Die Kinder spielten manches Spiel
Mit Reinhold, dem dies sehr gefiel.
Noch niemals hatte so wie heut’
Der arme Junge sich erfreut.
Da kamen plötzlich in die Mitte
Zwei Herren mit sehr stolzem Schritte.
Da war zuerst ein weißer Hahn,
Trug in der Hand ’ne goldne Fahn’;
Drauf waren zierlich dargestellt
Nußblatt und Nuß im blauen Feld.
Gar prächtig war der Herr und stolz,
Und fast so steif, als wie von Holz.
Ein zweiter Gockel trat hervor,
Die Schreibefeder hinter’m Ohr;
Im schwarzen Rock erschien er hier
Und blickte ernst in sein Papier.
Sie krähten laut nach jeder Seit’,
Und sangen, daß man’s hörte weit:
„Kikriki! Macht Platz, macht Platz!
Ich bin ein Hahn, und bin kein Spatz;
Ich bin kein Spatz, und bin ein Hahn;
Jetzt geht erst das Spektakul an!
Der König kommt in dieses Land.
Wir machen’s Jedermann bekannt;
Und Jedermann, so wird verfügt,
Muß heiter sein und sehr vergnügt.
Wer murrt und knurrt, und wer nicht lacht,
Mit dem wird kurz Prozeß gemacht.
Wer nicht mit Lichtern schmückt sein Haus,
Dem bläst das Lebenslicht man aus.
Kikriki!
Das merken Sie!“

Die beiden Kräher ziehen ab,
Und durch die Straßen, tripp und trapp!
Kommt’s fern her und zuletzt ganz nah’;
Und endlich steht er wirklich da,
Der König, mächtig, schön und groß,
Mit Scepter, Kron’ und rother Hos’.
Ein stolzer Fürst, voll Majestät!
Potz Tausend! welche Rarität!
Nun öffnet er den weiten Mund,
Thut also seinen Willen kund:
„König Nußknacker, so heiß’ ich.
Harte Nüsse, die zerbeiß’ ich.
Süße Kerne schluck’ ich fleißig;
Doch die Schalen, ei! die schmeiß’ ich
Lieber Andern hin,
Weil ich König bin.
Aber seid nicht bang!
Zwar mein Bart ist lang,
Und mein Kopf ist dick
Und gar wild mein Blick;
Doch was thut denn das?
Thu’ kein’m Menschen was;
Bin im Herzensgrund,
Trotz dem großen Mund,
Ganz ein guter Jung’,
Lieb’ Veränderung;
Amüsir’ mich gern
Wie die großen Herrn;
Arbeit wird mir schwer,
Und dann mag ich sehr
Frommen Kindersinn,
Weil ich König bin.“

Nußknacker schwieg jetzt stille und
Schloß seinen großen Königsmund;
Doch lärmend kam der ganze Haufen
Der Kinder auf ihn zugelaufen.
Das war ein helles Lustgeschrei!
Die Fahne flattert’ hoch und frei,
Die Mützen flogen weit empor,
Und jubelnd sang der ganze Chor:
„Heil Dir, Du Knupperhanns!
Hölzern in Pracht und Glanz!
Heil, Knacker, Dir!
Beißen, wie Du, wer kann’s?
Nüsse des Vaterland’s
Läßt Du gewiß nicht ganz.
Heil, Knacker, Dir!“
Und als das Lied zu Ende war,
Da rief die ganze Kinderschaar:
„Es lebe hoch! es lebe froh
Der König Nußknackeerio!“ –
Der aber war gerührt gar sehr,
Und sprechen konnt’ er gar nichts mehr.
Die Kron’ er von dem Haupte that
Und grüßte rings voll stummer Gnad’.