Unter „Eifel“ versteht man in geographischem Sinne das Gebirgsland nördlich von der Mosel und westlich vom Rhein, also den nordwestlichen Flügel der großen Gebirgsscholle des Rheinischen Schiefergebirges. So sagen die Geographen und die geographischen Lehrbücher, denen man ja alles glauben soll. Reist man aber durch die Eifel, so fragt man in vielen Gegenden vergeblich nach einem Lande, das so heißt, und mancher ist von einer vieltägigen Eifelreise zurückgekehrt und, nach den Versicherungen der Bewohner, nicht in der Eifel gewesen. „Die Eifel ist noch weit,“ so hieß die Rede, und immer war sie noch weit. Eigentlich haben die Bewohner vollständig recht, wenn sie sich gegen einen Namen sträuben, der so wenig für das Ganze paßt, nach der Nebenbedeutung, die ihm von seinem Heimatlande anklebt. Ursprünglich bezeichnete man mit dem Wort „Eifel“ nur einen kleinen Bezirk im Umkreise der Stadt und früheren Abtei Prüm. Eine Schenkungsurkunde Pippins aus dem Jahre 762 redet von dem „pagus Eflinsis“, dem Eifelgau. Der Name soll von dem keltischen Worte ap, das dem lateinischen Worte aqua entspricht und also Wasser heißt, herkommen. Danach würde Eifel soviel als Wasserland oder Land der Quellen bedeuten. In der Tat ist die Gegend von Prüm reich an Gewässern, und etwas nördlicher liegt das Quellgebiet der meisten größeren Eifelbäche. Im Volke aber lebt dieser ursprüngliche Sinn des Wortes nicht fort. Unter „Eifel“ versteht es ein rauhes und ödes Gebirgsland mit langem und kaltem Winter und kurzem Sommer, wo nur wenig Getreide gezogen werden kann und in manchen Jahren die Ernte nicht zur vollen Reife gelangt, wo die Bewohner also arm sind, kurz, wo man nicht gern leben möchte. Arm sind auch in Wirklichkeit viele Gegenden der Eifel. Die Notstände, welche vor Jahren wiederholt herrschten und ein Eingreifen des Staates nötig machten, haben die wirtschaftliche Lage der Bewohner in einem düstern Lichte gezeigt. Dies erklärt noch mehr, warum man sich in den reicheren Nachbargegenden der eigentlichen Eifel gegen die Übertragung dieses Namens sträubt. Indem aber die schreiende Not des armen Eifelvolkes die Blicke der Behörden und auch weiter Kreise der rheinischen Bevölkerung auf ein Land lenkte, von dem fast jeder nur unsichere Vorstellungen und unklare Begriffe hatte, begann sich das Interesse zu regen, die Eifel besser kennen zu lernen. Es bildete sich der Eifelverein, der besonders unter der Leitung des verstorbenen Direktors Dronke sowohl in touristischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht segensreich wirkte, der Bau von Eisenbahnen erleichterte das Reisen, und so ward die „verschriene Eifel“ ein Touristenland. Ungeahnte Schönheiten lernte man kennen. Gar viele lernten die Eifel lieb gewinnen, und viele kehren alljährlich im Sommer oder Herbst zurück in dieses Land, wo das Auge gebannt ist von den merkwürdigen Spuren, die die vulkanische Tätigkeit hinterlassen hat, wo es sich erfreut an des Waldes Pracht und an dem hellen Grün der Wiesen, und wo der Küchenzettel noch oft die leckere Forelle, die in den klaren Gewässern spielt, für das Mahl verheißt. Und selbst die öde Eifelheide mit ihrer Melancholie und mit ihrem Purpurkleide, wenn die Heide blüht, hat ihre Bewunderer gefunden. In dieser kurzen Darstellung kann nicht ein vollständiges Bild des weiten Gebietes, das man heute geographisch Eifel nennt, gezeichnet werden. Es kann nur versucht werden, die charakteristischsten Züge dieses Bildes wiederzugeben.

Vulkane der Eifel.

Für den Wanderer, der das Rheintal als Reiseroute wählt und von ihm aus die Eifel besuchen will, kommt zunächst die Vordereifel, auch vulkanische Eifel genannt, in Betracht. Es ist ein eigenartiges Land, voll von Wunderwerken der Natur, die unser Auge fesseln und unsern Geist bannen. Wir schauen stolze Bergkuppen, deren Scheitel hoch gewölbt ist, und echte Kraterberge, die einen vertieften Kraterschlund umschließen. Wir stehen sinnend vor den kleinen Seen, den Maaren, deren Wasser den früheren Feuerschlund ausgefüllt hat, und verfolgen den Lauf des Lavastromes, der einst aus dem Krater als ein zäher Feuerschleim hervorquoll und sich hinab in die Täler ergoß, so daß die Bäche vielfach ihre Kraft mit dem harten Gestein messen müssen. Und nicht nur in der Nähe der vulkanischen Ausbrüche schreitet unser Fuß über vulkanische Asche, sondern oft auch in weiter Entfernung von diesen. Alles deutet auf eine umfangreiche einstige vulkanische Tätigkeit hin. Im Geiste hören wir das dumpfe Dröhnen des Erdbodens. Er zittert von den Spannungen der Gase, die mit Gewalt einen Ausgang suchen. Die Wellen der Erdbeben durchlaufen das Land. Wir sehen den Feuerschein der Krater, der diese Höllenlandschaft einst beleuchtete, umdüstert von dem qualmenden Rauch und farbig umspielt von den brennenden Gasen, die dem Kraterschlund entstiegen. Wie Raketen fliegen durch den Aschenregen glühende Felsbrocken höher empor, prasselnd fallen sie nieder, und in der Aschenhülle finden wir sie wieder als rundliche, schwärzlich gefärbte Steinkugeln, Bomben genannt, die bald die Größe nur eines Taubeneies, bald die eines Menschenkopfes haben. Immer höher wölbte sich der Aschenkegel. Die Jahrhunderte oder Jahrtausende trugen ihn wieder zum Teil ab. Der Vulkan stellte seine Tätigkeit ein, sein Feuerschlund erkaltete. Noch lange aber blieb seine Umgebung eine Stätte des Todes, bis allmählich die Pflanzenwelt den schwarzen Boden sich eroberte. Nun lacht überall, wo Totenstarre war, die grüne Farbe des Lebens, üppige Wälder, Wiesen und Felder schmücken Berg und Tal, und nur der sinnende Geist des Menschen lebt noch, beim Anblick des vulkanischen Bodens, in der grauen Vorzeit, in der die Vulkane der Eifel entstanden.

Es gibt in der Eifel zwei vulkanische Hauptlinien, eine westliche und eine östliche, auf denen zahlreiche Vulkanberge, sowohl Vulkankuppen als auch echte Kraterberge und Maare, geordnet sind. Manche Vulkanberge liegen auch auf Querlinien. Die westliche vulkanische Hauptlinie beginnt bei Bertrich in der Nähe der Mosel mit der Falkenlei. Sie streicht in nordnordwestlicher Richtung über Daun und Hillesheim und endet erst in der Schneifel (= Schnee-Eifel), wo noch der Goldberg liegt. Zwei wichtige vulkanische Querlinien auf dieser Hauptlinie sind die von Manderscheid und Gerolstein-Birresborn. In diesen Gegenden erreicht das westliche Vulkangebiet eine bedeutende Breite. Am dichtesten drängen sich die Vulkanberge zwischen Daun ([Abb. 148]), Gerolstein und Hillesheim zusammen, wo wir ein schönes Bergland vor uns zu sehen glauben. Als die höchste Kuppe ragt dort der 700 m hohe Ernstberg auf. Sehr zahlreich treffen wir die merkwürdigen Kraterseen, in der Eifel Maare genannt, an. Man hält sie für Vulkane, die früh zur Ruhe gekommen sind, ehe ihnen als ein feuriger Teig Lava entquoll, die sich bei anderen Vulkanen entweder zur Kuppe aufwölbte, wenn sie in der Aschenhülle stecken blieb, oder sich als ein Lavastrom hinabwälzte in die Täler, ehe sie völlig erstarrte. Sehr verschieden ist das Bild der Maare. Das Pulvermaar bei Gillenfeld ist von hohen Kraterwänden, die mit schönen Buchen bewachsen sind, umgeben. Lieblich blinkt uns der Seenspiegel aus dem Grün der Landschaft entgegen. Ein lachendes Bild des Lebens dort, wo einst Feuersglut alles Leben auslöschte! Ein völlig anderes Bild zeigt das Weinfelder Maar. Die düstern Schatten des Todes gleiten über dasselbe. Kein Leben, kein Pflanzenschmuck, kein Laut! Todesruhe! In der Nähe von Daun, wo das Weinfelder Maar liegt, treffen wir noch das Schalkenmehrener ([Abb. 149]) und Gemündener Maar an. Von anderen bekannten Maaren im westlichen Vulkangebiete der Eifel sei noch das Meerfelder Maar bei Manderscheid genannt. Einige von ihnen, wie das Pulver-, Weinfelder und Gemündener Maar, haben keinen, wenigstens keinen sichtbaren Zu- und Abfluß. Auf den gleichen Ursprung wie die Maare führt man auch zahlreiche Kesseltäler der Eifel zurück.

Abb. 170. Vom Kölner Karneval. Der Wagen „Kölner Bauer mit Jungfrau“ (links) und „Wolkenwagen des Prinzen Karneval“ (rechts) auf dem Festzuge des Jahres 1901.
Nach einer Photographie von Ad. Fischl jun. in Köln. (Zu [Seite 174].)

Die östliche vulkanische Hauptlinie, die ebenfalls in fast nördlicher Richtung verläuft, läßt sich von Winningen an der Mosel bis in die Ahrgegend südlich von Ahrweiler verfolgen. Den Rodderberg, einen Vulkan mit schwacher Kratermulde, der bei Rolandseck unmittelbar am Rhein aufsteigt, kann man schon zum Vulkangebiet des Siebengebirges rechnen. Den Hauptherd der vulkanischen Tätigkeit bildet im östlichen Vulkangebiete der Laacher See. An seiner Stelle befand sich einst ein riesiger Kraterschlund. Etwa 40 Lavaströme nahmen von ihm ihren Ausgang. Ungefähr ebenso groß ist die Zahl der Vulkanberge, die in der Umgegend des Laacher Sees liegen. Dieser selbst ist von sechs Kraterbergen malerisch umgeben, von denen der Laacher Roteberg (510 m), der Laacherkopf (460 m) und der Krufter Ofen (453 m) die höchsten sind. Letzterer ist der bekannteste und besuchteste.

Der Laacher See.

Durch üppigen Wald steigen wir zum Krufter Ofen hinan. Auf seinem Gipfel entfaltet sich uns ein prächtiger Rundblick auf die schöne Landschaft. Hell blinkt der Wasserspiegel des Sees, dunkel umsäumen ihn die waldigen Berge, und ihr Spiegelbild taucht tief hinab in die Fluten. Am Südende des Sees, wo der hohe Rahmen der Berge sich etwas verflacht, ergänzt ein herrliches Bauwerk, die prächtige Abteikirche des Benediktinerklosters Laach ([Abb. 150]), die formenschöne Landschaft. Wenden wir uns aber von diesem Bilde ab zur anderen Seite des Gipfels, so blicken wir hinab in den früheren Kraterschlund des Krufter Ofen. Aber kein Bild des Todes ist’s, das wir da schauen. Wald, üppigster Wald hat die frühere Feuerstätte erobert, und wo einst das düstere Grauen wohnte, dort lacht jetzt Pflanzengrün. Muntern Schritts eilen wir hinab, wo der See uns winkt. Er ist kreisrund, 3,3 qkm groß und in der Mitte 53 m tief. Sein Durchmesser beträgt 2732 m, und zwei Stunden müßten wir wandern, um ihn zu umkreisen. Das zweitgrößte Eifelmaar, das Pulvermaar, ist nur ⅒ so groß. Wie stimmungsvoll paßt die Benediktinerabtei Laach zu der Stille der Landschaft, zu der Ruhe des Sees und dem Schweigen des Waldes! Die schöne Abteikirche, in edlem romanischen Stile erbaut, stammt aus dem Jahre 1156. Sie ist mit einer Kuppel und fünf Türmen geschmückt. Die zierliche Vorhalle wurde 1859 neu hergestellt. Die Ornamentik an den Säulenkapitälen ist überaus fein und sorgfältig ausgeführt ([Abb. 151]). Der sehr schöne, in romanischem Stile gehaltene Hochaltar wurde vom Kaiser Wilhelm II. im Jahre 1899 geschenkt.