Rheinfahrt.

Wieder stehen wir am Strande des Rheins, um das Dampfschiff für die Fahrt von Remagen nach Bonn zu erwarten. Die „Loreley“ ist’s, die auf den Fluten dort heranschimmert und nun an der Landebrücke anlegt. Will der Name des schönen Schiffes noch einmal Kunde uns bringen von dem herrlichen Bilde, das wir auf der Rheinfahrt schauten, von dem sagenumwobenen Berge und der Nixe, der jener Schiffer vergessen lauschte, oder will er der Sage liebliche Laute aufs neue wecken in unserer Brust beim Anblick anderer Bilder herrlichster Art?

Abb. 132. Westerburg. Auf dem Westerwald.
Nach einer Photographie von H. Hardt in Limburg. (Zu [Seite 134].)

Abb. 133. Limburg an der Lahn.
Nach einer Photographie von Stengel & Co. in Berlin. (Zu [Seite 137].)

Rolandseck. Drachenfels. Königswinter.

Tief steht die Sonne am Himmel. Auf die Talwand zur Linken senkten sich schon des Abends Schatten, aber die Höhen auf der rechten Seite des Stroms lecken noch das letzte Licht des sterbenden Tages. So feurig strahlt der Abendröte Schein, als wollte sie die letzte Stunde der Rheinfahrt uns vergolden, daß leuchtend der Erinnerung schöne Bilder wieder auftauchen können noch in späteren Jahren, wenn ein großes Stück des Lebens hinter uns liegt wie ein Traum. O schönes Erinnern, das dann auch erzählt von jenem Sonnenuntergang am Rhein! Von neuem sehen wir, wie die dunkle Bergmasse der so trotzig am rechten Rheinufer aufragenden Erpeler Ley sich rötlich färbt und von den sanften Rebengehängen Oberwinters auf der andern Seite die letzten Sonnenstrahlen forthuschen, wie über Rolandseck von schattendunkler Bergeswand der Rolandsbogen ([Abb. 117]) grüßt und vor uns das liebliche Eiland Nonnenwerth mit seinem altersgrauen Kloster auftaucht, wie endlich der Drachenfels ([Abb. 1]) aus den Fluten des Stromes auftaucht, so trotzig, als wollt’ er ihn wehren, weiter zu ziehen und unser Schiff fortzutragen aus diesem Lande der Poesie. Und auch der Sage Laute klingen wieder an unser Ohr. Von Hildegunde erzählen sie, die, einer falschen Nachricht glaubend, die den Tod ihres geliebten Ritters meldete, im Kloster zu Nonnenwerth die Klage des Herzens vergessen wollt’, von Roland, der traurig diese Kunde nach glücklicher Heimkehr vernahm und droben, wo heute noch der Rolandsbogen steht, sich ein Schloß baute, um immer hinabschauen zu können auf das Kloster, das die Liebste barg, und von Siegfried, der den Drachen tötete.

Abb. 134. Inneres des Domes in Limburg an der Lahn.
Nach einer Photographie von Stengel & Co. in Berlin. (Zu [Seite 138].)