„Es sollte mich freuen,” versicherte Hupfeld mit großartiger Loyalität, „wenn es mir mit meinen Vorschlägen gelungen wäre, Ihre Wünsche mit den meinen in Einklang zu bringen.”
„Meine Wünsche wagten sich so hoch nicht, Exzellenz. Gleichwohl werden Sie es billigen, wenn ich mir angesichts so weitausschauender Pläne einige Tage erbitte, um sie durchzudenken.”
Hupfeld sah den Doktor ziemlich erstaunt, beinahe mißtrauisch an. Diesmal war ihm ein Zaudern unverständlich. „Nun ja —” meinte er gedehnt. „Ich gebe Ihnen natürlich Bedenkzeit. Nur —”
„Exzellenz dürfen überzeugt sein, daß ich dies Zugeständnis nicht mißbrauche. In wenigen Tagen, vielleicht schon morgen —”
„Bringen Sie mir eine zustimmende Antwort,” vollendete der Geheime Rat mit leichter Schärfe. Er hatte sich erhoben und bot Perthes verbindlich die Hand zum Abschied. Als er allein war, schüttelte er den Kopf: „Bei alledem — ein merkwürdiger junger Mann!”
Er sollte diese Merkwürdigkeit bald besser verstehen, als er ahnte. —
Nach milden, sonnigen Tagen brachte der November seine gewohnten brausenden, kühlenden Stürme, die im Wirbel das rote und braune Laub aus den Baumkronen rissen.
Gerade das unstete, tosende Wetter lockte die Abenteuerlust von Fräulein Exzellenz. Sie schlug für einen der nächsten Nachmittage den Teilnehmern der Reitquadrille einen Fernritt, und zwar einen tüchtigen Fernritt vor. Bei trügerischem Sonnenschein brach man auf. Perthes hatte sich mit Mühe freigemacht. Er sprengte mit Alice voran. Sie sah im langen, schwarzen Reitkleid gut aus. Es ließ ihre biegsamen Formen zu herausfordernder Geltung kommen. Der flache, ebenrandige Hut saß keck über den rotblonden Haaren. Professor Hammann und Cousine Hilla folgten in mäßigem Tempo und unter bedenklichen Protesten. Man hatte auch noch kaum die Sägemühle hinter sich, als der Wind grimmig einsetzte, den Himmel voller Wolken fegte und den Reitern brausenden Widerpart hielt. Als Perthes und seine Begleiterin bei einer Wegbiegung, am Eingang in ein leidlich windstilles Gehölz, sich umblickten, war von Hammann und Fräulein Hilla keine Spur mehr zu sehen.
„Wollen wir auch das Hasenpanier ergreifen?” fragte Alice mit einem spöttischen Blitzen der grünlich schimmernden Augen, während sie die losgerissenen Haarsträhnen aus den Wangen strich.
Statt der Antwort gab Perthes seinem Pferd die Sporen.