Und das hat mit ihrem Singen

Die Lorelei getan.

(Heine.)

Die Abstammung des Wortes Lorelei ist nicht völlig aufgeklärt. Die einen wollen es, an das schöne Echo, das vom Berge widerklingt, erinnernd, als „lauter Fels“ deuten. In der Bibelübersetzung Luthers wird „lören“ in dem Sinne von „heulen, laut jammern“ gebracht. Die Übersetzung „Totengesangfelsen“ würde zu der mit der Lorelei verknüpften Sage passen.

Abb. 64. Oberwesel.
Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin. (Zu [Seite 56].)

Abb. 65. Blücherdenkmal in Caub und Burg Gutenfels.
Nach einer Photographie von Stengel & Co. in Berlin. (Zu [Seite 56].)

Von den steilen Bergwänden, die sich bis auf 165 m einander nähern, während die Breite des Rheines bei Rüdesheim 830 m beträgt, eingeengt, mußte der gefesselte Strom mit um so größerer Gewalt sich an den Felsen brechen, die in seinem Bette aufragten. Bis zu einer Tiefe von 27 m hat er dasselbe ausgefurcht. Tiefdunkel sind daher seine Fluten, in die aber früher hier und da einzelne härtere Felsklippen höher, gefahrdrohend für die Schiffahrt, hinaufragten, bis Sprengungen sie beseitigten. Der helle Sonnenschein, der unserer Rheinfahrt lacht, gibt nicht das rechte Stimmungsbild in diesem engsten, schluchtartigen Teile des Rheintals. Wenn Gewitterwolken über dem Strome sich ballen oder die Rheinnebel durch das Tal wallen, wenn aus dem Wolkengrau, dem weißen Nebelschleier wie schwarze Mauern die trotzigen Bergwände mit den Trümmerresten der Burgen herausschauen, dann erst entsteht eine Stimmung, die in diese Landschaft hineinpaßt und uns ein düsteres Fjordbild von Norwegens felsiger Küste vortäuschen könnte.