Rheinfahrt von Bonn nach Köln.
Auf der Fahrt mit dem Dampfschiff von Bonn nach Köln zeigt uns das ebene Land nur wenige Merkwürdigkeiten. Gleich nach der Abfahrt wird rechts die Doppelkirche von Schwarzrheindorf ([Abb. 158]) sichtbar, die bei den Kunstkennern besonders wegen ihres reizenden Chorrundganges und ihrer altkölnischen Malereien als ein Baudenkmal von hervorragendem künstlerischen Werte gilt. Sie wurde 1149 bis 1151 als Grabkirche für den Erzbischof Arnold II. von Wied errichtet. Die untere Kirche war für die Gemeinde, die obere für die Nonnen bestimmt. Leider ist die Kirche, die zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts nur noch als Pferdestall und Scheune zu benutzen war, trotz zweimaliger, gründlicher Restaurierung stark in Verfall geraten, so daß Kunstkenner sich über ihren heutigen Zustand sehr besorgt äußern.
Abb. 175. Der Altenberger Dom. (Zu [Seite 178].)
Etwa eine Stunde unterhalb Bonn erfolgt die Einmündung der Sieg in den Rhein. Wir können die Mündungsstelle, die durch Weidengebüsch verdeckt wird, vom Schiffe aus nicht sehen; aber ein schwärzlicher Streifen in dem grünen Rheinwasser verrät sie am rechten Ufer. Wenig unterhalb der Siegmündung liegt der Ort Mondorf. Die zahlreichen, am Rheinufer zum Trocknen aufgestellten Netze verraten uns schon die Beschäftigung vieler seiner Bewohner. Ohne auffälligen Wechsel der Uferbilder geht die Fahrt weiter, an dem langen Dorfe Hersel, das hinter den Nußbäumen einer Rheininsel hervorlugt, und an dem Fabrikorte Wesseling vorbei. Vor uns, in der Fahrtrichtung, werden die hohen Türme des Kölner Domes immer deutlicher sichtbar. Zuerst erschienen sie über dem rechten Ufer. Plötzlich schauen wir sie zur Linken, dann tauchen sie wieder rechts auf. Wir haben während der Fahrt die Biegungen des Rheines nicht verfolgt und sind fast irre geworden, auf welcher Seite des Stromes eigentlich Köln liege, bis endlich auch das übrige Bild der großen Stadt links vor uns auftaucht. Wie ein Wächter, den frühere Zeiten abzulösen vergaßen, reckt sich am Ufer der hohe Bayenturm heraus, die frühere Zollstelle bezeichnend. Über die neuen Werft- und Hafenanlagen, die von 1892 bis 1898 angelegt wurden, gleitet dann der Blick. Immer großartiger gestaltet sich das Gesamtbild ([Abb. 159]). Links und rechts fassen hohe Gebäudereihen den breiten Strom ein, über den eine niedrige Schiffbrücke und eine hohe Gitterbrücke ([Abb. 160]) hinüberführen nach Deutz, dem früheren Brückenkopf von Köln. Besonders das linksseitige Stadtbild, das eigentliche Köln, fesselt den Blick. Aus dem Häusermeer tauchen zahlreiche Kirchen auf; aber alle überragt riesenhaft der majestätische Dom, so daß selbst die hohe Gitterbrücke mit ihren stolzen Türmen zwerghaft in die Tiefe versinkt. Die feste Rheinbrücke wird zurzeit durch eine breitere, die an der nämlichen Stelle, neben der alten, errichtet wird, ersetzt, und außer ihr ist noch eine zweite feste Brücke, die Südbrücke, im Bau begriffen.
Köln.
Von der Landestelle des Dampfers, neben der stets belebten Schiffbrücke, gelangen wir unmittelbar in das alte Köln, zuerst auf den Heumarkt, auf dem das Denkmal des Königs Friedrich Wilhelm III. steht, dann auf den Altenmarkt, den ein Denkmal des berühmten Reitergenerals Jan von Werth aus dem Dreißigjährigen Krieg, der 1651 starb, in Gestalt eines Monumentalbrunnens schmückt. Wie eine heitere Sage erzählt, soll Jan früher Knecht gewesen und wegen verschmähter Liebe Kriegsmann geworden sein. Er wurde ein Reitergeneral, die Bauersmagd aber saß, als er seinen Einzug in Köln hielt, als Apfelweib am Stadttor. Zwei Figuren am Brunnen, einen kölnischen Bauer und ein kölnisches Mädchen aus jener Zeit darstellend, deuten auf diese Sage hin. Ein plattkölnisches Gedicht, von Kramer verfaßt, aus dem der Leser die Kölner Mundart kennen lernen möge, erzählt sie in folgender Weise:
„Zo Köln em ahlen Kümpchens-Hof
Wunt ens nä Boersmann,
Dä hat en Mäd, de nannt sich Griet,