Aus Amsterdam und dann von der leipziger Messe nach Altenburg wieder zurückgekehrt, schreibt Brockhaus in dem schon erwähnten Briefe vom 21. Mai an Bornträger:

Meine freundschaftlichen Verhältnisse mit Ludwigs, Hempels und Andern dauern ununterbrochen fort und consolidiren sich selbst immer mehr. Seit einer Reihe von Jahren ist dieser Sommer der erste, wo ich meines Lebens wieder froh bin. Die Pfingstfeiertage werde ich mit meinen Freunden eine Tour nach Dresden machen. Fritz und Lina sind in demselben Hause, wo ich wohne, in Kost und unter Aufsicht. Wahrscheinlich werde ich Fritz, um ihm mehr Reibung zu geben, hier in der Nähe in ein sehr gutes Institut thun. Lina behalte ich aber bei mir. Was aus Sophiechen werden soll? Ich habe von Ihnen beständig Nachricht erwartet über ihre Unterbringung in dem Dorfe bei Muiden. Wo das arme Kind gut ist, da ist es mir recht bis dahin, daß ich es von dort zu mir nehmen kann. Wäre es einmal hier, so wäre es gut aufgehoben. Aber wie hierher bringen?

Die für die Pfingstfeiertage 1811 beabsichtigte Reise mit Ludwigs nach Dresden fand erst Mitte Juli statt. Brockhaus hatte von derselben vielen Genuß, besonders von dem Aufenthalte in Dresden selbst, das er wol zum ersten male sah, »dieser an Kunstschätzen und Naturschönheiten einzigen Stadt«, wie er schreibt, ebenso von dem Zusammentreffen mit interessanten Leuten. Unter diesen nennt er einen Baron von Heinse aus Lübeck, mit dem zusammen er Ludwigs, die sich in Dresden von ihm getrennt hatten, um einen längern Aufenthalt in dem Bade Teplitz zu nehmen, dort besuchte und dann nach Dresden zurückkehrte. Anfang August war er wieder in Altenburg, während Ludwigs erst am 4. September wieder dort eintrafen. Die Schwester von Frau Ludwig, Jeannette von Zschock, hatte nebst ihrer Freundin Karoline Hempel ebenfalls an der Reise nach Dresden und Teplitz theilgenommen, Beide waren aber, wie es scheint, in Brockhaus' Begleitung gleich mit nach Altenburg zurückgereist.

Diese gemeinschaftliche Reise und die unmittelbar darauffolgende Zeit brachten in Brockhaus einen Entschluß zur Reife, den er schon lange mit sich herumtrug und der auch oft zwischen den Zeilen seiner von uns mitgetheilten Briefe an Herrn und Frau Ludwig durchschimmert: er verlobte sich mit Jeannette von Zschock, und der Verlobung, die nach der Rückkehr ihrer Schwester und ihres Schwagers zuerst nur im Stillen gefeiert, bald darauf aber auch öffentlich erklärt wurde, folgte gegen Ende des nächsten Jahres die Verheirathung.

Jeannette von Zschock (mit ihren vollen Vornamen Johanne Charlotte Luise Rosine, aber gewöhnlich nur die französische Form des erstern führend) war am 7. September 1775 in Offenbach geboren und lebte seit dem Tode ihrer Mutter und ihres Vaters, der Rittmeister in schwäbischen Diensten gewesen war, bei ihrer Schwester in Altenburg. Sie stand bei ihrer Verlobung im siebenunddreißigsten Lebensjahre, Brockhaus im vierzigsten.

Die einzigen Mittheilungen über die mit der Verlobung zusammenhängenden Umstände finden sich wieder in einem Briefe von Brockhaus an Bornträger. Er schreibt diesem aus Altenburg vom 30. August 1811:

Heute endlich die Beantwortung Ihrer mehrmals geäußerten Wünsche, mein jetziges inneres Leben zu kennen, meine Verhältnisse hier zur Welt, zu meinen Freunden. Je wichtigere Nachrichten ich Ihnen über das Höchste im Leben mitzutheilen habe, je mehr haben Sie Recht, darüber etwas zu wissen, da Sie mit seltener Freundschaft mein Schicksal theilen. Es hat sich in diesen Tagen viel entschieden.

Hier folgt die früher schon mitgetheilte Stelle über die in dieser Zeit von der Hofräthin Spazier gemachten neuen Anknüpfungsversuche, und daran schließen sich folgende von uns dort absichtlich noch weggelassenen Worte:

Da aber der Verstand, beleidigte Ehre, Pflichtgefühl und auch zarte und edle Neigung für ein anderes weibliches Wesen mich stärken und schützen, so werde ich der Sirenenstimme, die von der Spree her zu mir herüberschallt, nicht folgen.

Er fährt dann fort: