Abb. 66. Die Lurlei.
Nach einer Photographie von Stengel & Co. in Berlin. (Zu [Seite 56].)
Abb. 67. St. Goar und Rheinfels.
Nach einer Photographie von Stengel & Co. in Berlin. (Zu [Seite 60].)
St. Goar. Rheinfels. Katz und Maus. Die Brüderburgen.
Unterhalb des Loreleifelsens wird der Rhein wieder breiter, und bei St. Goarshausen, dem das alte Städtchen St. Goar ([Abb. 67]) gegenüberliegt, fand sich sogar Raum genug zur Anlage eines Sicherheitshafens, in dem die Schiffe zur Winterzeit vor dem Eisgange oder zu anderen Jahreszeiten vor plötzlich eintretendem Hochwasser Schutz suchen können. Während über St. Goarshausen der hohe Turm der 1393 erbauten Burg Katz ([Abb. 68]) emporragt, ist St. Goar durch die Ruinen der umfangreichen Burg Rheinfels ([Abb. 69]), die mehr als 100 Jahre älter ist, malerisch geschmückt. Die Besitzer dieser beiden Burgen waren die Grafen von Katzenelnbogen, die eine Stunde landeinwärts auch die Burg Reichenberg ([Abb. 70]) besaßen. Spottweise nannten diese eine andere Burg, die wenig unterhalb von der rechten Talwand herniederschaut, die Maus. Dann erscheinen auf derselben Seite, nach einer längeren Strecke, auf wildgerissenen Felsen die Trümmer der beiden „Brüderburgen“ Liebenstein und Sterrenberg. Eine tiefe Schlucht trennt die beiden Burgen voneinander, über die die Geschichte wenig Verbürgtes zu melden weiß. Gesprächiger ist die Sage. Sie erzählt von zwei Brüdern, die, nachdem sie ihre blinde Schwester bei der Erbschaftsteilung betrogen haben, selbst miteinander in heftigen Streit geraten und sich gegenseitig töten. Anders berichtet Horn die Sage. Zwei Brüder liebten eine Maid — Gräfin Laura nennt Heine sie — und gerieten darüber in Streit.
„Wehe! Wehe! Blut’ge Brüder!
Wehe! Wehe! Blut’ges Tal!
Beide Kämpfer stürzen nieder,
Einer in des andern Stahl.“
(Heine.)