Nacht. Alys Schloß von außen. Die Fenster sind erleuchtet. Fröhliche Tanzmusik im Schlosse. Almansor steht sinnend davor. Die Musik schweigt.

Almansor. Fürwahr, recht hübsch ist die Musik. Nur schade,
Hör' ich der Zimbeln hüpfend helles Klingen,
Fühl' ich im Herzen tausend Natterstiche;
Hör' ich der Geigen langsam weiche Töne,
Zieht mir ein Messer schneidend durch die Brust;
Hör' ich dazwischen die Trompeten schmettern,
Zuckt's mir durch Mark und Bein, wie'n rascher Blitz;
Und hör' ich dröhnend dumpf die Pauken donnern,
So fallen Keulenschläge auf mein Haupt.

Ich und dies Haus, wie passen wir zusammen?

(Wechselnd nach dem Schlosse und nach seiner Brust zeigend.)

Dort wohnt die Lust mit ihren Harfentönen;
Hier wohnt der Schmerz mit seinen gift'gen Schlangen.
Dort wohnt das Licht mit seinen goldnen Lampen;
Hier wohnt die Nacht mit ihrem dunkeln Brüten.
Dort wohnt die schöne, liebliche Zuleima; —

(Sinnet, zeigt endlich auf seine Brust.)

Wir passen doch, — hier wohnt Zuleima auch.
Zuleimas Seel' wohnt hier im engen Hause,
Hier in den purpurroten Kammern sitzt sie,
Und spielt mit meinem Herzen Ball, und klimpert
Auf meiner Wehmut zarten Harfensaiten,
Und ihre Dienerschaft sind meine Seufzer, —
Und wachsam steht auch meine düstre Laune,
Als schwarzer Frauenhüter, vor der Pforte.

(Zeigt nach dem Schlosse.)

Doch was dort oben in dem hellen Saal
Prachtvoll geschmückt und prangend stolz einhergeht,
Und mit dem Lockenhaupte freundlich zunickt
Dem seidnen Buben, der sich zierlich krümmt, —
Das dort ist nur Zuleimas kalter Schatten,
Nur eine Drahtfigur, der man ein Glasaug'
Im Wachsgesichte künstlich eingefugt,
Und die, durch aufgedrehter Federn Kraft,
Den leeren Busen wechselnd hebt und senkt.

(Trompetentusch.)