Als sie unter das Tor der Kapelle traten, sah er auf die Uhr. Es war spät geworden. Beinahe sieben. „Höchste Zeit, daß ich mich verabschiede!” murmelte er heftig.

Sie schritten wortlos durch den Garten nach dem Haus. Der Regen hatte aufgehört. Es tropfte nur noch schwer und laut von den glänzenden Zweigen.

Im Flur klingelte Alice nach dem Diener. „Vielleicht wünschen Sie sich etwas ausbürsten zu lassen, Herr Doktor!” Sie musterte sein verstaubtes Äußere vom Fuß zum Kopf mit einem halben Lächeln, das er mit einem Blick auf ihr ziemlich mitgenommenes blaues Foulardkleid erwiderte. Dann ließ sie ihn stehen und ging die Treppe hinauf.

„Bitte, sagen Sie mir noch, gnädiges Fräulein, wo ich mich von Ihren Eltern verabschieden kann,” rief ihr Perthes nach.

„Seine Exzellenz, der Herr Geheime Rat, wurden in die Stadt gerufen. Ihre Exzellenz, die gnädige Frau, sind zu Bett gegangen,” meldete der hinzukommende Diener.

Alice war auf dem Treppenabsatz stehen geblieben. „Na, denn adieu!” Sie nickte ihm zu und streckte die Hand lässig über das Geländer.

Perthes berührte sie leise und verbeugte sich. „Sie haben wohl die Güte, mich den Herrschaften dankend zu empfehlen. Auch Ihrem Herrn Bruder und Ihrer Fräulein Cousine.”

Fräulein Exzellenz war schon verschwunden ...

Perthes ließ sich von dem Diener, so gut es ging, den Anzug reinigen.

Zwei Minuten später trat er aus dem Haus. Er atmete auf und ging mit schnellen Schritten durch den Garten dem Tor zu. Als es zufiel und Stift Nieburg hinter ihm lag, war es ihm, als wäre eine Ewigkeit vergangen, seit er dort eingetreten war. Und doch waren nur wenige Stunden vergangen, seit er an derselben Stelle aus der Droschke gestiegen. Wie um einen gefährlichen Spuk, der kein Anrecht auf Wirklichkeit hatte, schleunig loszuwerden, lief er zur Landstraße hinunter. Flußaufwärts über den Bergen verzog sich das Gewitter mit aschgrauen und nachtschwarzen Wolken. Flußabwärts, der Ebene zu, blaute der Himmel wieder, und die Sonne zerriß das dünne, schleierhafte Gewölk. Ihre Strahlen drangen mutig vor und erreichten die Straße. Bis hinauf zur Mühle wagten sie sich, bewarfen das Ziegeldach und blitzten auf den nassen Blättern des Wirtsgartens. Die Rinnsale in den Wagenfurchen auf dem Fahrdamm, noch eben trostlos braun und schmutzig, sprühten blendend auf und wetteiferten mit dem goldgekräuselten Schein der Wellen im Fluß. Ein breiter Regenbogen spannte sich vom jenseitigen Ufer über das Tal und berührte mit seinem Scheitel diesseits den Bergwald.