Das Gewitter aus Süden, das Frau Hupfeld von der Tafel aufgeschreckt hatte, war recht zögernd aufgezogen. Erst jetzt holten seine Wolken die Sonne ein. Ein greller, silberner Rand schied das Blau und das Grau des Himmels. Das Licht auf dem langgestreckten, eintönigen Rücken des Hauses schwand. Die Schatten unter der Eiche wurden beinahe finster. Der Donner murrte dumpf und nah.

„Das scheint ja doch noch ernst zu werden,” lenkte Perthes das Gespräch ab.

„Sie sind doch nicht auch gewitterscheu wie Mama?”

„Das müssen Sie mir ja ansehen, gnädiges Fräulein!”

„Wenn Sie wünschen, zeige ich Ihnen mal die Kapelle. Papa würde es Ihnen nicht verzeihen, wenn Sie nicht dort gewesen wären!” Alice war aufgestanden. Sie schlang die Hände hinter ihrem Kopf ineinander und dehnte sich. „Wollen Sie? Wenn Ihnen die Besichtigung mit mir allein zu langweilig ist, können wir noch Moritz und Hilla rufen.”

„Ihre Gesellschaft genügt mir.”

„Danke! Ich nehme das für ein mißratenes Kompliment.” Sie neigte übertrieben-höflich den Kopf und ging dann voraus.

Alice nahm sich Zeit und führte Perthes auf einem Umweg quer durch den Park. Sie lief, und er blieb trotz seiner großen Schritte immer hinter ihr.

„Sie haben Bergtouren gemacht?” begann er von sich aus die Unterhaltung wieder.

„Ach — es war recht mäßig dieses Jahr!” gab sie gleichgültig zurück. „Das Wetter war zu unbeständig.”