Hassan (bitter lächelnd). Und trug dich fort nach seinem hübschen Schloß,
Wo dich empfing die liebliche Zuleima,
Und dir die Träne aus dem Aug' gelächelt,
Vielleicht geküßt —

Almansor. Du boshaft saurer Hassan!
Vergiß nicht, daß ich noch ein Knabe war.
Auch irrst du dich, Zuleimas Augenstrahlen
Vermochten's nicht, mein nasses Aug' zu trocknen.
Ich stahl mich heimlich fort aus Alys Schloß,
Und war in wen'gen Stunden hier zurück.
Hier auf dem Boden wälzte sich mein Vater,
Sein Kleid zerrissen, Asche auf dem Haupt,
Und wildzerrauft des Bartes weiße Locken.
Hier neben ihm lag weinend meine Mutter,
Mitsamt den Dienerinnen schwarz verschleiert.
Und wenn es still ward, und nur eine Stimme
Aufseufzend rief das Wort „Granada!“ so
Ergoß sich doppelt laut die alte Klage.

Hassan (weinend). Versieget nie, ihr ew'gen Tränenquellen!

Almansor. Sieh nicht so kläglich aus, du alter Hassan.
Weit besser kleidet dich der Löwentrotz,
Mit dem du, harnischglänzend, waffenklirrend,
Zu uns Erstaunten tratest in den Saal.
Ich seh' dich noch, wie du zum Vater sprachest:
„Ich kann nicht länger dienen dir, Abdullah,
Dieweil mein Gott jetzt seines Knechts bedarf.“
Und festen Gangs verließest du das Schloß,
Und seit der Zeit sah ich dich niemals wieder.

Hassan. Zu jenen Kämpfern hatt' ich mich gesellt,
Die ins Gebürge, auf die kalten Höhn,
Mit ihren heißen Herzen sich geflüchtet.
So wie der Schnee dort oben nimmer schwindet,
So schwand auch nie die Glut in unsrer Brust;
Wie jene Berge nie und nimmer wanken,
So wankte nimmer unsre Glaubenstreue;
Und wie von jenen Bergen Felsenblöcke
Öfters herunter rollen, allzerschmetternd,
So stürzten wir von jenen Höhen oft,
Zermalmend, auf das Christenvolk im Tal;
Und wenn sie sterbend röchelten, die Buben,
Wenn ferne wimmerten die Trauerglocken,
Und Angstgesänge dumpf dazwischen schollen,
Dann klang's in unsre Ohren süß wie Wollust.

Doch hat solch blutigen Besuch erwidert
Unlängst Graf Aquilar mit seinen Rittern.
Der hat zum letzten Tanz uns aufgespielt;
Und beim Geschmetter gellender Trompeten,
Bei der Kanonen dumpfem Paukenschalle,
Beim Kehrausfiedeln kastilian'scher Klingen,
Und bei der Kugeln lustig hellem Pfeifen,
Flog jählings mancher Maure in den Himmel,
Und wen'ge nur entrannen wir dem Tanzplatz.

Doch sprich, Almansor, wie erging es Euch?
Mit jenen Freunden floh ich jüngst hierher,
Und fand nur öde Säle, und betrübt
Sahn auf mich nieder diese kahlen Wände,
Und traur'ge Ahnung gab das traur'ge Schloß.

Almansor. Verlange nicht ein Klagelied, laß schlummern
Die lieben Toten und Almansors Schmerzen.
Du sahst ja damals, wie auf schwarzem Roß
Der gute Aly hergebracht das Unglück.
Nie kommt das Unglück ohne sein Gefolge!
Tagtäglich kamen aus Granada schlimmre
Botschaften her; und wie der Wandrer schnell
Sich mit dem Antlitz auf den Boden wirft,
Wenn ihm entgegenweht der glühnde Samum,
So stürzten wir oft weinend hin zur Erde,
Daß uns der Kunden gift'ger Hauch nicht töte.
Bald hörten wir vom Abfall unsrer Priester,
Der Morabiten und der Alfaquis; —

Hassan. Gibt's irgendwo 'nen Glauben zu verschachern,
So sind zuerst die Pfaffen bei der Hand.

Almansor. Bald hörten wir, daß auch der große Zegri
In feiger Todesangst, das Kreuz umklammert;
Daß vieles Volk dem Beispiel Großer folgte,
Und Tausende ihr Haupt zur Taufe beugten; —