Plötzlich wandte sie sich um. Mit ihrem drolligsten Spitzbubengesicht, halb spöttisch, halb ärgerlich, sah sie ihn an. „Nu — werden wir uns wohl verloben müssen. Wie abgeschmackt Sie sind!” meinte sie halblaut.

Er war mit zwei Schritten an ihrer Seite. Sie musterten sich mit einem tiefen, brennenden Blick. Dann küßten sie sich in einer neuen, wilden Umarmung. Und verlobten sich, trotz aller Abgeschmacktheit ...

Als Perthes sich am folgenden Tag in der Hupfeldschen Stadtwohnung einstellte, um Exzellenz Hupfeld seine Zusage für die erste Assistentenstelle zu bringen, empfing ihn der Geheime Rat sehr gemessen.

„Sie haben ja Ihre Bedenkzeit sehr eigenartig benutzt, Herr Doktor! Nun darf ich wohl um Bedenkzeit bitten?” lautete die strenge Einleitung.

Aber der hohe Herr konnte sich nicht lange auf so eisiger Höhe halten. Er wurde väterlich gerührt. Und lächelte bald wie ein gütiger Schöpfer über die kleinen Unarten und Torheiten seiner Geschöpfe.

Im Salon warteten Frau Hupfeld mit Alice und Cousine Hilla. Bei der Tür stand der Diener Karl. Diesmal nicht, um Gewittermeldungen vorzutragen, sondern um auf einen Wink die Sektkelche zu reichen. Schade, daß Leutnant Moritz fehlte.

Man feierte Verlobung im Familienkreise. Vorverlobung.

Es war stilvoller und großartiger, als es je im Haus am Wenzelsberg hätte werden können ...


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