Auf Grund dessen richtete Brockhaus sofort eine Eingabe an die einheimische Behörde und erhielt darauf nachstehende Resolution:
Dem Buchhändler Friedrich Arnold Brockhaus wird auf seine Eingabe vom 14. d. M., die Herausgabe eines die von Seiten der Hohen Alliirten theils schon erschienenen, theils noch erscheinenden Armee-Nachrichten und officiellen Schriften liefernden periodischen Blattes und dessen Censur betreffend, zur Resolution hiermit vermeldet: daß er dem diesfalls von des en chef commandirenden Herrn Feldmarschalls, Fürsten von Schwarzenberg, Durchlaucht erhaltenen Befehle lediglich nachzukommen und die Censur von dem jedesmaligen Herrn Platz-Commandanten zu erwarten habe, daher bei diesen Blättern eine Durchsicht der dießortigen Censur-Behörde nicht eintrete.
Altenburg, am 18. October 1813.
Herzogl. Sächs. verordnete Canzler u. Räthe das.
(Gez.) F. C. A. von Trützschler.
Brockhaus verlor keine Stunde mit der Ausführung des »Befehls«. Er ließ sofort sein neues Blatt ins Leben treten, nannte es »Deutsche Blätter« und stellte jenen Befehl an die Spitze der ersten Nummer, die schon vom folgenden Tage, 14. October, datirt und wol noch an diesem oder dem folgenden Tage erschienen ist. Unter den »Befehl« setzte er folgende Benachrichtigung:
In Beziehung auf obigen ehrenvollen Auftrag werden von den »Deutschen Blättern« an unbestimmten Tagen, in Nummern von halben und ganzen Bogen, wöchentlich mehrere erscheinen und durch alle Buchhandlungen, Postämter u. s. w. zu erhalten sein. Vierzig ganze Bogen bilden einen Band und erhalten Haupttitel und Inhaltsverzeichniß. Bei Veranlassung werden Karten und Pläne beigefügt werden. Der Pränumerationspreis für einen Band oder vierzig ganze Bogen beträgt 1 Thlr. 8 Gr. sächsisch. Einzelne Nummern von einem ganzen Bogen kosten 1 Gr. 6 Pf. und von einem halben Bogen 1 Gr.
Bestellungen sowie dem Zweck der Blätter entsprechende Beiträge werden adressirt: an die Expedition der »Deutschen Blätter« in Altenburg.
F. A. Brockhaus.
Dies ist die Entstehungsgeschichte der »Deutschen Blätter«, die vom Herbst 1813 bis zum Frühjahr 1816 bestanden und anerkanntermaßen zu den besten der durch die Freiheitskriege hervorgerufenen und die Erhebung des deutschen Volks auf das kräftigste fördernden Erzeugnissen der deutschen politischen Presse gehörten. Sie sind nach Idee, Titel, Form und Inhalt als eine Schöpfung von Brockhaus anzusehen, der auch fortwährend die Seele des Blattes blieb, während Dr. Hain und Dr. Sievers die Geschäfte der Redaction besorgten. Auf dem Blatte selbst war übrigens nach damaliger Sitte zunächst weder der Redacteur noch der Herausgeber, Verleger oder Drucker genannt; erst vom zweiten Bande an nannte sich Brockhaus als Herausgeber.
Daß Brockhaus sich einen »Befehl« zur Herausgabe des Blattes erwirkte, geschah gewiß nicht aus Vorsicht, um etwa den französischen Militär- und Civilbehörden gegenüber bei ungünstigem Verlaufe der Kriegsoperationen durch diesen gedeckt zu sein. Denn wären die Franzosen nach dem am 15. October, also einen Tag nach dem Datum der ersten Nummer, erfolgten Wegzuge des Hauptquartiers aus Altenburg wieder einmal, wie in den Wochen vorher öfters geschehen war, in die Stadt eingerückt, so hätte jener »Befehl« den Herausgeber der »Deutschen Blätter« schwerlich vor dem Schicksale Palm's oder wenigstens Becker's bewahrt, zumal er sofort (in der dritten Nummer vom 17. October) einen über seine patriotische Gesinnung keinen Zweifel lassenden Aufsatz: »Was ist (war) der rheinische Bund?« brachte. Er erbat sich jenen »Befehl« vielmehr nur, um die offiziellen Berichte über die Kriegsoperationen aus erster Hand zu erhalten und dadurch seinem Blatte einen um so größern Leserkreis zu sichern.
Das Glück begünstigte ihn dabei insofern, als wenige Tage darauf die Völkerschlacht bei Leipzig geschlagen wurde und die »Deutschen Blätter« bei ihren Beziehungen zu dem Hauptquartiere das erste Blatt sein konnten, welches dem deutschen Volke die Kunde seiner Befreiung und authentische Berichte über diese ewig denkwürdigen Tage brachte. Die Geburt der »Deutschen Blätter« fiel so zusammen mit der Geburt der deutschen Unabhängigkeit: ein günstiger Umstand, den der Herausgeber trefflich zu benutzen verstand.
Das Hauptquartier der verbündeten Armeen war am 15. October von Altenburg nach Pegau verlegt worden, und am Morgen des folgenden Tags begann die leipziger Schlacht. Der Kaiser von Oesterreich hatte Altenburg am 16. October früh 7 Uhr verlassen, der König von Preußen erst einige Stunden später, Beide, um den Kaiser von Rußland und das Hauptquartier in Pegau zu treffen. Schon auf der Fahrt dahin hörten sie die heftige Kanonade dieses ersten Schlachttags: es war die Schlacht bei Wachau, die gleichzeitig mit der von Blücher bei Möckern geschlagenen Schlacht siegreich für die Verbündeten ausfiel und den 16. October zu dem ersten Siegestage bei Leipzig machte. Die drei verbündeten Monarchen hatten der Schlacht vom Wachberge aus beigewohnt; auch Napoleon war auf dem Schlachtfelde und hatte bei der ersten für ihn günstigen Wendung der Schlacht bereits den Befehl gegeben, in Leipzig zur Feier seines Siegs die Glocken zu läuten.