„Mich mußt du ausnehmen, Alli,” erklärte voll schwärmender Bewunderung Cousine Hilla. „Ich finde deine Natürlichkeit furchtbar schick! Ich wollte, ich wäre auch so vorurteilslos.”
„Das fehlte noch!” brummte der Leutnant.
„Steht nur Ihr Urteil aus, Herr Doktor Perthes!” wandte sich Alice mit einer Verbeugung an ihren Nachbar. „Dann kann über mich richtig abgestimmt werden!”
Perthes, obwohl nichts weniger als entzückt von dieser Aufforderung, begegnete dem spitzbübischen Zwinkern ihrer Augen mit einem ruhigen Blick. „Wenn Sie darauf Wert legen, gnädiges Fräulein —”
„Und ob!”
„Ich schätze Natürlichkeit. Bei Damen sogar besonders. Sie wird da nur leicht Manier. Und hebt sich so wieder selbst auf.”
„Sehr gut!” nickte zustimmend der Geheime Rat. „Sehr gut, lieber Perthes!” wiederholte er noch einmal, nachdem er mit vorgeschobenen Kennerlippen an seinem Weinglase genippt hatte.
„Das heiß' ich 'ne schlanke Abfuhr — wie, Allichen?” schmunzelte der Leutnant vergnügt.
„Mir ist das zu hoch!” meinte mit patziger Geringschätzung Cousine Hilla.
Alli selbst kniff die Augen zusammen wie beim Tennisspiel, wenn sie berechnen wollte, wie sie den Ball am besten zurückschlüge. Es lag in dem halboffenen Blick etwas Lauerndes, das die Freude an gefangenem Raubzeug, wie einem Iltis, erklärlich machte. Im nächsten Augenblick lachte sie. Es war dieses helle, kurze, aufreizende Lachen, das Perthes kannte.