Am Nachmittag hatte es Bindfaden geregnet. Es wurde Abend, ehe der Himmel sich leidlich aufhellte. Keine Seele aus der Stadt hatte sich auf der Mühle blicken lassen. Perthes war trotz des Unwetters um fünf Uhr gekommen. Sein Lodenmantel und sein Hut mußten am Herdfeuer in der Küche aufgehängt werden. Wilkens stellte sich zum Essen ein, für das man, da der Boden zu feucht war und die Bäume tropften, in einer Laube hatte decken lassen. Elli rekognoszierte für alle Fälle auf Margas Wunsch nochmals das Terrain, obgleich Wirtsleute und Kellner übereinstimmend berichteten, es sei kein menschliches Lebewesen im Garten. Sie kam mit der Meldung zurück, in einer abgelegenen Ecke sitze, aller Nässe von unten und oben zum Trotz, Professor Borngräber und kritzle unheimliche Schriftzüge in ein Notizbuch. Das klang zwar abenteuerlich, war aber anderseits auch so beruhigend, daß jedes Bedenken schwand. Es war so gut, als gehörte einem der ganze Garten allein. Guter Dinge voll, zog man von der Halle in die Laube und setzte sich zu Tisch.

Man hatte noch kaum mit dem Abendbrot begonnen, als Elli scharf und unruhig über den Fluß äugte, hinüber auf das Fährboot. Das füllte sich plötzlich mit einer ansehnlichen Gesellschaft, aus der weiße Mädchenkleider herüberleuchteten.

Wilkens war auch aufmerksam geworden. „Ich zähle drei Wilmannstöchter, Papa, Mama und studentischen Anhang,” konstatierte er mit seiner unerschütterlichen Gelassenheit.

„Wahrhaftig! Ich auch!” rief Elli mit lachender Bestürzung.

Perthes hatte sich erhoben. Er mußte die Nachricht bestätigen. „Mit sicherem Kurs auf die Sägemühle!” setzte er tröstlich hinzu.

Verblüffung und Schrecken waren groß. Die Ratlosigkeit noch größer. Jeder schlug einen Ausweg vor, der nichts taugte. Und dabei näherte sich das Boot mit zunehmender Eile.

„Wenn man Professor Borngräber bäte, sich an unseren Tisch zu setzen?” ließ sich Marga bedächtig vernehmen, als keiner von den anderen mehr Rat wußte.

„Sieh mal einer — das Margakind!” rief Elli begeistert. „Die Liebe — ich sag' es ja schon immer — geradezu genial macht sie die Liebe!”

„Man könnte auch sagen, durchtrieben!” kommentierte Perthes, indem er Marga strafend und anerkennend auf die Finger klopfte.

Es war keine Zeit zu verlieren.