In vorhistorischer Zeit dienten einige der waldigen Höhen des Hunsrück den Bewohnern bei feindlichen Einfällen als Zufluchtsstätten. Vielleicht waren solche Berge, deren Scheitel mit mächtigen Ringwällen umgeben wurde, zugleich auch Kultusstätten. Der bekannteste Ringwall und einer der größten in den Rheinlanden ist der von Otzenhausen, im Volksmunde einfach der „Ring“ genannt. Er ist meist 25 bis 30 m hoch, oben noch 5 bis 8 m breit und umzieht in ovaler Form in fast 2 km Länge die Spitze des Berges. Im Inneren des so umschlossenen Schutzgebietes liegt eine Quelle; denn Wasser durfte in dem befestigten Berglager nicht fehlen.
Abb. 97. Innenansicht des Trierer Domes mit Hochaltar.
Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin. (Zu [Seite 102].)
Während der Quarzitboden wohl ein guter Waldboden ist, eignet er sich für den Getreidebau weniger, weil er zu wenig Tongehalt hat und daher zu sandig ist. So hatte man keine Veranlassung, die herrlichen Forsten, mit denen die Granitrücken geschmückt sind, auszuroden. Auf den weiten Hochflächen, besonders des nördlichen Hunsrück, hatte der Ackerbau Raum genug, sich auszubreiten. Dort bildet der weit verbreitete Hunsrückschiefer einen recht guten Ackerboden, und wäre die Höhenlage nicht so bedeutend und das Klima milder, so würde der Bauer des Hunsrück nicht bloß sein bescheidenes Auskommen finden. So aber bleibt sein Leben ein steter Kampf, der rührigen Fleiß und ein sparsames Wirtschaften verlangt. Die Natur des Landes ist der beste Tugendlehrer. Als ein arbeitsames, fleißiges und genügsames Völkchen werden die Bewohner des Hunsrück überall geschildert. Sie sind von alemannischer Abstammung, wie Rottmann an der Sprache nachgewiesen. Diese ist ein ähnlicher Dialekt, wie er auch im Rheintal von Bingen bis Coblenz, im Nahetal und Moseltal gesprochen wird, wenn dort auch manche Änderungen durch stärkere Völkermischung stattgefunden haben. Eine von den Eigentümlichkeiten des Hunsrücker Dialekts, von dem uns das hübsche Frühlingslied von P. J. Rottmann eine Probe geben soll, ist das Übergehen von d und t in r, wenn diese Laute zwischen Vokalen stehen, z. B. jerer statt jeder.
Frühlingslied.
Watt sin euch dehr Brierer,
Watt sin euch so froh;
Der Winder is danre,
Det Friehjohr es doh.
Eraaser, dehr Bue,