„Meinst du? Vielleicht nimmt er sich ein gutes Beispiel. — Ach, du, Margakind, waren das Tage auf der Sägemühle! So schön wird's im ganzen Leben nicht wieder!”
Jetzt war der rechte Gesprächsstoff gefunden.
Sie gingen miteinander den Sommer durch, beinahe Tag um Tag. Wie Perthes und Wilkens zum erstenmal miteinander draußen auftauchten. So unerwartet und doch erwartet. Wie Marga ihm das Wiederkommen verbot. Wie sie und Elli jenen Ausflug über die Berge machten. Erst in so niedergeschlagener, trüber Stimmung und dann auf dem Heimweg so glücksfroh — über den endlosen Hang von läutenden Glockenblumen, den Marga erträumte. Als sie über den Fluß setzten, stand er drüben am Ufer. Ihre Herzen fanden sich. Und dann die lustigen Mahlzeiten zu vieren! Der tolle Besuch von Papa Wilmanns, wo Borngräber den Sündenbock machen mußte und die „Generalrevision” in Bowle und Tanz sich auflöste. Elli jubelte noch in der Erinnerung, und Marga, von ihrer Lustigkeit angesteckt, vergaß für Augenblicke, wie ihr Herz klopfte.
Die Kuckucksuhr meldete dreiviertel vier. Die Zeit war im Fluge vergangen. Sie horchten betroffen auf, als sie schlug, und wurden beide still und ernst.
„Ich möchte Max so gern einen Moment sprechen, ehe er zu Papa hineingeht,” brach Marga zuerst wieder das Schweigen. „Ihm wenigstens die Hand drücken oder doch zuwinken,” meinte sie beklommen.
„Natürlich sollst du das! Ich leg' mich auf die Lauer. Laß mich nur machen!” Schon war Elli aufgesprungen. Sie öffnete die Tür und schlüpfte nach dem Flur, um die Wache anzutreten, so wie sie und Käthe es zu machen pflegten, wenn das Semester anfing und die Hörer von Papa sich in der Sprechstunde anmeldeten. „Weißt du noch,” flüsterte sie, sich auf der Schwelle nach Marga umdrehend, „wie wir ihn zuerst sichteten? Damals — mit dem Pfeffer-und-Salz-Jackett?”
Ob Marga das noch wußte! Es litt sie nicht länger auf ihrem Platz.
„Bleib doch!” mahnte Elli. „Wenn es klingelt und ich sehe, daß er's ist, ruf' ich dich!” Sie beugte sich herunterspähend über das Treppengeländer, obwohl noch nichts zu hören und zu sehen war.
Der Kuckuck holte zu seinen vier Rufen aus. Gleichzeitig wurde an der Hausklingel geläutet. Lange und schrill tönte es durchs Haus.
Marga ließ es sich nicht nehmen: ehe Elli es verhindern konnte, eilte sie die Treppe hinunter.