Als ein stark abgetragenes Gebirge, das nur noch in seinen Grundresten stehen geblieben ist, hat der Hunsrück gleich dem Taunus heute ein ganz anderes Oberflächenbild als früher. Mit seiner Höhe büßte er auch seine Farbenpracht ein. Die Längsachse der Auffaltung lag auch bei ihm südlich von dem jetzigen Hauptzuge des Gebirges. Aber die ältesten Gesteine des Hunsrück, kristallinische Sericite und Phyllite, die bei der Aufwölbung aus tieferem Erdinnern hervortraten, wurden als die weicheren stärker abgetragen. Sie bilden eine schmale Zone im südlichen Hunsrück. Über ihr genaues Alter streitet man sich ebenso wie über das der alten Gesteinsschichten, die am Südrande des Taunus auftreten. Ein Teil der Geologen hält wenigstens die Sericite für cambrisch, während Lossen diese, sowie auch die Phyllite des Hunsrück als metamorphosierte, d. h. kristallinisch umgewandelte Unterdevongesteine ansieht. Die härteren Taunusquarzite, die als das nächstfolgende jüngere Gestein bei der Auffaltung seitwärts in eine Nebenzone gedrängt worden waren, widerstanden der Verwitterung und den zerstörenden Kräften des Wassers besser und wurden allmählich Hauptgebirgswall. Die noch jüngeren Schichten, Hunsrückschiefer und Koblenzschichten, die noch mehr seitwärts gedrückt worden waren, wurden als weichere Gesteine stärker und zugleich sehr gleichmäßig abgetragen. So entstand im Norden, wo diese Gesteinsschichten eine breite Zone einnehmen, während sie im Süden fehlen, eine weite, schwachwellige Hochfläche, der eigentliche Hunsrück.
Abb. 94. Die Porta nigra in Trier.
Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin. (Zu [Seite 102].)
Abb. 95. Der Kaiserpalast in Trier.
Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin. (Zu [Seite 102].)
Abb. 96. Der Dom und die Liebfrauenkirche in Trier.
Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin. (Zu [Seite 102] u. [104].)
Hunsrück-Landschaft.
Große Formenschönheit entfaltet das Gebirge auf seiner Oberfläche nirgendwo. Auch die höher hervorragenden Quarzitrücken sind einförmig gestaltet. Sie steigen sanft an und bilden langgezogene Gewölbe. Schwache Erhöhungen deuten die Hauptgipfel an, von deren oberster Spitze sich nirgendwo eine Aussicht auf formenreiche Landschaften öffnet. Auch fehlt der Blick hinab auf eine kulturreiche Ebene, wie ihn z. B. im Riesengebirge die Schneekoppe, wie ihn auch die Höhe des Taunus nach Süden hin bietet. Nur kleine Siedelungen liegen über die wellige Hochfläche zerstreut. Sie sind entweder an die sanft ansteigenden Bergabhänge gelehnt, so daß man sie in den Mulden des Landes kaum zu finden weiß, oder sie liegen freier auf hervorragenden Punkten, von denen hier und da ein fernes Kirchlein zu uns herüber winkt. In unserer nächsten Nähe, auf dem breiten Quarzrücken selbst, sehen wir nichts als Wald. Durch herrlichen Hochwald stiegen wir ja in dreistündigem Marsche empor, und im Schatten riesiger Buchen und Eichen hielten wir Rast. Das ist noch echt deutsche Waldespracht, wie wir sie nur noch in wenigen Teilen des Vaterlandes finden, ein Bild, wie es vor zwei Jahrtausenden die Vorfahren schauten, die noch den Auerochs jagten. Auch heute winkt noch im Hunsrück des Weidmanns Heil. Als die herrlichsten Forsten, als die besten Jagdgründe Rheinlands, gelten die schönen Waldbestände des Hochwalds, und leidenschaftliche Jäger scheuen weite Reisen nicht, um in dieser Waldesherrlichkeit Hirsch und Reh, Wildschwein und Fuchs jagen zu können.
Ringwälle. Land und Volk.