Entstehung des Siebengebirges. Das Siebengebirge zur Tertiärzeit.
Wie wir, versunken in die Schönheit des Siebengebirges, freudig dem plaudernden Quell der Sage und Geschichte lauschten, so wollen wir gerne auch dem forschenden Geiste folgen, der uns in das Werden dieses schönen Landes einweihen möchte. Nicht immer standen die sieben Berge so stolz und so schön. Verhältnismäßig jung ist ihr Alter. Als der Boden des Rheinischen Schiefergebirges längst gebildet und der größte Teil desselben emporgetaucht war aus den Wasserfluten des Meeres, auf dessen Grunde es sich abgelagert hatte, da wälzten sich über die Gegend des Siebengebirges mächtige Ströme. Große Massen von Ton, Quarzsand und Kieselgeröll lagerten sie ab, und in Buchten bildeten sich die Ablagerungen der Braunkohle. Nach dieser, für den menschlichen Haushalt so wichtig gewordenen Bildung bezeichnet man jene Ablagerung mit einem allgemein verständlichen Worte als Braunkohlenformation. Sie gehört der Tertiärzeit an. Im Siebengebirge ist sie besonders im Nordwesten verbreitet. Nördlich von Königswinter erstreckt sie sich ostwärts weit in dasselbe hinein, bis über den Wintermühlenhof hinaus reichend. In der Nähe dieses Hofes treffen wir namentlich Lager von weißlich gefärbtem Quarzit an. Beim Zerschlagen dieses etwas schiefrigen Gesteins kommen häufig Abdrücke von Blättern zum Vorschein, von Lorbeer, ferner von Palmen und Myrte. So sind uns die Spuren einer einst im Rheinland heimischen Pflanzenwelt erhalten, die heute nur noch in viel südlicheren Ländern vorkommt. Die Funde beweisen, daß im Rheingebiet zur Tertiärzeit ein wärmeres Klima herrschte.
Abb. 167. Madonna im Rosenhag.
Dem Meister Stephan von Köln zugeschriebenes Tafelgemälde im Wallraf-Richartz-Museum zu Köln. (Zu [Seite 173].)
Gesteine des Siebengebirges.
In der Zeit, in der die Braunkohlenlager entstanden, oder etwas später begann auch die vulkanische Tätigkeit im Siebengebirge. Als die ältesten vulkanischen Auswurfsmassen sind die trachytischen Tuffe festgestellt worden, die man eine lange Zeit, weil sie die anderen überlagern, für die jüngsten hielt. Zwei Tatsachen haben bei der Beweisführung hauptsächlich die Entscheidung gebracht. In einer Schlucht im Siebengebirge, die den Namen Hölle führt, erblicken wir an mehreren Stellen in den senkrecht aufsteigenden, gelblich gefärbten Tuffwänden Adern einer anderen Gesteinsmasse. Eine von ihnen ist mit Basalt angefüllt, der von unten emporgequollen sein muß. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß letzteres erst nach Ablagerung des Tuffs geschehen sein kann. Dieser ist also älter als der Basalt. Ferner sehen wir in einer nördlichen Vorkuppe des Siebengebirges, in dem Großen Weilberg, der sich durch seine schönen Säulenbasalte auszeichnet, daß die Tuffhülle, in der der Basalt stecken blieb, an der Berührungszone mit diesem eine rötliche Färbung angenommen hat, eine Folge der Hitze, die der emporgequollene Basalt entwickelte. Wäre der Trachyttuff erst nach diesem, also auch nach dessen Erkaltung abgelagert worden, dann hätte die Feuerwirkung nicht stattfinden können. Hierdurch wird allerdings wiederum nur bewiesen, daß der Trachyttuff älter als der Basalt ist, das Altersverhältnis zu dem Trachyt, der im Siebengebirge ebenfalls sehr viel verbreitet ist, dagegen nicht berührt. Man nimmt an, daß aus Ausbruchsstellen, die heute nicht mehr nachgewiesen werden können, zuerst ein starker Auswurf von Trachyttuff stattfand, daß dann die Trachytgesteine und zuletzt die basaltischen Gesteine hervorquollen.
Der Trachyttuff bedeckte einst wohl das ganze Gebiet des Siebengebirges. In größerer Mächtigkeit lagert er jetzt noch bei der Hölle, die sich als eine echte Cañonschlucht durch die Tuffdecke gebildet hat und mit dem ebenfalls tief eingeschnittenen Nachtigallental zusammenstößt, ferner am Kühlsbrunnen und an der Ofenkaule. Der Quarzit am Wintermühlenhof wird vom Trachyttuff überlagert, ein Beweis, daß die vulkanische Tätigkeit im Siebengebirge erst nach seiner Ablagerung begann.
Abb. 168. Das Hahnentor in Köln. (Zu [Seite 173].)
Die Trachyte des Siebengebirges sind von verschiedener Beschaffenheit. Der Trachyt des Drachenfels hat keine Hornblende, dafür Feldspat, der auch in Form von schönen, großen Sanidinkristallen dem Gestein eingeschlossen ist. Diese Kristalle, deren Glitzern sofort auffällt, machen den Drachenfels-Trachyt als Baustein minderwertig. Am Kölner Dom, bei dessen Bau er verwendet wurde — der Domsteinbruch befand sich an der Südwestseite des Drachenfels — zeigte es sich, daß die Sanidinkristalle ausgewittert waren, wodurch besonders der Bildhauerschmuck sehr gelitten hatte. Infolgedessen wurde bei der Fortführung des Dombaues kein Trachyt mehr verwandt. Aus echtem Trachyt bestehen auch die Kuppen des Lohrberg, Schallenberg und Geisberg. Am Kühlsbrunnen im Rhöndorfer Tal kommt ein Trachyt vor, der fast nur aus Sanidin besteht, aber keine Sanidinkristalle ausschließt. Es ist dies die einzige Fundstelle eines solchen Trachyts in ganz Nordeuropa. Von ganz anderer Beschaffenheit ist das trachytische Gestein der Wolkenburg. Es ist ein Hornblende-Trachyt oder Andesit, benannt nach den Anden in Südamerika. Die Hornblende bildet oft schöne schwarze Kristalle. Aus Andesit bestehen außerdem noch die Breiberge, der Hirschberg, die Rosenau und der Stenzelberg.