Hassan. Es sind die Reste jener treuen Diener,
Die Allah noch in diesem Land besitzt.
Ach! ihre Zahl ist g'ring, und täglich schmilzt sie;
Derweil die Zahl der Schelme täglich anschwillt.

Almansor. Wie tief bist du gesunken, o Granada!

Hassan. Wohl sinken muß die Stadt, wo Doppelfeinde,
Wo drinnen Zwietracht, draußen Arglist wüten.
O! Fluch der Nacht, wo diese Weiberarglist
Mit Männerhabsucht süß gebuhlt! O! Fluch
Der Nacht, wo das Verderben von Granada
In solcher Glutumarmung ward beraten;
O! Fluch der Nacht, wo einst ins Brautbett stieg
Don Ferdinand zu Donna Isabella!
Wo solches Paar der Zwietracht Funken schürt,
Da flackert bald in Flammen auf das Haus.
Nicht durch den Speer des kräftigen Leoners,
Nicht durch des stolzen Aragoniers Lanze,
Nicht durch das Schwert kastil'scher Ritterschaft, —
Nur durch Granada selber fiel Granada!
Wenn der Erzeuger meuchelt seine Kinder,
Die wehrlos eignen Kinder in der Wiege,
Und wenn der Sohn die frevelhafte Rechte
Entgegenballt dem heil'gen Haupt des Vaters,
Und wenn der Bruder, auf des Bruders Leiche,
Des Thrones blut'ge Stufen frech erklimmt,
Und wenn des Reiches pflichtvergeßne Großen
Ehrlos der Fahne ihres Erbfeinds folgen:
Dann fliehn mit schamerfüllten Angesichtern
Die Engel, die der Hauptstadt Tore hüten,
Und siegreich ziehen ein der Feinde Scharen.

Almansor. Ich denke noch des unheilschwangern Tags;
Ich stand am Tor des Schlosses unten, plötzlich
Sprengt rasch einher, auf schwarzem Roß, ein Reiter.
Wild, und verstörten Blicks, und atemlos
Fragt er nach Vater. Schnell die Trepp' hinauf, —
Und in des Vaters offne Arme sank er.
Da sah ich erst, es war der gute Aly —

Hassan (bitter). Der gute Aly!

Almansor. Aly, sprich, was bringst du?
Sprach schnell mein Vater, — O, da stürzten Bäche
Blutdunkler Tränen über Alys Wangen,
Und schluchzend sprach er: In Granada haben
Don Ferdinand und Isabell den Einzug
Gehalten unterm Schalle der Drommeten,
Und König Boabdil hat ihnen knieend
Die Schlüssel überreicht auf goldnem Becken,
Und auf Alhambras Turm steht aufgepflanzt
Kastiliens Fahne und Mendozas Kreuz.

Hassan (hält sich die Augen zu).
O! eine Gnade nur verlang' ich, Allah!
Lösch' aus in meinem Hirn dies Bild des Greuels!

Almansor. Noch schwebt mir's vor, wie dieser Botschaft Blitz
In jedem Mund' die Zunge kalt gelähmt.
Bleich, stumm und stieren Blickes stand mein Vater,
Die Arme hingen lang und schlaff herab,
Die Kniee schlotterten, und wie er hinsank,
Erhub sich Weiberjammer und Geheul.

Hassan. Lösch' aus in meinem Hirn dies Bild des Greuels!

Almansor. Da schloß mich an sein Herz der gute Aly;
Hielt mir besorgt die nassen Augen zu,
Um mir des Jammers Anblick zu verbergen,
Und zog mich fort, und hub mich auf sein Roß—