Don Diego. Die Pfaffen sind ja auch vom Handwerk, Sennor,
Und heil'ge Männer haben heil'ge Zwecke,
Und brauchen Gold für ihre Kirchenkelche,
Und brauchen Wein, um sie damit zu füllen.
Ihr merktet nicht daß ich die Volte schlug?
Ich gab Euch gute Karten, und da trumpft
Nun Euer Herz die Dame, und den König,
Den Alten, trumpft Ihr lustig mit dem Kreuz;
Und morgen ist das Spiel gewonnen, morgen,
Dann gratulier' ich Euch zu Eurer Hochzeit.
Don Enrique (andächtig gen Himmel schauend). Ich danke dir, du Vater in der Höh'!
Don Diego. Ja, freilich in der Höh', denn luftig schwebt er
Am hohen Galgen, zu San Salvador.
(Sie gehn ab.)
Almansor tritt auf.
Almansor. Die buntgeputzten Fledermäus' und Eulen
Sind nun vorbei geflirrt. Recht widerlich
Drang mir ins Ohr ihr heiserharsches Schrillen,
Und atmen konnt' ich kaum in ihrer Näh'.
Zuleima, dich umschwärmt solch Nachtgevögel?
Dich, weiße Taub', umkreisen solche Raben?
Dich, schöne Ros', umkriechet solch Gewürm?
Hält denn ein Zauber dich umstrickt, Zuleima?
Ist denn das Bild des flehenden Almansors
In deiner Seele ganz und gar erloschen?
Kommt nie Erinn'rung an Almansors Liebe
Aus deinem Busen seufzend aufgestiegen?
Dort oben wallen tausend Liebesboten,
Und jedem gab ich tausend Liebesgrüße,
Und schmerzlich süß entfloß mein glühend Blut
Bei jedem Gruß, aus tausend Liebeswunden;
Und dennoch brachte keiner dieser Boten
Der Heißgeliebten meine heißen Grüße!
Schämt euch, untreue Boten, Sterne oben,
Die ihr so klug und pfiffig niederblinzelt,
Und euch als Menschenschicksal-Lenker brüstet!
Ihr konntet nicht bestellen meine Grüße —
Und blöde Tauben tragen, treu und sicher,
Den Liebesbrief des Hirten in der Wüste! —
Das Schloßgesinde ist zu Bett gegangen,
Bedächtig sind die Lichter ausgelöscht,
Und nur ein einz'ges noch strahlt dort durchs Fenster.
Ich kenn' dies Fenster noch; dort schläft Zuleima.
Dort stand ich manche schöne Sommernacht,
Und ließ die Laute klingen, bis die Liebste
Mit süßem Wort auf dem Balkon erschien.
(Er zieht eine Laute hervor.)