Coellen eyn kroin,

Boven allen stedden schoin.

Neu-Köln. Kölner Karneval.

Im Vergleich hierzu das glanzvolle Bild des heutigen Köln: Die Wandlung ist fast nicht zu begreifen. Die Einwohnerzahl ist auf über 450000 gestiegen. Überall treten uns die Zeichen einer kraftvollen Entwicklung entgegen. Die Altstadt hat ihr Bild völlig verändert und verändert es täglich noch mehr. Die Stadterweiterung schuf die prächtige Neustadt. Die Ringstraße ([Abb. 165]), auf der das Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I. ([Abb. 166]) aufgestellt wurde, gehört zu den schönsten Straßenanlagen der Welt. Von anderen Sehenswürdigkeiten Kölns seien noch das Wallraf-Richartz-Museum, wo man unter den Werken der Altkölnischen Malerschule besonders auf das aus dem fünfzehnten Jahrhundert stammende Bild Madonna im Rosenhag ([Abb. 167]) achten möge, das in Knackfuß’ Deutscher Kunstgeschichte „das lieblichste Werk dieser Zeit“ genannt wird, ferner die alten Torburgen ([Abb. 168]), die ebenfalls Museumszwecken dienen, das Bismarck- und das Moltkedenkmal, das neue Hauptpostgebäude ([Abb. 169]), der Zoologische Garten, die Flora, der Volksgarten und der große Stadtwald zu nennen.

Abb. 181. Rathaus und Jan Wellem-Denkmal in Düsseldorf.
Nach einer Photographie von C. Heise in Düsseldorf. (Zu [Seite 182].)

Wir können die Erörterung über Köln nicht gut ohne ein Erinnern an den Kölner Karneval schließen. Lange Zeit hatte dieses alte Volksfest, bei dem der rheinische Frohsinn am ungestümsten hervorbricht, infolge der Ungunst wirtschaftlicher und politischer Verhältnisse geschlafen. Als anfangs der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts eine Wendung zum Bessern sich fühlbar machte, da erwachte es von neuem, um sich bis heute zu behaupten. Im Jahre 1823 wurde der Kölner Karneval in seiner heutigen Form ins Leben gerufen. Es bildete sich die Große Karnevalsgesellschaft, und die Veranstaltung eines Festzuges am Montag wurde ins Programm aufgenommen. Viele kleinere Karnevalsgesellschaften entstanden noch später und entstehen noch jedes Jahr; aber die „Große“ steht doch im Mittelpunkt des ganzen Festes. Schon mit Neujahr beginnen die karnevalistischen Sitzungen. Es gilt, den größten Menschenfeind, den Griesgram, der sich während des Jahres überall eingenistet hat, im Herzen aufzuspüren und mit den Waffen des Witzes und ulkigen Spottes zu bekämpfen. Die besten Redner werden in „de Bütt“ geschickt. Gelingt ihnen ein treffender Witz über irgendein Ereignis des Jahres oder des Lebens überhaupt, so lohnt tosender Beifall die Rede. Von Mund zu Mund pflanzt sich das neue Schlagwort fort, das bald auf allen Lippen ist, mit dem man jeden Bekannten begrüßt. Im ganzen öffentlichen Leben und ebenso im Familienleben ist zu erkennen, daß Köln unter dem Zeichen des Karnevals steht. Auch der bunte Schaufensterschmuck vieler Geschäfte sagt es uns. Allmählich rückt die Zeit des eigentlichen Karnevals heran. Drei Tage, Sonntag, Montag und Dienstag vor Beginn der Fastenzeit, dauert der Festestrubel. Alle Leute, jung und alt, reich und arm, geben sich einer tollen Freude hin. Schon Donnerstag vorher ist die sogenannte Weiberfastnacht, besonders von den Marktfrauen des Altenmarkt, gefeiert worden. Der große Festzug, der am Montage durch die Stadt zieht, lockt viele Tausende von auswärts an. Auf dem Neumarkt, von wo er ausgeht, und in den Straßen, die er passiert, wogt eine ungeheure Menschenmenge, die in den späteren Tagesstunden einen ohrenbetäubenden Lärm macht. In dem Zuge kehren einzelne, historisch gewordene Gruppen alljährlich wieder, so der Köllsche Boor ([Abb. 170]), Till Eulenspiegel, die Kölner Funken, Alaaf Köln und Prinz Karneval, dessen Wagen sich gewöhnlich durch seine reiche Pracht auszeichnet. Die übrigen Wagen stellen gewöhnlich irgendeinen leitenden Gedanken, die große Idee des Fastnachtszuges dar. Fremde, die zum erstenmal den wilden Fastnachtstrubel sehen, können sich eine solche Volksstimmung anfangs gar nicht erklären. Dieselbe setzt eben rheinischen Frohsinn und einen dem echten Kölner angeborenen Mutterwitz voraus. Am besten hat den Kölner Karneval Goethe begriffen, der dem Großen Rat mit den Verschen antwortete:

Auch dem Weisen fügt behäglich

Sich die Torheit wohl zur Hand,

Und so ist es ganz verträglich,