Brockhaus' langjähriger vertrauter Gehülfe und treuer Freund Bornträger war nach dem Verkaufe des amsterdamer Geschäfts noch bis zum Frühjahre 1812 in Amsterdam geblieben, um die von dem Käufer, Johannes Müller, nicht mit übernommenen Außenstände einzuziehen und alle sonstigen Verhältnisse daselbst zu regeln. Als ihm dies gelungen war und er am 4. März 1812 den schon früher erwähnten Vertrag mit dem amsterdamer Buchhändler Sülpke abgeschlossen, schrieb ihm Brockhaus offen: er könne ihm augenblicklich keine feste Stellung in Altenburg anbieten, da seine Verhältnisse noch zu wenig consolidirt seien, und rathe ihm seiner selbst wegen eine andere Condition anzunehmen, zu deren Erlangung er ihm gern behülflich sein werde; für alle Fälle sei ihm in seinem Hause ein Asyl gesichert. Durch diese Mittheilung und wol auch durch manche Vorwürfe verletzt, die ihm während der allerdings sehr schwierigen Zeit seiner Geschäftsführung gemacht worden waren, kündigte Bornträger und nahm eine untergeordnete Stellung bei dem Buchhändler Tasché in Gießen an. Er schrieb aber bald darauf selbst an Brockhaus, daß er seinen Entschluß bereue, und in spätern Jahren, bei Bornträger's regelmäßigem Besuche der leipziger Messe, glichen sich alle Differenzen zwischen ihnen vollständig aus. Bornträger rühmt selbst in einem spätern Briefe, er habe sich der Freundschaft seines frühern Principals bis zu dessen Tode zu erfreuen gehabt.
In Gießen blieb Bornträger bis Anfang 1815, ging dann nach Berlin zu Amelang und errichtete 1818 in Gemeinschaft mit seinem jüngern Bruder Ludwig in Königsberg unter der Firma Gebrüder Bornträger eine Sortimentsbuchhandlung, mit der bald auch Verlagsbuchhandel vereinigt wurde. Diese Buchhandlung leitete er erst mit seinem Bruder, dann nach dessen Tode (1843) allein bis zu seinem am 6. März 1866 in hohem Alter (er war am 17. September 1787 zu Osterode am Harz geboren) erfolgten Tode und wußte seiner (noch jetzt unter einem andern Besitzer in Berlin fortblühenden) Verlagsbuchhandlung Ansehen zu verschaffen; sein Sortimentsgeschäft war schon 1842 an Tag & Koch verkauft worden. Auch persönlich genoß er hohe Achtung bei seinen Mitbürgern, die ihn 1843 zum Stadtrath wählten.
Die Verdienste, die sich Bornträger um Brockhaus als treuer Freund und Berather in schwieriger Zeit erworben, werden auch von dessen Nachkommen vollkommen gewürdigt und sein Andenken wird bei ihnen stets in Ehren gehalten werden.
Bornträger's Nachfolger als Brockhaus' vertrauter Gehülfe und bald in noch höherm Grade wie dieser als Freund des Hauses wurde Karl Ferdinand Bochmann, der am 10. Juli 1813 in das Geschäft eintrat. Am 11. Februar 1788 zu Thurm bei Glauchau geboren, hatte er in der Buchhandlung des Magister Sommer in Leipzig sechs Jahre lang den Buchhandel erlernt und dann, von Wanderlust getrieben, im August 1808 eine Gehülfenstelle in Amsterdam bei dem Buchhändler Hesse angenommen. Bezeichnend für die damaligen Verhältnisse ist es, daß Hesse mit seinem neuen Gehülfen einen förmlichen Vertrag abschloß, in dem sich dieser verpflichten mußte, sich niemals in Amsterdam zu etabliren, ja selbst »nie mit den Principalen der andern zwei dortigen deutschen Buchhandlungen und mit deren Leuten sich einzulassen und allen Umgang mit denselben zu vermeiden, ansonsten Er augenblickliche Entlassung seiner Condition zu erwarten hat«. Trotzdem war er in Amsterdam mit Brockhaus bekannt geworden. Als Hesse im Sommer 1813 seine amsterdamer Buchhandlung aufgab und nach Paris zog, nahm Bochmann die ihm jetzt durch Vermittelung seiner an Dr. Bernhardi in Altenburg verheiratheten Schwester angebotene Stelle bei Brockhaus um so lieber an, als es ihm bei den aufgeregten politischen Verhältnissen Hollands in Amsterdam nicht mehr gefiel und er sich nach der Heimat sehnte. War er doch 1809 sogar gezwungen worden, in die amsterdamer Bürgerwehr (Schutterij) einzutreten. So ergriff er am 11. Juni 1813 den Wanderstab und legte die Reise nach Altenburg, wo er am 26. Juni eintraf, zu Fuße zurück. Ueber seine Wanderung wie über die nächste so ereignißreiche kriegerische Periode führte er ein Tagebuch, das manches Interessante enthält. Er gewann bald Brockhaus' vollständiges Vertrauen und war schon während der altenburger Zeit dessen Hauptstütze im Geschäft.
Außer Bochmann hatte Brockhaus noch zwei Männer an sich gezogen, die ihn bei seiner literarischen und redactionellen Thätigkeit unterstützten, während Bochmann das rein Buchhändlerische besorgte: Dr. Ludwig Hain, der im August 1812 eintrat, um ihn zunächst bei der Redaction des »Conversations-Lexikon«, später auch bei der Herausgabe der »Deutschen Blätter« zu unterstützen, und bis 1820 bei ihm blieb, und Dr. Sievers, der im Herbst 1813 zu Hain's Unterstützung kam, seine Stellung aber schon 1815 wieder aufgab.
Während dieser Zeit vollzog sich auch die Umänderung der bisherigen Firma des Geschäfts »Kunst- und Industrie-Comptoir« in die seitdem beibehaltene Firma: »F. A. Brockhaus.« Und zwar erfolgte diese Umänderung in ganz formloser Weise, da man überhaupt auf alle solche Dinge damals wenig Gewicht legte.
Wie schon früher erwähnt, gebrauchte Brockhaus seit Aufgabe des amsterdamer Geschäfts die Firma desselben auch in Altenburg noch fort, nur mit einem Zusatz, indem er »Kunst- und Industrie-Comptoir von Amsterdam« firmirte und auf den Büchertiteln bald Altenburg, bald Leipzig, bald beide Städte als Verlagsort nannte. In einem vom 15. Januar 1814, und noch dazu nicht aus Altenburg, sondern aus Leipzig (wo sich Brockhaus damals zufällig befand), datirten Circulare über Rechnungsverhältnisse finden sich am Schluß ganz beiläufig folgende Zeilen: