„Trägt er vielleicht ein Pfeffer-und-Salz-Jackett?” entfuhr es Elli. „Und —” Sie verstummte jäh, über sich selber erschrocken. In ihrer übersprudelnden Lebhaftigkeit hatte sie alle Vorsicht vergessen.

Käthe war außer sich über diese Dummheit. Sie stand auf, Marga folgte ihr. Alle drei umstanden sie den kurulischen Sessel des Geheimrats, der Gott sei Dank keine Ahnung von so modischen Fachausdrücken wie „Pfeffer-und-Salz-Jackett” hatte und von seinen Besuchern alles andere eher denn Einzelheiten ihrer Kleidung im Gedächtnis behielt.

„Pfeffer-und-Salz-Jackett?” wiederholte er kopfschüttelnd. „Woher kennst denn du ihn, Kleinchen?”

„Nein, nein! Ich meinte nur so; ich kenne ihn so wenig wie irgendwer,” versicherte Elli krampfhaft.

„Also, kurz und gut,” resümierte der alte Herr, „er behauptet, Volontärarzt in Hemsbach gewesen zu sein.”

„Volontärarzt? In Hemsbach?” Marga besann sich. Sie war dort einen Sommer über — es war vier, fünf Jahre her — in einer Blindenanstalt gewesen, um sich in ihren Fertigkeiten zu vervollkommnen. Aus ihrer Erinnerung an diese schwere Zeit löste sich jetzt eine entfernte Gestalt. Damals war neben dem Direktor ein jüngerer Arzt dort, der sich gern mit ihr unterhielt und mit ihr lernte. Jetzt kam ihr auch der Name zurück. „Ach, der!” setzte sie plötzlich gedankenvoll hinzu.

„Jawohl — der!” schmunzelte der Geheimrat. „Habe ich nun recht, wenn ich sage, Marga hat heimliche Herrenbekanntschaften?”

„Natürlich hast du recht!” rief Elli lustig. „Das sind ja nette Sachen, die man von dir hört, Margakind!” Sie schlang den Arm um Margas Hals und zupfte sie neckend am Ohr.

„Und gar nie ein Sterbenswörtchen davon zu erzählen!” sagte Käthe ganz vorwurfsvoll.

„Aber das war ja nur eine ganz flüchtige Bekanntschaft,” verteidigte sich Marga. Sie war ordentlich bestürzt. Ihre Augen gingen ratlos auf die Suche. Sie war rührend in ihrer leichten Erregung und verschämten Hilflosigkeit. Dazu regte sich etwas wie Stolz in ihr. Daß der Besuch des „Neuen”, der die Gemüter so beschäftigt hatte und nun unerwartet, kampflos aus seinem Inkognito hervorgetreten war, gerade mit ihr zusammenhing, war ein für ihre abgeschlossene Welt ungewöhnliches Ereignis. „Doktor Perthes war übrigens gar kein solcher Laffe,” erklärte sie nach einigem Besinnen mit ernsthaftem Nachdruck und unter allgemeiner Heiterkeit.