Leider fürchte ich wie alle Deutsche von Umsicht und Beurtheilung, daß man diese beiden herrlichen, uns von Ludwig XIV. gestohlenen Provinzen nicht zurückfordern wird. Ueberhaupt wer ist nicht indignirt über die Complimente, die in Paris mit dem übermüthigen Volke und den Helfershelfern Napoleon's gemacht werden? Es ist sehr schade, daß gerade in Paris die Unterhandlungen geleitet werden, wo Weiber und Sinnlichkeiten aller Art ins Werk gesetzt werden, die Fürsten und die leitenden Personen zu berücken. In Hamburg, in Moskau, in Wittenberg, wo jeder Blick und Schritt an die Unthaten der französischen Hunde erinnert, da sollte der Sitz des Congresses sein!

Ich habe Krausen gebeten, es mit Ihnen zu überlegen, wie den »Deutschen Blättern« in Berlin und im preußischen Staate ein größeres Publikum gewonnen werde. In Hannover setzen wir sechsmal so viel ab als im ganzen preußischen Staate. Seien Sie ferner für unser patriotisches Institut thätig!

Außer den früher erwähnten Gründen bestimmten ihn indeß auch die Censuranfechtungen, die mit der beginnenden Reactionszeit wieder ebenso hinderlich auftraten wie bei Beginn der »Deutschen Blätter«, dazu, das Blatt aufzugeben. Schon ein Jahr, bevor er diesen Entschluß ausführte, im Frühjahre 1815, schrieb er an Professor Koethe in Jena aus Anlaß des vorher erwähnten Aufsatzes der »Deutschen Blätter« über die Stimmung in Sachsen bei der drohenden Theilung des Landes:

Der Censor chicanirt mich außerordentlich, und wenn's so fortgeht, muß der Druck hier aufhören. Von Dresden aus ist bei unserer Regierung (Altenburg) Klage eingelaufen über einen Aufsatz, durch den der König persönlich sich sehr beleidigt fühlt. Es war behauptet worden, des Königs Pflicht wäre es gewesen, lieber ganz zu verzichten, als die Theilung seines Landes zuzulassen. Um sich nun über den Verdruß, den der Censor über jene Angelegenheit hat, zu rächen, streicht er mir Alles, was ihm nur einigermaßen frei und dreist erscheint. Insbesondere ist er Oken's Aufsätzen gram. Ich weiß nicht, wie das werden soll.

Noch unmuthiger schreibt er unterm 20. Februar 1815 an seinen Freund Hasse, damals Professor am Cadettenhause zu Dresden:

Ihre Empfindungen über die Zerreißung Sachsens, die nun gestern durch das Extrablatt der »Leipziger Zeitung« zum Vollen bestätigt sind, wird jeder redliche Sachse und Deutsche theilen, das Unglück des Landes aber vorzüglich auf Oesterreich wälzen müssen, dessen einseitige Hartnäckigkeit schuld an der Theilung ist.

Ich werde die »Deutschen Blätter« jetzt bestimmt mit dem sechsten Bande eingehen lassen. Die Theilung Sachsens hat mir alle Lust an dem Politischen geraubt; dazu kommt die beengte Preßfreiheit und die Unmöglichkeit, sich irgendwo mit Energie und Wahrheit über die wichtigsten Angelegenheiten, soweit sie uns in der Nähe betreffen, aussprechen zu können. In dem Schlußblatte möchte ich gern einen feierlichen Abschied von meinem Publikum nehmen, und ich lade Sie ein, mir dazu Ihre Feder mit zu leihen. Zuerst wäre ein Blick auf die Zeit zu thun, die den »Deutschen Blättern« vorhergegangen; dann der Augenblick des Kampfes im October zu beschreiben, die Hoffnungen und Wünsche, welche die Erhebung aller deutscher Völkerschaften bei Jedermann erweckte, der Gang des Kriegs, der endliche Triumph. Was durften die Deutschen jetzt erwarten? Getäuschte Hoffnungen jeder Art, wie sie sich entwickelten: in der Hauptstadt des Feindes wurden deutsche Völkerstämme ihm verrätherisch übergeben, und was uns von den Bourbonen vor hundert Jahren schändlich geraubt wurde, die Vormauer Deutschlands, der Elsaß, wurde nicht zurückverlangt; die uns schändlich abgepreßte Contribution wurde nicht restituirt, unsere Krieger litten in der Hauptstadt des Feindes den bittersten Mangel und waren fast ohne Verpflegung; unsere Kunstwerke blieben im Besitz der Uebermüthigen. Es erfolgte keine Versöhnung zwischen den Siegern und Besiegten. Blicke auf den Congreß. Abermalige Hoffnungen. Abermalige Täuschungen. Unterdrückte Preßfreiheit in Deutschland. Man kann seinem gepreßten Herzen keine Luft machen, der Censor steht einem ängstlich zur Seite und verschneidet jedes kräftige und treffende Wort. Wir haben den Franzosen Preßfreiheit errungen, denn nach England und Holland ist sie in Frankreich am liberalsten, aber für uns selbst ist sie nicht da. So also kann kein politisches Blatt anders als zu eigener Schande bestehen.

Dies wären einige der Ideen, die meiner Meinung nach hier ausgesprochen werden könnten. Viele andere werden Ihnen noch einfallen. Ich möchte, daß das Ganze einen Bogen füllte.

Hasse antwortete darauf am 26. Februar:

Ich glaube Ihnen gern, daß Ihnen die Lust vergangen, die »Deutschen Blätter« fortzusetzen. Der Gang der Dinge schlägt die frohesten Erwartungen nieder. Ihre Ideen über den Schluß sind trefflich, aber ich fühle in mir so wenig Beruf, und meine Zeit ist so beengt, daß ich, so sehr ich den verlangten Schlußaufsatz für nöthig halte, dennoch denselben unmöglich übernehmen kann. Ich lege deshalb das Blatt Ihres Briefs, der dieselben so trefflich entwickelt, hier bei.

Damals hatten der Wiederausbruch des Kriegs infolge Napoleon's Flucht von der Insel Elba und die darauffolgenden Ereignisse die Absicht, die »Deutschen Blätter« aufhören zu lassen, in den Hintergrund gedrängt. Aber nach der raschen Beendigung dieses zweiten Abschnitts des Kriegs und während der Verhandlungen über den zweiten Pariser Frieden, nachdem sogar im Sommer dieses Jahres eine Nummer der »Deutschen Blätter« wegen eines Aufsatzes: »Auf einmal Preußen und Franzosen Freunde«, confiscirt worden war, faßte Brockhaus diese Idee wieder näher ins Auge.

Am 4. November desselben Jahres (1815) schreibt deshalb Brockhaus wieder an Koethe: