„An den Rhein, an den Rhein, zieh’ nicht an den Rhein,

Mein Sohn, ich rate dir gut!“

Abb. 4. Frankfurt, von Sachsenhausen gesehen.
Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin. (Zu [Seite 20].)

Von der alten Kaiserstadt Frankfurt am Main und vom alten goldenen Mainz soll die Wanderung uns führen durch die Rebengefilde des Rheingaues, durch das herrliche Rheintal selbst und durch die nicht minder schönen Nebentäler der Nahe, der Saar, der Mosel, der Lahn, der Ahr, der Sieg und der Wupper, sowie durch die schönsten Gegenden des Rheinischen Schiefergebirges, durch das jene Täler tiefe Furchen gezogen haben, bis hin nach Düsseldorf, der jung strahlenden Kunststadt am Rhein, und nach Aachen, der alten Kaiserstadt.

Abb. 5. Der Kaisersaal im Römer zu Frankfurt.
Nach einer Photographie von Ludwig Klement in Frankfurt. (Zu [Seite 20].)

II. Zur geologischen Einführung.

Geologische Einführung.

Zwar bedarf es nicht unbedingt der Führung eines Naturforschers, um die Schönheit, mit der die Oberfläche der Erde geschmückt ist, zu empfinden und zu genießen. Anderseits bin ich auch nicht der umgekehrten Ansicht, daß beim Genießen des Schönen der Verstand fernzuhalten sei als ein Störenfried, der manche Empfindungen, naive des Volkes, die aber von der Poesie geliebt werden, verscheuchen könnte. Herz und Verstand vertragen sich in den meisten Menschen recht gut miteinander, und für Empfindungen, die beim Fragen nach verborgenen Ursachen flüchten, melden im Herzen sich andere, die sicheren Ursprung haben und unser Gefühlsleben noch wärmer anhauchen. Auch die Geologie oder Erdgeschichte, die manches Überlieferte, so auch den Drachen, der einst am Drachenfels hauste, zur Fabel macht und manches Teufelswerk in der Natur einer phantasieärmeren Wirklichkeit zurückgibt, entschädigt uns reichlich, indem sie uns in dem Antlitz der Erde lebensvolle Züge zeigt, die wir vorher nicht kannten, nicht sahen und nicht suchten. Es wird uns, als wenn ein Marmorbild zu leben begänne. Der starre Fels, er haucht Leben, indem er uns sagt, wie er geworden, seine Schichten, so innig sie verbunden sind, entfliehen in verschiedene, weit voneinander entfernte Zeiten, das verbrannte Gestein des Kraters beginnt zu glühen, und Kiese und Sande, Lehm und Ton, die so wohl gebettet sind, beginnen zu wandern und werden ein Spiel der Fluten. Durch die unermeßlichen Räume der Zeiten eilt der Geist, die Phantasie beginnt großartige Bilder der Vergangenheit zu gestalten, zu denen der Verstand die Grundlinien eines Planes fand, und unser Herz wird erfüllt von jenem Empfinden, das dem Werden alles Großen sich beugt.