitzusprechen ward Schiller durch einen oft und sehr heftig wiederkehrenden Husten verhindert.

Mit seltener Aufopferung brachte Heinrich Voß, der Sohn des Dichters, mehrere Nächte an Schiller's Krankenlager zu. Schiller's Standhaftigkeit im Leiden, wie die Sanftmuth und Milde seines Charakters zeigte sich damals im schönsten Lichte. In einem Briefe an Goethe äußerte Schiller: "Der sei am besten dran, der durch die Noth gezwungen, sich mit dem Krankseyn nach und nach habe vertragen lernen."

Voß erzählte in späterer Zeit, wie ihm Schiller einst, als er bei ihm wachte, bewußtlos in die Arme gesunken sei. Aus Schonung für seine Frau, die aus Besorgnis um ihn sein Zimmer nicht verlassen wollen, hatte Schiller eine ihm nahende Ohnmacht gewaltsam unterdrückt. "Bin ich denn wirklich so matt?" sagte er einst traurig, als beim Auf- und Abgehen im Zimmer der teilnehmende Freund ihm unter die Arme griff, um ihn zu stützen. Nur seiner Kinder wegen, äußerte Schiller im Gefühl zunehmender Schwäche, wünsche er zu leben.

Von der ihm drohenden Gefahr schien er keine Ahnung zu haben. Bis zum sechsten Mai blieb ihm völliges Bewußtseyn. Er äußerte, er habe über seine Krankheit nachgedacht, und Mittel entdeckt, die ihm wieder zu seiner völligen Genesung verhelfen würden. In leidensfreien Stunden beschäftigten ihn mehrfache poetische Entwürfe. Er arbeitete mitunter fleißig an seinem Trauerspiel "Demetrius," von welchem er einzelne Scenen niederschrieb. Daß die Arbeit so langsam fortrücke, beklagte er oft. Den Monolog der "Marsa" fand man nach Schiller's Tode auf seinem Schreibtische. Es waren vielleicht die letzten Zeilen, die er geschrieben.

Aus den %Contes de Tressan% einem Buche, das er sehr liebte, ließ er sich mitunter vorlesen. Wiederholt äußerte er ein Verlangen nach Mährchen und Rittergeschichten. Darin läge, meinte er, der Stoff zu allem Schönen und Großen. Lebhafter, als seinem sehr geschwächten Körper zuträglich seyn konnte, äußerte er sich über mancherlei dramatische Pläne. Seine Umgebungen suchten ihn ruhig zu erhalten. Halb unwillig äußerte er: "Nun, wenn mich Niemand versteht, und ich mich selbst nicht verstehe, so will ich lieber schweigen."

Im Schlafe phantasirte Schiller oft. Sein bei ihm wachender Diener erzählte, daß er viel gesprochen und einzelne Scenen aus dem "Demetrius" recitirt habe. Einigemal habe ich an Gott das rührende Flehen gerichtet, ihn vor einem langen Krankenlager und allmäligen Hinsterben zu bewahren. Noch ehe mit dem neunten Mai völlige Bewußtlosigkeit eintrat, schien er die in seiner Nähe befindlichen Personen wenig oder gar nicht zu beachten. Selten verlangte er, seine Kinder zu sehen; doch freute er sich herzlich, als ihm seine jüngste Tochter gebracht ward. Seine Brustbeklemmungen vermehrten sich, der Athem fing an zu stocken, und ein Nervenschlag endete am neunten Mai 1805 sein Leben im sechs und vierzigsten Jahre.

Seine Züge waren so ruhig, wie die eines sanft Schlafenden. Bei seinem Tode war, außer seinem Arzt, dem Dr. Herder, einem Sohn des Dichters, Niemand zugegen, als seine Gattin und deren Schwester Karoline v. Wolzogen. Bei der Section zeigte sich, daß der linke Lungenflügel Schiller's gänzlich zerstört war. Seine Schwägerin erinnerte sich, daß er wenige Wochen vor seiner Krankheit, als er zum Letztenmal im Theater war, geäußert hatte: sein Zustand sei höchst seltsam; in der linken Seite, wo er seit mehreren Jahren Schmerz gefühlt, fühle er jetzt gar nichts mehr. Nach der Behauptung seines Arztes würde Schiller, auch wenn er wieder genesen wäre, der Beschaffenheit seiner Lunge nach, kaum noch ein halbes Jahr sein Leben haben fristen können.

Eine allgemeine Trauer herrschte in Weimar bei Schiller's Tode. Schmerzlich fühlten besonders die Mitglieder der dortigen Bühne den Verlust eines Mannes, der durch Rath und Belehrung ihr Talent mannigfach gefördert hatte. Immer hatten sie mit ihm in freundlichen Verhältnissen gestanden. Sein Andenken ehrten sie durch die Weigerung, an dem Tage, wo er gestorben, die Bühne zu betreten. Das Theater blieb eine Zeitlang geschlossen, und ward erst wieder durch eine von einer Todtenfeier begleitete Vorstellung der "Jungfrau von Orleans" eröffnet.