Der Dom ist ein fünfschiffiges Langhaus, an den sich ein dreischiffiges Querhaus setzt. An die äußeren Seitenschiffe des Langhauses schließt sich ein Halbkreis von sieben Kapellen an, während die inneren Seitenschiffe um den Hochaltar laufen. Der Flächeninhalt des Domes beträgt 6166 qm (des St. Peter in Rom 15160 qm). Im südlichen Turme hängt die aus französischem Geschützmetall gegossene Kaiserglocke, die 500 Zentner wiegt. In der Michaelskapelle bewundern wir das berühmte, dreiteilige Dombild ([Abb. 2]), das die Anbetung der heiligen drei Könige darstellt; es wurde vor 1450 von Stephan Buchener gemalt. Die Reliquien der heiligen drei Könige werden in der reichen Schatzkammer des Domes in einem goldenen Reliquienschrein aufbewahrt. Dieser, ein kostbares Werk romanischer Goldschmiedekunst, das aus der Zeit zwischen 1190 und 1200 stammt, wurde leider 1794 bei der Flucht vor den Franzosen stark beschädigt und 1807 ungeschickt wiederhergestellt.

Der Kölner Dom stellt die höchste Vollendung der Richtung des gotischen Baustils dar, die ihre Entwicklung auf französischem Boden fand und dort besonders in der herrlichen Kirche zu Reims triumphierte. In Deutschland gibt es drei rheinische Dome, die die französische Gotik zum Ausdruck bringen, der Freiburger Dom, dessen Turm der schönste von allen gotischen Türmen ist, der Straßburger Dom, an dem die Baugrundsätze der Gotik einheitlicher durchgeführt sind, und dessen Inneres einen reicheren bildhauerischen Schmuck zeigt, und endlich der Kölner Dom, mit dessen Plan die Gotik unvermittelt in Köln auftritt, da die ein Jahr früher begonnene Kirche St. Kunibert noch keine Züge des Kölner Domes zeigt.

Alt-Köln.

Noch viele herrliche Kirchen besitzt Köln, deren Kunstbedeutung ich hier des Raummangels wegen nicht näher darlegen kann. Ein hervorragender Kunstkenner äußerte sich einmal, daß er sich nicht recht entscheiden könne, ob er in bezug auf kirchliche Baukunst Rom oder Köln den Vorzug geben solle. Das ist ein Urteil, das wohl an die Stelle einer langen Beweisführung treten darf. Als hervorragende Kirchenbauten Kölns seien deshalb bloß noch die 1172 geweihte Kirche Groß-St. Martin, die 1049 von Papst Leo IX. geweihte Kirche St. Maria im Kapitol, die Kirche St. Pantaleon, die an Stelle eines älteren Gotteshauses 964 bis 980, angeblich mit Benutzung von Resten der Konstantinschen Rheinbrücke, erbaut wurde, die sehr interessante Kirche St. Gereon, in deren Krypta man sehr alte Baureste entdeckt hat, und die stattliche, im dreizehnten Jahrhundert erbaute Apostelkirche, die sich am Neumarkt, dem größten Platze Kölns, so prächtig mit ihrem schönen Chorbau erhebt.

Abb. 180. Das Rittershaus-Denkmal in Barmen.
Nach einer Photographie von W. Fülle in Barmen. (Zu [Seite 180].)

Kölns Geschichte.

Das malerische Bild des mittelalterlichen Köln ([Abb. 164]) erstand beim Anblick der schönen Gotteshäuser in unserem Geiste. Viel unbedeutendere Spuren hat dagegen das römische Köln, die stolze Colonia Claudia Augusta Agrippinensis, die mit nur wenigen anderen Kolonien das ius italicum, das römische Recht der Vollbürger besaß, hinterlassen. Im Jahre 38 v. Chr. war Köln gegründet worden, als der deutsche Volksstamm der Ubier vom rechten auf das linke Rheinufer übersiedelte. Der Ort erhielt durch die Errichtung der Ara Ubiorum (Altar der Ubier) eine hohe religiöse Bedeutung. Die Gründung der römischen Kolonie, die eine sogenannte Veteranenkolonie war, erfolgte 51 n. Chr. Wenn auch keine bedeutenden Baureste von jenem römischen Köln mehr vorhanden sind, so haben doch die Ausgrabungen genügenden Aufschluß über dasselbe gegeben. Die römische Stadtmauer lief in etwa rechteckiger Form vom Domplatze über die Burgmauer, die St. Apern- und Gertrudenstraße, den Mauritiussteinweg, die Alte Mauer am Bach, Blaubach, die Hochpforte und die Hochstraße. Sie war in bestimmten Abständen von Türmen nach Art des erhaltenen Römerturmes flankiert und von Toren durchbrochen, von denen die Porta Paphia, deren Reste an der Westseite des Domes festgestellt wurden, wohl das stattlichste war. Es fehlte nicht an monumentalen Bauten, Verwaltungsgebäuden, Termen und Tempeln, wie zahlreiche, im Wallraf-Richartz-Museum aufgestellte Überbleibsel aus dem bildsamen Jurakalkstein beweisen. Ein Jupiter- und ein Merkurtempel sind durch Inschriften bezeugt. Auch ansehnliche Privatbauten waren vorhanden, wie sich aus Resten kunstreicher Mosaiken und Wandmalereien und aus Funden von Zentralheizungen und Badeeinrichtungen ergibt. Eine großartige Wasserleitung führte klares Gebirgswasser aus der Eifel herbei. Der sogenannte Römergang, den man noch heute besichtigen kann, war eine aus Tuffstein sauber ausgeführte Kloake zur Wegführung der Abwässer. Die meisten Privathäuser hat man sich als Fachwerkbauten zu denken. Von römischer Kultur zeugt auch die Art der Götterverehrung und der Ehrung der Toten. An den Hauptstraßen vor den alten Toren sind große Gräberfelder aufgedeckt worden. Dort reihte sich zu beiden Seiten der Straße Grab an Grab. In den beiden ersten Jahrhunderten der römischen Herrschaft wog die Verbrennung, in den beiden letzten die Bestattung vor. Schöne Erbbegräbnisse sind in Weiden und jüngst in Effern aufgedeckt worden. In der Regierungszeit Konstantins des Großen erhielt Köln auch eine feste Rheinbrücke, die später von den Normannen zerstört wurde.

Das römische Köln sank nach vierhundertjähriger Dauer in Trümmer, und ein fränkisches trat an seine Stelle. Die Ausbreitung des Christentums gab diesem sein politisches und, durch die große Zahl der Kirchen, auch sein äußeres Gepräge; auf Handel und Gewerbe aber stützte sich seine Machtstellung. Trotz der steten Streitigkeiten zwischen der Stadt und den Erzbischöfen, die später ihre Residenz nach Brühl und bald nach Bonn verlegten, sowie zwischen den Adelsgeschlechtern und den Zünften blühte Köln immer mehr auf. Es war eins der angesehensten Mitglieder des Hansabundes und machte eine Zeitlang Lübeck den ersten Rang streitig. Dem Umstande, daß sich in ihm die westöstlichen Wege des Landverkehrs mit der Schiffahrtslinie des Stromes kreuzten, verdankte es hauptsächlich sein mächtiges Emporblühen im Mittelalter, einem Umstande, der auch die neue Blüte in unserer Zeit wieder hauptsächlich bedingt.

Der Niedergang Kölns begann mit dem sechzehnten Jahrhundert und wurde vorwiegend durch die Verschiebung der Welthandelswege hervorgerufen. Es war ein tiefes Herabsteigen von der stolzen Höhe des Reichtums und des Ansehens. Es leerte sich die Stadt von Menschen, und ihr äußeres Gepräge wurde ärmlich. Von 150000 sank die Einwohnerzahl auf 40000. Ein Viertel der inneren Stadt war in Weinberge umgewandelt worden. Von dem Weine, der in diesen gezogen wurde, sagt ein Bericht, daß er „weder geeignet zum Verführen (= Verhandeln) noch zum Aufbewahren“ war. Scharen von Bettlern umlagerten den ruinenhaft aufragenden Dom. In den Straßen wuchs lustig das Gras. Das war nicht mehr die Stadt, von der es im Mittelalter hieß: