Abb. 68. St. Goarshausen und Ruine Katz.
Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin. (Zu [Seite 60].)

Abb. 69. Ruine Rheinfels, mit Durchblick nach St. Goarshausen.
Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin. (Zu [Seite 60].)

Abb. 70. Burg Reichenberg bei St. Goarshausen.
Nach einer Photographie von Stengel & Co. in Berlin. (Zu [Seite 60].)

Salzig.

Gegenüber den beiden Brüderburgen und dem Kloster Bornhofen, einem vielbesuchten Wallfahrtsort, liegt, umschattet von Hunderten von Kirschbäumen, das Dörfchen Salzig. Im Frühling entfalten die Kirschenhaine einen Blütenschmuck, daß das Auge, wie schon Wolfram von Eschenbach sang, „schier trunken wird ob solcher Pracht“. Im Juni aber, wenn die Kirschenernte stattfindet, fließt ein reicher Goldsegen in den berühmten Kirschenort. In kleinen Körbchen wandern die rotbackigen süßen Früchte auf den Kirschenmarkt nach Coblenz, wo zahlreiche Händler aus allen Städten des Niederrheins, sowie aus Holland und England sich einfinden. Bei guter Ernte soll Salzig einen Erlös von 200000 Mark aus seinen Kirschen machen. Auch die Rheinorte, die weiter unterhalb vom baumgeschmückten Strand grüßen, wie Camp, das Städtchen Boppard, ferner Filsen, Osterspay, Ober- und Niederspay, treiben neben dem Weinbau einen bedeutenden Obstbau. Im Frühling sind diese Ortschaften von dem weißen Blütenmeer der Kirschbäume, in dem hier und da, wie ein duftiger Strauß, das liebliche Rosa eines Pfirsichbaumes erscheint, umrahmt.

Boppard.

Zwar lacht nicht des Frühlings Blütenpracht bei der Ankunft unseres Schiffes, des stolzen „Lohengrin“, im gastlichen Boppard (6600 Einw.) ([Abb. 71]). Aber der Schmuck der schönen Gärten, die die zahlreichen Villen umgeben, erfreut unser Auge und lockt mehr noch die, welche mit ihrem Reisebündel bereit stehen, das Schiff zu verlassen. Genußreiche Wanderungen werden sie hinauf führen zur Bergeshöhe, wo der Landschaft Pracht zu ihren Füßen liegt, zum Vierseenplatz, wo sie den sich krümmenden Rheinlauf vierfach zwischen den Bergen aufblitzen sehen, oder in das anmutige Mühltal ([Abb. 72]). So heiter lacht des Lebens, der Gegenwart frischer Reiz, und fast vergessen wir, den Geist in die lange Geschichte zu versenken, von der Boppard zu erzählen weiß. Von den Kelten wurde das alte Bodobriga gegründet. Die Römer errichteten daselbst ein Wurfmaschinendepot (balistarii Bodobricae). Im vierten Jahrhundert n. Chr. wurde der Ort von ihnen von neuem stark befestigt. Bedeutende Reste dieser spätrömischen Festungsanlage sind noch erhalten. Es konnte festgestellt werden, daß dieselbe ein Rechteck von etwa 300 m Länge und halber Breite bildete und von einer 3 m dicken und 8 m hohen Ringmauer, in der sich vier runde Ecktürme und 24 halbrunde Mauertürme befanden, umgeben war. Im dreizehnten Jahrhundert wurde Boppard, das seit dem zwölften Jahrhundert freie Reichsstadt gewesen war, zusammen mit Oberwesel an den Erzbischof von Trier verpfändet. Von mittelalterlichen Gebäuden sind besonders die in der Mitte der Stadt gelegene spätromanische Pfarrkirche, deren alte Malereien 1894 und 1895 sorgfältig erneuert wurden, die gotische Karmeliterkirche und die ehemalige kurtriersche Burg, die jetzt als Amtsgericht dient, zu nennen.