Geschmackvolle Schränke zwischen den Chorstühlen und glasüberbaute Tische, die an Stelle der Bänke das Kapellenschiff füllten, enthielten die Sammlung des Geheimen Rats: Meßgewänder und Schmuckstücke aus dem späten Mittelalter, Gemmen und Münzen aus der Antike, Handschriften aus dem vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert.
Auch wenn sie besser zu sehen gewesen wären — Perthes hätte jetzt kaum zu einer näheren Besichtigung Lust gehabt. Er lehnte schweigend an einem der Pfeiler und begnügte sich, die ruhige Gesamtheit der kleinen Kirche und ihre Kühle auf sich wirken zu lassen. Der Regen prasselte an die Scheiben, und der Sturm brauste draußen in den mächtigen Bäumen.
Alices unfromme Stimme weckte ihn schnell. „Als Säulenheiliger sehen Sie wirklich nicht gut aus, Doktor!” klang es von der Höhe der Orgelempore hallend zu ihm herunter. „Kommen Sie lieber zu mir herauf und helfen Sie mir!”
Perthes entdeckte nicht ohne Mühe die schmale Stiege, die sie emporgeklettert war, und folgte ihr. Sie krachte bedenklich unter seinen Tritten.
Alice stand hinter der verstaubten Orgel und wirtschaftete an einer hohen Leiter.
„Wobei soll ich Ihnen helfen?” fragte er mit leisem Argwohn.
Sie deutete über sich.
Man sah über die Dachsparren durch in den engen Turm, in dem zu oberst ein oder zwei Balken querliefen, die wohl früher eine Glocke getragen hatten.
„Ich möchte mir von da oben mal das Unwetter ansehen!”
„Aber das ist ja Unsinn!” entfuhr es Perthes. „Da kommen wir nicht hinauf. Oben an der Leiter fehlen Sprossen, und weiter hinauf sehe ich überhaupt keine Möglichkeit, hochzukommen. Überdies wackelt das ganze Ding hier!” Er schüttelte mit seinen Händen die gar nicht einladende Leiter.