Nun, diese Behauptungen sind jetzt endgültig widerlegt durch die eigenen amtlichen Dokumente der Berliner und Wiener Kriegsregierungen.
[I. Die Vorbereitung des Ultimatums]
Die Berliner Regierung des Herrn v. Bethmann ist nicht, was sie später den anderen Mächten gegenüber vorgab, von der Wiener Regierung mit dem Ultimatum im Juli 1914 ebenso überrascht worden wie unter Bülow im Oktober 1909 mit der Annexion Bosniens. Denn von der Annexion hat diese tatsächlich erst gleichzeitig mit den anderen Mächten und dasselbe wie diese erfahren, an deren Vorbereitung auch in keinerlei Weise mitgearbeitet, wie sich aus dem Rotbuch des Grafen Aehrenthal und allen seitherigen Äußerungen der Beteiligten ergibt, zuletzt auch aus einem Brief des Kaisers Wilhelm II. an den Zaren vom 8. Jänner 1909[1]. Daß aber die Wiener Regierung nach der Mordtat von Sarajevo, 28. Juni 1914, etwas, und zwar etwas Entscheidendes zu unternehmen beabsichtige, hat die Berliner Regierung schon am 2. Juli 1914 aus einem vom 30. Juni datierten Bericht ihres Wiener Botschafters Herrn v. Tschirschky erfahren, der besagte, man wünsche in Wien „einmal mit den Serben gründlich abzurechnen[2]“. In einer Unterredung mit dem Kaiser Franz Joseph vom 2. Juli stellte sich Herr v. Tschirschky bereits auf den Standpunkt, „daß Deutschland geschlossen hinter der Monarchie zu finden“ sein werde, „sobald es sich um die Verteidigung ihrer Lebensinteressen handle. Die Entscheidung darüber, wann und wo ein solches Lebensinteresse vorliege, müsse Österreich selbst überlassen bleiben[3]“. Das ließ sich hören. Eine Kooperation unter solchen einseitigen Bedingungen, eine Art Löwenvertrag zu seinen Gunsten, bei dem er unternehmen durfte, was ihm beliebte, der andere aber von vorneherein verpflichtet war, blind seinen Schritten zu folgen, war ganz nach dem Geschmack Franz Josephs. In seinem Handschreiben vom selben Tage an Kaiser Wilhelm II., das diesem mit einem Memorandum Berchtolds am 5. Juli überreicht wurde, rückte er denn auch mit der Sprache ziemlich deutlich heraus, indem er die „Isolierung und Verkleinerung Serbiens“ als Programm seiner Regierung erklärte und nichts weniger verlangte, als daß „Serbien als politischer Machtfaktor am Balkan ausgeschaltet“ werde[4], und er hatte die Genugtuung, daß die Berliner, Kaiser wie Reichskanzler, ganz im Sinne des Herrn v. Tschirschky, auf sein Ansinnen ohneweiters eingingen. „S. M.“ — telegraphierte der Reichskanzler am 6. Juli an Tschirschky — „könne zu den zwischen Österreich-Ungarn und diesem Lande (Serbien) schwebenden Fragen naturgemäß keine Stellung nehmen, da sie sich seiner Kompetenz entzögen. Kaiser Franz Joseph könne sich aber darauf verlassen, daß S. M. im Einklang mit seinen Bündnispflichten und seiner alten Freundschaft treu an Seite Österreich-Ungarns stehen werde“, und Wilhelm II. selbst schrieb am 14. Juli an Franz Joseph, „daß Du auch in den Stunden des Ernstes mich und mein Reich in vollem Einklang mit unserer altbewährten Freundschaft und unseren Bündnispflichten treu an Euerer Seite finden wirst. Dir dies an dieser Stelle zu wiederholen, ist mir eine freudige Pflicht[5].“ Sie haben also auf jeden Einfluß bei der Wahl der zu verwendenden Mittel verzichtet. Diesen Standpunkt hat auch später der Kaiser in seinen intimen Randnoten zu den Berichten seiner Diplomaten, und die Berliner Regierung, zu ihrer Entlastung, in ihren Verhandlungen mit den anderen Mächten während der kritischen Tage wie später in ihren zahllosen Verteidigungsreden und -schriften während des ganzen Krieges festgehalten. Diesen Standpunkt hat auch Herr v. Bethmann in der Bundesratssitzung vom 1. August 1914 als Ausdruck einer dreißigjährigen Tradition definiert, indem er dem Bundesrat berichtete, er habe, als Österreich-Ungarn ihm mitteilte, daß es gegen Serbien „einschreiten“ müsse, geantwortet: „Darüber, was ihr zu tun habt, maßen wir uns kein Urteil an; das ist nicht unsere Sache. Aber es ist selbstverständlich, daß, wenn der Bündnisfall eintritt, wir treu an euerer Seite stehen[6].“ Das war eine Blanco-Vollmacht — ein Ausdruck, den auch der bayrische Geschäftsträger v. Schön in dem Bericht an seine Regierung vom 18. Juli 1914 gebraucht[7].
Es ist deswegen unwahr, wenn Herr v. Jagow jetzt nachträglich in seiner Rechtfertigungsschrift behauptet, daß er sich über das Vorgehen Österreich-Ungarns „gewissermaßen die Kontrolle vorbehalten“ habe, unwahr, wenn er sagt: „von einer carte blanche kann also nicht die Rede sein[8]“. Ebenso unwahr, wenn Herr v. Bethmann in seiner Rechtfertigungsschrift leugnet, daß seine Regierung „dem Ballplatz einen Freibrief ausgestellt hätte[9]“. Skurril, wenn Herr v. Bethmann in einem Atem sich darauf etwas zugute tut, daß er das Ultimatum „nicht ausdrücklich gebilligt“ habe (das ist ja eben die Wirkung des Freibriefes!), unsinnig, wenn Herr v. Bethmann zur Begründung sagt: „Von Inhalt und Form eines einmal ausdrücklich gebilligten Ultimatums hätten wir uns nicht wieder loslösen, wir hätten dann die ganze Vermittlungsarbeit nicht verrichten können, die wir tatsächlich verrichtet haben.“ Ja, hat er sich denn von dem nicht ausdrücklich gebilligten Ultimatum losgelöst? Hat er nicht im Gegenteil an Inhalt und Wortlaut dieses Ultimatums bis zuletzt festgehalten, wie der Quäker an dem Bibelwort? Hat er auch nur einen I-Punkt daran zu ändern Österreich-Ungarn, selbst nach dessen Erlaß, vorgeschlagen? Hat er nicht die anderen Großmächte wie ein Hofhund weggebellt, sowie sie in den ersten Tagen nach dem Ultimatum dessen Milderung verlangten? Und wann hat denn seine Vermittlungstätigkeit begonnen? Doch erst, nachdem die anderen Mächte, die Fruchtlosigkeit solchen Beginnens einsehend, auf eine Änderung des Ultimatums verzichtet und andere Ausgleichsvorschläge gemacht hatten, durch die der Inhalt und die Form des unseligen Ultimatums unberührt blieben.
Wie unwahr, bewußt unwahr die nachträgliche Darstellung der Herren v. Bethmann und v. Jagow ist, ergibt sich aus einem Vergleich ihrer nach dem verlorenen Krieg verfaßten Rechtfertigungsschriften mit ihrem vor dem Kriegsausbruch, zur Zeit der Siegeszuversicht, zusammengestellten amtlichen deutschen Weißbuch. Dort sagten sie, weil sie damit ihre politische Einsicht zu beweisen glaubten, ganz richtig: „Wir ließen Österreich völlig freie Hand in seiner Aktion gegen Serbien[10].“ Das war der Sinn der von ihnen unterwürfig angenommenen Formel des Kaisers Franz Joseph und der dreißigjährigen Bündnistradition, die Herr v. Bethmann wenigstens im Bundesrat am 1. August 1914 so definierte, die er aber in seiner Rechtfertigungsschrift nach dem Kriege vollständig vergessen zu haben scheint. Nach dieser Kompetenzformel hätte die Wiener Regierung der Berliner über das Ultimatum bis zu dessen Überreichung an Serbien ebensowenig zu sagen gebraucht wie den anderen Mächten. So hat es auch die Berliner Regierung den anderen Mächten dargestellt. Es ist aber nicht wahr. Die Wiener Regierung hat der Berliner, über die Kompetenzformel hinausgehend, von ihren Absichten schrittweise Mitteilung gemacht, ihr dies auch durch den k. u. k. Botschafter in Berlin bereits am 9. Juli freiwillig in Aussicht gestellt[11], die Berliner Regierung hat aber ihrerseits, der zu ihrer Entmannung bestimmten Formel sklavisch gehorchend, sich jeder Kritik begeben und die Wiener Regierung durch gute Ratschläge und durch Drängen bei der Ausführung ihrer wahnwitzigen Pläne unterstützt, bestärkt, angefeuert.
Folgen wir den Ereignissen! Am 7. Juli fand in Wien der erste gemeinsame Ministerrat über die serbische Angelegenheit statt. Diesen Programmpunkt verschwieg man in der ganzen Öffentlichkeit. Der deutsche Botschafter in Wien Herr v. Tschirschky aber erfuhr, was dort verhandelt worden war, welche Stimmungen sich dabei gezeigt hatten, wie Graf Tisza den Plänen des Grafen Berchtold widerstrebt hatte, und über all das berichtete er am 8. Juli der Berliner Regierung. In diesem Bericht teilte er der Berliner Regierung auch schon den ganzen jesuitischen Ultimatumsplan des Grafen Berchtold mit, genau wie dieser später ausgeführt worden ist, nämlich, daß Graf Berchtold die „Forderungen an Serbien so einzurichten“ beabsichtige, daß „deren Annahme ausgeschlossen erscheint[12]“. Diese trefflichen Informationen hatte Herr v. Tschirschky aus dem Munde des Grafen Berchtold selbst. Zwei Tage später, am 10. Juli, teilt Graf Berchtold dem Herrn v. Tschirschky den Verlauf seiner Audienz beim Kaiser Franz Joseph vom 9. Juli mit, und Herr v. Tschirschky berichtet darüber sofort nach Berlin. Graf Berchtold skizziert ihm die Forderungen, die er an Serbien stellen wolle, ungefähr schon so, wie er sie später im Ultimatum tatsächlich gestellt hat, mitsamt der 48stündigen Galgenfrist. „Er sinne“, sagt Berchtold zu Tschirschky, „noch darüber nach, welche Forderungen man stellen könne, die Serbien eine Annahme völlig unmöglich machen würden.“(!) „Berchtold“, berichtet Tschirschky weiter, „würde gerne wissen, wie man in Berlin darüber denkt[13].“ Nun hätte, da Berchtold um Rat fragte, die Berliner Regierung die beste Gelegenheit gehabt, ohne sich auch nur dem Vorwurf einer Einmischung von Seite des Bundesgenossen auszusetzen, das zu tun, wessen sie sich später berühmt hat und was ihre Pflicht gewesen wäre, nämlich in Wien mäßigend zu wirken. Was tut aber die Berliner Regierung? Sie ist noch päpstlicher als der Papst. Sie verweigert dem Grafen Berchtold den von ihm erbetenen Rat. Herr v. Jagow telegraphiert am 11. Juli an Herrn v. Tschirschky: „Zur Formulierung der Forderungen an Serbien können wir keine Stellung nehmen, da dies Österreichs Sache ist.“ Und dann gibt er dem Grafen Berchtold die Anregung, gleichzeitig mit dem „Ultimatum“ — Herr v. Jagow nennt es als erster bereits in diesem Zeitpunkt so — eine Sammlung von Materialien über die großserbische Bewegung zu publizieren — eine Anregung, die Graf Berchtold mit dem sogenannten „Dossier“ später befolgt hat[14]. Herr v. Jagow begann also schon in diesem frühen Zeitpunkte, an dem von Berchtold eingeleiteten Kriegskomplott mitzuarbeiten — allerdings nur in untergeordneter Stellung — als Handlanger Berchtolds, der sich in der Hauptsache jeder Einflußnahme enthielt, durch allersubmisseste Regievorschläge aber das Gelingen des Berchtoldschen Planes zu sichern bestrebt war.
Am 14. Juli sucht Graf Tisza unmittelbar nach einer Besprechung mit Berchtold den Herrn v. Tschirschky auf, teilt ihm mit, daß er sich nun auch zu Berchtolds Kriegsplan bekehrt habe, daß die Note an Serbien am Sonntag, den 19., im Ministerrat beschlossen, aber erst nach der Abreise Poincarés von Kronstadt, die, wie Tisza fälschlich glaubte, am 25. erfolgen werde, in Belgrad überreicht werden solle. „Die Note“, teilt Graf Tisza weiter dem Herrn v. Tschirschky mit, „werde so abgefaßt sein, daß deren Annahme so gut wie ausgeschlossen sei.“ Das alles gibt Tschirschky sofort nach Berlin weiter[15]. Berlin schluckt alles stumm hinunter. Unmittelbar nach Tiszas Besuch läßt Graf Berchtold Herrn v. Tschirschky zu sich kommen, um diesen auch seinerseits über das Ergebnis seiner Besprechung mit Tisza zu informieren, das Wichtigste ist die Mitteilung Berchtolds, daß Graf Tisza „in erfreulicher Weise“ dem Plane Berchtolds beigestimmt „und sogar in manche Punkte eine Verschärfung hineingebracht“ habe. Auch darüber gibt Tschirschky sofort genauen Bericht nach Berlin[16], Berlin schluckt auch diese „erfreuliche“ Mitteilung stumm hinunter. Gegenüber dem ungeduldigen Berlin entschuldigt sich noch Graf Berchtold bei Herrn v. Tschirschky, daß „lediglich die Anwesenheit Poincarés in Petersburg der Grund für den Aufschub der Übergabe der Note in Belgrad sei“. Am 17. Juli berichtet der Botschaftsrat der deutschen Botschaft in Wien, Prinz Stolberg, auf Grund einer Mitteilung des Grafen Berchtold dem Reichskanzler, daß die Überreichung der Note in Belgrad am Donnerstag, 23. Juli nachmittags, erfolgen werde, daß Berchtold „hoffe“, daß Serbien die Note nicht annehmen werde, „da ein bloßer diplomatischer Erfolg hierzulande (in Österreich-Ungarn) wieder eine flaue Stimmung auslösen werde[17]“. Am 18. Juli schreibt Prinz Stolberg einen ausführlichen Brief mit denselben Mitteilungen an Herrn v. Jagow, fürchtet aber, daß Serbien die Forderungen Österreich-Ungarns annehmen könnte, und tut noch seine eigene Wohlmeinung hinzu, daß Österreich-Ungarn es zum „Bruch“ mit Serbien treiben müsse und sich mit einem „sogenannten diplomatischen Erfolg“ nicht begnügen dürfe. Er beruhigt sich aber schließlich mit der Versicherung des Grafen Hoyos, des Kabinettschefs Berchtolds, „daß die Forderungen (an Serbien) doch derart seien, daß ein Staat, der noch etwas Selbstbewußtsein und Würde habe, sie eigentlich unmöglich annehmen könne[18]“. Wahrlich, Wien hat Berlin keinen Moment über seine Absichten im Unklaren gelassen. Was hat aber Berlin auf diese sich immer ungeheuerlicher auswachsenden Geständnisse Wiens hin unternommen? Mäßigend eingewirkt? Wieder nicht! Am 20. Juli überreicht der serbische Geschäftsträger in Berlin Herrn v. Jagow eine ausführliche Note, in der die serbische Regierung die Mordtat von Sarajevo aufs schärfste verurteilt, den Wunsch ausspricht, „mit der Nachbarmonarchie freundschaftliche Beziehungen zu unterhalten“, und den Willen kundgibt, allen etwaigen Forderungen Österreich-Ungarns entgegenzukommen, nur solche Forderungen ausgenommen, „die auch jeder andere Staat, der auf seine Würde und Unabhängigkeit bedacht ist, nicht erfüllen könnte“. Schließlich bittet die serbische Regierung „die ihr freundschaftlich gesinnte Kaiserliche (deutsche) Regierung, im Sinne der Versöhnlichkeit gefälligst wirken zu wollen[19]“. Was aber tut Herr v. Jagow darauf? Herr v. Jagow erwidert dem serbischen Geschäftsträger, daß er „es wohl begreifen könne, wenn man jetzt dort (in Wien) energische Saiten aufzöge. Die Forderungen, die Österreich-Ungarn stellen wolle, seien ihm nicht bekannt[20]“ — für welche Sprache Graf Forgach, in Vertretung des Grafen Berchtold, dem Herrn v. Jagow namens der k. u. k. Regierung dankt[21]. Der Staatssekretär wußte am 20. Juli schon längst aus Tschirschkys Bericht vom 10. Juli das Wesentliche der von Österreich-Ungarn beabsichtigten Forderungen, vor allem, daß sie solche sein werden, die mit der Würde und Unabhängigkeit eines Staates unverträglich seien. Vom serbischen Geschäftsträger erfuhr er nun, daß die serbische Regierung solche Forderungen ablehnen werde. Herr v. Jagow wußte also am 20. aus authentischen Quellen ganz genau, daß Graf Berchtolds Plan zum Kriege führen müsse. Was tat er? Dem serbischen Geschäftsträger spricht er im voraus seine prinzipielle Zustimmung zu den Berchtoldschen Forderungen aus, teilt dies der Wiener Regierung mit, die darin eine ausdrückliche Bestärkung ihrer Pläne sieht und dafür dankt. Wenn aber Herr v. Jagow wirklich mäßigend hätte wirken wollen, hätte ihm die Initiative der serbischen Regierung vom 20. Juli, also ehe noch die Kugel aus dem Lauf war, die beste Gelegenheit geben können, zwischen Wien und Belgrad unter Ausschluß von Petersburg zu vermitteln, nicht nur den Krieg zu vermeiden, sondern den Streit zu lokalisieren, anstatt Rußlands Deutschland zur Vermittlungsstation zwischen Serbien und Österreich-Ungarn und Rußlands Protektorat illusorisch zu machen.
Das ist aber der Berliner Regierung gar nicht eingefallen. Nicht nur, daß sie nichts tat, um die Wiener Regierung von ihren exzessiven Plänen zurückzuhalten, setzte sie vielmehr alles in Bewegung, um das Gelingen dieser Pläne zu sichern. Mit einer geradezu subaltern zu nennenden Beflissenheit ging sie, sofort nach Empfang des dem Handschreiben Kaiser Franz Josephs an Kaiser Wilhelm beigelegten Berchtoldschen Memorandums vom 2. Juli, daran, dessen Ideen, ohne Widerrede, wie einen höheren Auftrag auszuführen. Die serbophobe und bulgarophile Balkanpolitik Österreich-Ungarns war bekanntlich im zweiten Balkankrieg in einen ausgesprochenen Gegensatz zu der Politik des Deutschen Reiches gekommen, die Rumänien, Serbien und Griechenland gegen Bulgarien unterstützte, und dieser Gegensatz hatte durch die Publizierung der anläßlich des Bukarester Friedens zwischen dem deutschen Kaiser und dem König von Rumänien gewechselten Telegramme sogar zu einem öffentlichen Eklat geführt. Nach Empfang des Memorandums sattelte nun Berlin vollständig um und folgte getreulich den Spuren der Wiener Politik. Wie ein Hund, dem ein Stein ins Wasser vorausgeworfen wird, so entsprachen die Berliner Staatsmänner den Winken von Wien. Am 5. Juli war das Berchtoldsche Memorandum in Berlin überreicht worden, und schon am 6. sehen wir die Berliner Regierung an der Arbeit, die Ideen des Memorandums zu verwirklichen, nämlich Bulgarien und die Türkei an den Dreibund anzuschließen, diese beiden Staaten durch ein Bündnis auch untereinander zu einigen und Rumänien und Griechenland, wenn möglich, von Serbien abzuwenden.