An dem freundlichen Städtchen Hadamar vorbei trägt uns die Bahn durch fruchtbares Hügelland und schöne Wälder hinab in das Lahntal zu der Stadt Limburg (10000 Einw.) ([Abb. 133]) mit dem prächtigen Dom, der mit seinen sieben Türmen malerisch einen Felsvorsprung hoch über dem Flusse krönt. In Limburg müssen wir Einkehr halten, weil dort die Bahnlinie, die durch den unteren Westerwald führt, beginnt. Zuerst wollen wir aber im Lahntal kurze Umschau halten. Die Stadt Limburg war im frühen Mittelalter Residenz der 1407 ausgestorbenen Grafen des Lahngaues. Sie fiel dann an Kurtrier. Der Dom ist eine ebenso prachtvolle als großartige Schöpfung des spätromanischen oder Übergangsstils. Von 1213 bis 1242 wurde an ihm gebaut ([Abb. 134]).
Abb. 152. Die Urft-Talsperre bei Gemünd. (Zu [Seite 164].)
Aufwärts leitet uns das Lahntal zu manchen landschaftlich schönen Punkten hin. Das Städtchen Runkel liegt in geringer Entfernung von Limburg malerisch auf beiden Seiten der Lahn und wird überragt von einem gegen das Ende des zwölften Jahrhunderts erbauten Schlosse der Grafen von Wied. Die weitere Fahrt wird durch die zahlreichen Flußübergänge und Tunnels sehr abwechslungsreich. Der letzte durchschneidet den Schloßberg des Städtchens Weilburg (etwa 4000 Einw.), das sich im Rahmen eines schönen Landschaftsbildes dem Blicke zeigt. Bis 1816 residierten die Fürsten (seit 1806 Herzöge) von Nassau-Weilburg daselbst. Das Schloß stammt aus dem sechzehnten Jahrhundert, wurde aber 1721 bedeutend vergrößert und kann, auf steilem Felsen gelegen, zu den hervorragendsten Schönheiten des Lahntales gerechnet werden.
Der oberhalb Weilburg gelegene Teil des Lahntales fällt außerhalb des Rahmens dieser Schrift, und nur noch auf die reichen Erzschätze der Weilburger Gegend, wo besonders ausgedehnte Lager von Roteisenstein und Phosphorit vorkommen, sowie des Bezirks von Dillenburg und Herborn im östlichen Westerwald sei hingewiesen. Ihr Vorkommen ist an das zahlreiche Auftreten von Diabasen geknüpft. Diese brachen in der devonischen Zeit als glutflüssige Massen hervor, breiteten sich deckenartig auf dem alten Meeresgrunde aus und wurden später selbst wieder von andern Erdschichten bedeckt. Infolgedessen kommen sie meist linsen- oder lagerartig zwischen Grauwacken, Kalken und Schiefern vor. Auf die reichen Erzvorkommen des Westerwaldes, die auch die obere Sieggegend mit ihrem vorzüglichen Spateisenstein umfassen, und die auf dieselben sich gründenden Industrien hinweisend, sagt Riehl von dieser Gegend mit poetischem Schwunge: „Die Feuersäulen der Hochöfen gruppieren sich hier wie zu einem Strahlendiadem rings um den Saum der Hochflächen.“
Abb. 153. Gerolstein, von der Burg gesehen.
Nach einer Photographie von Stengel & Co. in Berlin. (Zu [Seite 164].)
An der untersten Strecke des Lahntales von Limburg bis zur Mündung des Flusses sind die landschaftlich schönsten Punkte das von dem früheren Schloß der Grafen von Nassau-Dillenburg überragte Städtchen Diez (4500 Einw.), die auf bewaldeter Basaltkuppe thronende Schauenburg, die Schloßruine Balduinstein, deren großartige Baureste sich aus enger Schlucht auf Kalk- und Porphyrfelsen erheben, Burg Nassau ([Abb. 135]) und Burg Stein, vor letzterer das im Jahre der Wiedererrichtung des Deutschen Reiches vollendete Denkmal des Freiherrn vom Stein ([Abb. 136]), das alte Städtchen Nassau, welches schon 790 als Nasonga erwähnt wird, und in dessen Schloß der eben genannte große Staatsmann das Licht der Welt erblickte und wohnte, und endlich Ems (rund 7000 Einw.), ([Abb. 138]). Bad Ems ist alljährlich das Ziel von Tausenden, und nicht immer sind es die Kranken und Schwachen, die dorthin pilgern, um vom Emser Krähnchen, vom Fürsten- oder vom Kaiserbrunnen zu trinken; auch herzensfrohe Menschen finden sich unter den Kurgästen, die eben nur eine Badereise machen wollen, denen es in den freundlichen Landhäusern zu gut gefällt, die von den Klängen der Kurkapelle gar zu gern sich locken lassen, die das Promenieren im Kurgarten ([Abb. 137]) lieben oder auch an den schönen Spaziergängen über die benachbarten, waldgeschmückten Höhen immer wieder neues Gefallen finden. Auch historische Erinnerungen knüpfen sich an Ems. Ein Marmorstandbild des Kaisers Wilhelm I. erinnert an die Zeit, in der der Monarch alljährlich zum Kurgebrauch nach Ems zurückkehrte, und man zeigt uns die Stelle, wo der greise König den allzu zudringlichen französischen Gesandten im Juli des Jahres 1870 abwies. Die Hauptbestandteile der Emser Quellen sind doppeltkohlensaures Natron und Chlornatrium. Ihr Kurgebrauch wird hauptsächlich bei Erkrankungen der Atmungsorgane, sowie bei Magen- und Darmkatarrhen verordnet.
Montabaur und Kannenbäckerland. Westerwalder Tonindustrie.
Nach diesen Streifzügen durch das Lahntal nach oben und nach unten sind wir wieder in Limburg angelangt. Zur Fahrt durch den untern Westerwald besteigen wir von neuem die Eisenbahn, die uns über ein hügeliges Land, in dem schöne Wälder mit fruchtbaren Äckern wechseln, zunächst nach Montabaur bringt. Das Städtchen ist der größte Ort des Westerwaldes, obschon es nur etwa 4000 Einwohner zählt. Es liegt in sehr waldreicher Gegend. Die im Besitze von Montabaur befindlichen Waldungen werfen z. B. einen jährlichen Ertrag von etwa 13000 Mark ab. Der Stolz des Städtchens ist das ehemalige kurfürstlich-trierische Schloß, das aus einem Walde von Hainbuchen auf einem abgestumpften Bergkegel emporsteigt. Schattige und felsgeschmückte Wege führen zu demselben hinan, und auf dem Schloßberge entfaltet sich eine prächtige, vielgerühmte Aussicht, namentlich auf das malerisch gelegene Städtchen selbst.