Die jetzigen höchsten Bodenwellen der Eifel entsprechen nicht mehr ihren früheren Hauptgebirgszügen, die sich bei ihrer Auffaltung gebildet hatten. Wie bei allen stark abgetragenen Gebirgen haben wir in ihnen die härteren Reste des Gebirgsbodens zu erblicken. Wieder war es, wie beim Hunsrück, der harte Quarzit, der der Verwitterung am meisten widerstand. Aus ihm besteht z. B. der Rücken der Schneifel, der früher zweifellos von der jetzt etwa 100 m tiefer gelegenen Wasserscheide des Losheimer Waldes überragt wurde, ferner ein Höhenzug, der sich südlich von Gerolstein nach Nordosten auf Kelberg zu erstreckt, und der Kandelwald, dessen Rücken südlich von Bertrich in der Nähe der Mosel aufsteigt. Die übrigen Gesteinsschichten, die in der Eifel viel verbreitet sind, wie Schiefer, Grauwacke, Kalke, Mergel und Buntsandstein, sind sehr gleichmäßig verwittert, woraus sich das einförmige Oberflächenbild der meisten Eifelgegenden erklärt. Die stolzen Bergkuppen, die die Hohe Eifel trägt, sind vulkanischen Ursprungs, wie die Basaltkuppen der Hohen Acht (760 m), die die höchste Erhebung der Eifel bildet, des Steinberg (670 m), des zweigipfligen Kelberg (670 m), des Aremberg (623 m), dessen mächtige Gestalt an der oberen Ahr aufsteigt, und des Michelsberg (556 m) bei Münstereifel, der als die bedeutendste Erhebung am nördlichen Eifelrande einen prächtigen Rundblick über das Vorland, über die vorgelagerte reiche Ebene bis hin zu den stolzen Kuppen des Siebengebirges und zu den hohen Türmen des Kölner Doms darbietet. In der ganzen Eifel beträgt die Zahl der Basaltkuppen 210. Ohne sie und die Kraterberge würde das Eifelland überall so einförmig wie die Hochflächen der Schneifel und des Hohen Venn sein, und nur in den Tälern könnten wir landschaftliche Schönheit suchen. Nur stellenweise ist das auf weiten Strecken also recht eintönige Oberflächenbild der Eifel durch Waldesschmuck, der Wechsel und Leben in die Landschaft bringt, verschönert. Einst war sie fast in allen ihren Teilen waldreich. Durch törichte Waldverwüstung wurde sie wie so viele Länder ihres schönen Waldkleides größtenteils beraubt. Größere Reste desselben sind noch der Losheimer Wald, die Wälder der Schneifel, der herrliche Kermeter bei Schleiden in der nördlichen Eifel, sowie die Wälder des Laacher See-Gebiets und am Mittellauf der Kyll. In den höher gelegenen Gegenden der Eifel hatte die Waldverwüstung eine schlimme Wirkung zur Folge. Da das Klima für den Anbau zu ungünstig ist, verfielen weite Strecken Landes dem Zustande der öden Heide. In manchen Eifelkreisen nimmt das Ödland drei Viertel der Bodenfläche ein.

Eifellandschaft.

In trauriger Öde liegt das Land vor uns. Heide, soweit das Auge reicht! Nur der Naturfreund findet, daß auch dieses Land seine Schönheit und seinen Zauber hat. Im Spätsommer kleidet sich die düstere Heide mit ihrem Purpurmantel. Das Heidekraut bildet dann einen großen Blütenteppich. Dazwischen erscheinen hie und da auch wohl eine verkrüppelte Kiefer, Fichte, Lärche, Birke oder niedriges Wacholdergesträuch. Die Ruhe erzählt vom Gottesfrieden in der Natur. Bunte Falter flattern von Blume zu Blume, das Geräusch von Tausenden von Bienen summt an unser Ohr, und über den Boden eilen geschäftig zahlreiche Käfer. Nach dem Menschen suchen und fragen wir nicht in dieser Einsamkeit. Doch dort steigt ein leichter Rauch auf. Er verrät eine menschliche Hütte, ein ärmliches Heim, worin die Entbehrung wohnt. Die Heide vermag nur die Bienen, keine Menschen zu ernähren. Nur für den Schäfer, der einsam mit seiner Herde dahinzieht, die die wenigen Grasbüschel sucht, blieb hier noch Raum. Auch er ist inmitten seiner folgsamen und schweigsamen Herde ein Bild des Friedens und der Ruhe. Tagaus, tagein zieht er hinaus auf die braune Eifelheide. Doch wenn der Winter kommt, wenn wild der eisige Schneesturm heult, dann wagt auch er sich nicht mehr hinaus. Wehe dem Wanderer, der dann den verschneiten Weg verfehlt und verlassen umherirrt auf der Heide! Mit fahlem Glanze bricht der Mond durch die schwarzen Wolken durch und bescheint ein Leichentuch, das den verirrten Wanderer unter sich begrub. Ein Grab im Schnee!

Abb. 174. Schloß Burg an der Wupper. (Zu [Seite 178].)

Eifelbilder. Das Vorgebirge.

Noch manche Schönheiten zeigt uns die Eifel, wenn wir von den Hochflächen des Landes hinabsteigen in die Täler, die nach allen Seiten, zum Rhein, zur Mosel und zur Maas hin rinnen. In neuester Zeit ist besonders der durch den Bau der Urft-Talsperre ([Abb. 152]) geschaffene künstliche See bei Gemünd ein beliebtes Reiseziel geworden. Viel gepriesen wird auch das waldgeschmückte Kylltal, dem auf weiter Strecke die Eifelbahn folgt. Gerolstein ([Abb. 153]) und Kyllburg ([Abb. 154]) gelten als Glanzpunkte der Eifel. Manderscheid ([Abb. 155]) mit seinen beiden schöngelegenen Burgen und seinem steil aufragenden Mosenberg möchte ihnen im Liesertal den Rang streitig machen. Alle drei Orte werden im Sommer viel besucht. In den großen Gasthöfen, die dort entstanden sind, nehmen zahlreiche Familien längeren Aufenthalt. Noch größer ist die Zahl der durchreisenden Touristen, die nur in flüchtiger Reisestunde die Schönheiten dieser Punkte würdigen können. Locken sie doch noch so viele andere Schönheiten des Landes. Versteckt im Eltztale liegt die Burg Eltz ([Abb. 156] u. [157]), eine der wenigen rheinischen Burgen, die bei den Raubkriegen der Franzosen der Zerstörung entgingen. Das Nettetal prangt in der Schönheit seiner Wälder, es grüßt sein munteres Flüßchen die schön gelegene Stadt Mayen, und weiter unterhalb mißt dasselbe seine Kraft, wo die viel besuchte Rauscher Mühle liegt, an einem mächtigen Lavastrom, der in sein Bett hinabgeflossen ist, und über dessen Felsmassen es in Wasserstürzen hinabrauscht. Freundliche Bilder entfaltet auch das Brohltal, durch das uns auf der Rückwanderung vom Laacher See der Weg führt, und Eigenartiges bietet es zugleich. Wir grüßen die Ruine Olbrück, uns begleiten die hohen Tuffwände, in denen schon die Römer wühlten, um wertvollen Mörtel für ihre Bauten, besonders für Wasserbauten, zu gewinnen, und in dem Örtchen Burgbrohl sehen wir Kohlensäure dem vulkanischen Boden entsteigen, deren Gewinnung eine neue Industrie ins Leben gerufen hat. Endlich das Ahrtal! Dort weht schon Rheinluft. Darum folgten wir ihm schon auf einer früheren Wanderung.

IX. Die Kölner Bucht und das Bergische Land.

Wer von Bonn aus die Rheinfahrt nach Köln fortsetzt, bemerkt, wie die Höhen, die bis dahin so malerisch die Ufer schmückten, sich immer mehr von diesen entfernen. Zwischen niedrigen, doch nicht völlig flachen Ufern wälzt der Strom, der schon oberhalb Bonn zu einer stattlichen Breite angewachsen war, seine Fluten dahin. Vom obersten Deck des Dampfers können wir über das Land frei hinwegschauen. Eine schöne Ebene, die geographisch gewöhnlich als Kölner Bucht bezeichnet wird, dehnt sich zu beiden Seiten des Stromes aus, begrenzt im Westen und Osten von niedrigen Höhen, die anfangs von ihm etwa 5, weiter nach Norden etwa 10 km entfernt sind.

Von der Fruchtfülle, den wogenden Getreidefluren des Kölner Landes erhalten wir ein besseres Bild, wenn wir die Reise von Bonn nach Köln statt zu Schiff mit der Eisenbahn machen. In unmittelbarer Nähe des Vorgebirges fahren wir vorbei. Ein Kranz von blühenden Ortschaften säumt dessen Fuß, deren Bewohner einen ausgedehnten Gartenbau, Obst-, Gemüse- und Blumenzucht betreiben. Wenn im Frühjahr die Obstblüte beginnt, dann entfaltet dieser östliche Abhang des Vorgebirges, den man den großen Küchengarten von Köln und Bonn nennen könnte, ein Bild seltener Pracht und Anmut. Die sanftgeneigten Abhänge sind mit Tausenden von großen Blütensträußen geschmückt, die bald dichter stehen und zu einem weißen Blütenmeer verschmelzen, an anderen Stellen mehr einzeln sich aus dem jungen Grün herausheben. Das ist die Zeit, wo die Bonner, die Kölner in Scharen besonders nach dem in einer Einbuchtung des Höhenzuges so sonnig gelegenen Alfter strömen, teils um sich an der Blütenpracht zu ergötzen, teils auch — und manche soll das mehr noch locken — um den ersten Spargel zu kosten. Auch das Städtchen Brühl, wo sich ein Kaiserliches Schloß, das 1725 bis 1728 durch den Kölner Kurfürsten Clemens August erbaut wurde, mit großem, schattigem Park befindet, die von schönen Anlagen umgebene Bahnstation Kierberg, sowie die Waldpartien der Kranzmaar und von Königsdorf, westlich von Köln, locken während des ganzen Sommers viele Ausflügler an, die dem Stadtgewühl entfliehen wollen. So bieten sich auch in diesem Teile Rheinlands, den Bewohnern der Ebene, noch manche schöne Punkte, die eines Besuches wert sind, wenn auch der Zauber fehlt, den rebengeschmückte Berge, sagenumwobene alte Burgen und der stete Anblick des von Schiffen belebten Stromes dem engen Rheintal verleihen.