Abb. 171. Remscheid.
Nach einer Photographie im Verlag von Herm. Krumm in Remscheid. (Zu [Seite 175].)

Nach kurzem Aufenthalt wandern wir weiter. Der Hohe Gänsehals ist unser Ziel. Von der Waldespracht des Laacher Sees müssen wir bald Abschied nehmen. Einförmig liegt das Land in seinem düstern, dunkelgrauen Ton vor uns. Es ist Aschenboden, über den wir wandern. Hier und da eine Halde, der die Bewohner von der schwärzlichen Asche entnehmen. Von zahlreichen kleinen und größeren Bomben ist die Aschenmasse durchsetzt. Mäßig hohe Berge, Vulkanberge, wölben sich aus der kahl und daher so tot erscheinenden Landschaft heraus. Auch der Gänsehals, der dort vor uns aufsteigt, hat nur eine geringe relative Höhe. Dennoch bietet er als höchster Punkt der Gegend (591 m hoch) — und besonders der auf ihm errichtete Aussichtsturm — einen umfassenden Rundblick dar, nach Osten über das waldgeschmückte Gebiet des Laacher Sees, dessen Spiegel hell aufblitzt, und nach Nordwesten über die stolzen Basaltkuppen der Hohen Eifel.

Abb. 172. Kaiser Wilhelm-Brücke bei Müngsten.
Nach einer Photographie im Verlage von Herm. Krumm in Remscheid. (Zu [Seite 175].)

Gesteine der Eifel.

Eine große Verbreitung haben in dem östlichen Vulkangebiet der Eifel die Schlackentuffe. Drei Arten derselben sind zu unterscheiden, nämlich basaltische, die in der Umgebung fast eines jeden Eifelvulkans vorkommen, zweitens basaltartige, nämlich Leucitphonolithtuffe, die eine große Verbreitung westlich vom Laacher See haben, und drittens trachytische, die namentlich im Brohltal, wo die Traßgewinnung ein wichtiger Industriezweig geworden ist, verbreitet sind. Als Auswurfsmasse der Vulkane der östlichen Eifel ist ferner noch der Bimssand zu nennen. Er ist eine leichte, durchlöcherte Asche von weißlicher Farbe. Die Vulkanherde im Umkreise des Laacher Sees bedeckten mit ihm, ehe sie völlig erloschen, meilenweit und viele Meter hoch das Land. Bis Moselkern, Boppard, Mayen und Brohl lagern die Bimssandsteinschichten, allein auf der linken Rheinseite ein Gebiet von etwa 800 qkm bedeckend. Doch auch auf der rechten Rheinseite sind sie noch weithin verbreitet. Sie bilden die Grundlage einer wichtigen Industrie, der Bimssandsteinziegelei. Der Bimssandstein wird zerkleinert und dann mit Kalkmilch angemengt. Aus dieser Masse werden große Ziegelsteine geformt, die sich durch ihre Leichtigkeit und eine geringe Beeinflussung durch den Witterungswechsel auszeichnen. Namentlich zwischen Andernach und Coblenz, in der Nähe der Orte Weißenturm und Urmitz, sind große Ziegeleien angelegt worden, die man auf der Fahrt mit der Eisenbahn sehen kann. Ein schon älterer Industriezweig ist die Lavagewinnung bei Niedermendig. Schon die Römer brachen dort ihre Mühlsteine. Da die Lava von einer 15 bis 20 m mächtigen Schicht Sand, Bimsstein und Löß bedeckt ist, mußten die Steinbrüche unterirdisch angelegt werden. Auch die oberste Schicht der Lavamasse mußte noch durchbrochen werden, weil sie ein minderwertiges Gestein liefert. Das darunter anstehende Gestein bildet Pfeiler, von den Arbeitern Stämme genannt, von 1½ bis 2 m Stärke. Durch den jahrhundertelangen Betrieb der Steinbrüche sind große Hohlräume entstanden. Labyrinthartig verzweigen diese sich im Innern der Erde. Eine niedrige, fast das ganze Jahr sich gleich bleibende Temperatur herrscht in ihnen. Viele werden wegen dieser wertvollen Eigenschaft als Bierkeller benutzt, und ein blühendes Bierbrauereigewerbe, das diese Gunst ausnutzt, hat sich in Niedermendig entwickelt.

Abb. 173. Solingen.
Nach einer Photographie im Verlag von Jul. Tückmantel & Söhne in Solingen. (Zu [Seite 175].)

Hohe Eifel.

Von der eigentlichen vulkanischen Vordereifel wollen wir hiermit Abschied nehmen. An sie schließt sich nach Norden die Hohe Eifel, nach Nordwesten die Schneifel an, an die sich wieder als viertes Glied das Hohe Venn (= Sumpfland) gliedert. Diese sind die höchstgelegenen Gebiete des weiten Gebirgslandes, zu denen die Vordereifel gleichsam nur das Vorland zum Rhein und zur Mosel hin bildet.