„Woher wissen Sie das, gnädiges Fräulein?” fragte Perthes trocken zurück, während er auf das schmale Persönchen kühl heruntersah.
„Von Alice natürlich!”
„Alice!” nahm Hupfeld das Wort. „Wo steckt denn Alli? Wir werden uns ohne sie zu Tisch setzen. Entschuldigen Sie, mein lieber Doktor! Meine Tochter lebt in einem beständigen Krieg mit unserer Hausordnung,” ergänzte er halb stolz, halb tadelnd, während er seiner Frau artig den Arm bot.
„Dem armen Kinde wird doch nichts zugestoßen sein?” meinte Frau Hupfeld ängstlich.
„I wo, Mama!” lachte der Leutnant. „Das wäre das erstemal. So was verdirbt nicht!”
„Ich sah sie vor einer Viertelstunde von meinem Zimmer aus in den Park laufen,” bemerkte Cousine Hilla. Sie hängte sich dabei an den Arm ihres Vetters, der sie höflich dem Gast hatte überlassen wollen. Mit Zivilisten ging sie nur in Ermangelung wirklicher Menschen zu Tisch.
Perthes, dem offenbar ursprünglich Alice als Tischnachbarin zugedacht war, mußte sich seinen Platz allein suchen.
Er ergab sich in sein Los. Kam er sich doch unter diesen fremden Menschen so gelangweilt und unbehaglich vor, daß er froh war, sitzen und essen zu dürfen.
Exzellenz hielt bei der Suppe einen kleinen Vortrag über altes Porzellan, von dem er eine Sammlung anzulegen beabsichtigte. Es genügte, verständnisvoll zu lächeln, was übrigens nur Perthes tat. Frau Hupfeld teilte einstweilen ihre ganze Aufmerksamkeit zwischen einem harmlos-fröhlichen Appetit und der erneuten Sorge um das Wetter, das zu beobachten sie dem aufwartenden Diener in geheimnisvollem Ton sehr dringlich einschärfte. Hilla machte ihrem Vetter Leutnant ungeniert den Hof, ohne der Weisheit ihres großen Onkels die geringste Beachtung zu schenken.
Der weißbehandschuhte Diener hatte schon den zweiten Gang serviert und einen Flüsterwein eingegossen, als die Tür zum Saal aufgerissen wurde und Alice hereinstürmte.