In dem am 11. Juni 1816 zwischen Pierer und Brockhaus abgeschlossenen Vertrage über den Verkauf des »Literarischen Comptoir« verpflichtete sich Letzterer zugleich, »die bisher bestandenen Druckereigeschäfte« mit Ersterm fortzusetzen und nicht nur die von ihm übernommenen Verlagswerke und »die noch rückständigen Bände des 'Conversations-Lexikon'« (zweite Auflage) in Pierer's Druckerei anfertigen zu lassen, »sondern auch dessen Pressen, deren Zahl um deswillen erhöht und mit dem nöthigen Druckereipersonale versehen worden sind, auf längere Zeit hinaus hinreichend und soviel es nur die Verhältnisse verstatten wollen zu beschäftigen«.

Verschiedenen Gebieten gehören endlich die folgenden drei von Brockhaus im Jahre 1817 verlegten Werke an: »Reise nach Dalmatien und in das Gebiet von Ragusa«, von Ernst Friedrich Germar, Professor der Mineralogie zu Halle (geb. 1786, gest. 1853), ein Werk von zugleich wissenschaftlichem Werthe, mit Kupfern und Karten; zweitens eine zwar kleine Schrift, aber die erste bedeutendere Arbeit des später berühmt gewordenen Geschichtschreibers der Philosophie Heinrich Ritter (geb. 1791, gest. 1869, erst Docent in Berlin und Kiel, seit 1837 eine Zierde der Universität Göttingen) unter dem Titel: »Welchen Einfluß hat die Philosophie des Cartesius auf die Ausbildung der des Spinoza gehabt, und welche Berührungspunkte haben beide Philosophien mit einander gemein? Nebst einer Zugabe: Ueber die Bildung des Philosophen durch die Geschichte der Philosophie«; drittens: »Die Elemente der reinen Mathematik« von dem königlich sächsischen Oberlandfeldmesser Wilhelm Ernst August von Schlieben (geb. 1781, gest. 1829), wovon indeß nur die erste Abtheilung: »Die Rechenkunst und Algebra«, in zwei Theilen erschien.

Eine gleichzeitig von Brockhaus mit dem Verfasser des letztern Werks begonnene kriegsgeschichtliche Zeitschrift gehört in das Gebiet der Publicistik, Geschichte und encyklopädischen Literatur, das einen Hauptbestandtheil seiner Verlagsthätigkeit in den Jahren 1812-1817 bildete und deshalb eine besondere Schilderung beansprucht.

Vorher ist indeß noch ein einzelnes Verlagsunternehmen zu charakterisiren, das Brockhaus vor allen andern in dieser Zeit beschäftigte: die von ihm begründeten und herausgegebenen »Deutschen Blätter«.


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Die »Deutschen Blätter«.

Wie Brockhaus seine Verlegerlaufbahn mit einer politisch-literarischen Zeitung begonnen hatte (im Jahre 1806 mit dem holländischen Blatte »De Ster«), so beschäftigte er sich auch gleich nach seiner Festsetzung in Altenburg mit dem Gedanken, ein ähnliches in die Zeitverhältnisse eingreifendes Unternehmen zu begründen. Ueberhaupt erkannte er stets in vollem Maße die Bedeutung des Journalismus für ein Verlagsgeschäft, das zu einer einflußreichen Stellung in der Literatur gelangen oder diese behaupten will. In der mannichfachsten Weise hat er es in den verschiedenen Perioden seiner Verlegerlaufbahn versucht, durch Zeitschriften auf die öffentliche Meinung einzuwirken, bald auf rein politischem, bald auf literarischem Gebiete, meist aber auf beiden gleichzeitig, was der Zeitströmung und seiner eigenen Neigung am meisten zusagte.

Freilich waren die Zeitumstände in den Jahren 1811 und 1812 einer solchen Absicht wenig günstig, ganz abgesehen davon, daß Altenburg ein wenig geeigneter Ort für die Verwirklichung derselben schien und seine pecuniären Mittel beschränkte waren.