Goethe, damals selbst lebensgefährlich krank, schrieb bald nach Schillers Tode: "Ich dachte mich selbst zu verlieren, und verliere einen Freund, und in demselben die Hälfte meines Daseyns." Goethe's Nachruf an Schillers Grabe enthielt, in reiner Anerkennung seines Werths, die charakteristischen Worte: "Wir dürfen ihn glücklich preisen, daß er von dem Gipfel des menschlichen Daseyns zu den Seligen emporgestiegen, daß ein schneller Schmerz ihn von den Lebendigen hinweggenommen. Die Gebrechen des Alters, die Abnahme der Geisteskräfte hat er nicht empfunden. Er hat als ein Mann gelebt, und ist als ein vollständiger Mann von hinnen gegangen. Nun genießt er im Andenken der Nachwelt den Vortheil, als ein ewig Tüchtiger und Kräftiger zu erscheinen. Denn in der Gestalt, wie der Mensch die Erde verläßt, wandelt er unter den Schatten, und so bleibt uns Achill als ein ewig strebender Jüngling gegenwärtig. Von seinem Grabe stärkt uns der Anhauch seiner Kraft, und erregt in uns den lebhaftesten Drang, das, was er begonnen, mit Liebe fort- und immer fortzusetzen. So wird er seinem Volke und der Menschheit, in dem, was er gewirkt und gewollt, stets leben."

In rührender Weise zeigte sich die Verehrung für Schiller bei seiner
Beerdigung in der Nacht vom eilften zum zwölften May. Zu den jungen
Gelehrten und Künstlern, die sich's zur Ehre schätzten, den gewöhnlichen
Trägern Schillers Sarg abzunehmen, gehörten H. Voß, St. Schütze, J.
Jagemann, J. Klauer u. A. In dem Trauerzuge, der den Dichter zu seiner
Ruhestätte geleitete, befand sich auch sein Jugendfreund Wilhelm v.
Wolzogen, der auf die Nachricht von Schillers Tode aus Naumburg
herbeigeeilt war. Das Landschaftscassengewölbe empfing Schiller's irdische
Ueberreste. Dort ruhten sie bis zum Jahr 1826 wo sie mit dem von den
Gebeinen getrennten Schädel, der auf der Großherzoglichen Bibliothek zu
Weimar in dem Postament der Dannecker'schen Marmorbüste Schiller's
aufbewahrt worden war, wieder vereinigt wurden, und in der fürstlichen
Gruft auf dem Kirchhofe zu Weimar eine würdige Stelle fanden.

Ueber Schiller's Beerdigung ertheilte eine im Mai 1805 gedruckte Zeitungsnachricht nähere Auskunft in den Worten: "Es war zwischen zwölf und ein Uhr, als man sich dem Gottesacker nahte. Der rings umwölkte Himmel drohte Regen. Als aber der Sarg vor der Gruft niedergesetzt ward, theilten sich die Wolken, und der Mond warf seine ersten Strahlen auf den Sarg. Man senkte ihn in die Gruft. Der Mond trat wieder hinter die Wolken. Heftig brausend erhob sich ein Sturm, der die Anwesenden gleichsam an den großen, unersetzlichen Verlust mahnte."

Von dem als Herausgeber des allgemeinen Reichsanzeigers bekannten Schriftsteller Becker in Gotha ging der Vorschlag aus, auf allen bedeutenden Bühnen Deutschlands Todtenfeiern für den Dichter zu veranstalten, und den Gesammtertrag zum Ankauf eines Landguts zu verwenden, das unter dem Namen "Schillers Ehre" ein unveräußerliches Eigenthum seiner Familie bleiben sollte. Die politischen Ereignisse und die bald nach Schillers Tode ausbrechenden Kriegsunruhen verhinderten die Ausführung dieses Plans. Schillers Jugendfreund, der Bildhauer Dannecker in Stuttgart, verewigte sein Andenken durch eine colossale Marmorbüste. Eine früher verfertigte Büste in Lebensgröße, wozu Schiller während seines letzten Aufenthalts in Schwaben (1793) gesessen, legte der Künstler jenem Meisterwerk zu Grunde, und er beschloß es mit Anstrengung aller seiner Kräfte auszuführen, als er die Nachricht von dem Tode seines Freundes erhielt. Als Schillers Wittwe Danneckers Atelier besuchte, saß sie lange schweigend vor dem Bilde des ihr vor allen theuern Mannes, und sagte dann mit tiefer Rührung zu ihren Kindern: "Küßt dem Manne die Hand, der Euern Vater so fortleben läßt."

Unter den von Schiller vorhandenen Bildnissen hatte vorzüglich ein Oelgemälde von Madame Simanowitz das Verdienst sprechender Aehnlichkeit. Als Schiller Jena verließ, schenkte er dieß Bild seiner Freundin, der Kirchenräthin Griesbach. Späterhin kam es in den Besitz seines zweiten Sohnes Ernst, der als Apellationsrath in Cöln 1841 starb. Schillers ältester Sohn Karl, lebt als Königl. Würtembergischer Oberförster in Rottweil. Der Dichter hinterließ außerdem zwei Töchter, von denen die ältere, Caroline, an den Bergrath Junot in Rudolstadt verheirathet, 1850 gestorben, die jüngere, Emilie, aber als Gattin des Barons von Gleichen- Rußwurm auf dessen Gute Bonnland in Baiern lebt. Bereits 1826 war Schillers Gattin in Bonn gestorben, wohin sie gereist war, um von einem mit Blindheit sie bedrohenden Augenübel geheilt zu werden.

Eine öffentliche Anerkennung seiner Verdienste ward dem Dichter durch ein von Thorwaldsens Meisterhand gefertigtes Standbild in colossaler Größe, das ihm in Stuttgart errichtet und dort am 2. May 1839 feierlich enthüllt warb. In Weimar beabsichtigt man, ihm mit Goethe und Wieland ein gemeinschaftliches Denkmal zu errichten. Sein dortiges Haus an der Esplanade ward bereits vor einigen Jahren von dem Stadtrath zu Weimar angekauft und mit manchen werthvollen Reliquien des Dichters ausgestattet, dem Besuch von Einheimischen und Fremden geöffnet.

Treffend hat Schiller in seiner Abhandlung über naive und sentimentale Dichtung sich selbst gezeichnet in den Worten: "Den kindlichen Charakter, den das Genie in seinen Werken abdruckt, zeigt es auch in seinem Privatleben und in seinen Sitten. Es ist schamhaft, weil die Natur dieses immer ist; aber es ist nicht decent, weil nur die Verderbniß decent ist. Es ist verständig, denn die Natur kann nie das Gegentheil seyn; aber es ist nicht listig, denn das kann nur die Kunst seyn. Es ist seinem Charakter und seinen Neigungen treu, aber nicht sowohl, weil es Grundsätze hat, als weil die Natur bei allem Schwanken immer wieder in die vorige Stelle rückt, immer das alte Bedürfniß zurückbringt. Es ist bescheiden, ja blöde, weil das Genie immer sich selbst ein Geheimniß bleibt; aber es ist nicht ängstlich, weil es die Gefahren des Weges nicht kennt, den es wandelt. Wir wissen wenig von dem Privatleben der größten Genies, aber auch das Wenige, was uns aufbewahrt worden, bestätigt diese Behauptung."

End of Project Gutenberg's Friedrich v. Schiller's Biographie, by H. Doering