Doch die witterte mit dem sicheren Sinn der gereiften Weiblichkeit schon länger zwischen Sommerfrische und Nachsommerfrische interessante Zwischenfälle oder Übergänge. Ellis Hand ließ sie los, aber dafür hielt sie die Margas um so fester. „Die Sägemühle ist euch aber auch gut bekommen, nicht wahr, Marga?” flötete sie weiter.

Elli gewahrte mit Sorge, daß das Wort Sägemühle, das daheim verpönt war, in Margas Mienen dieselbe Unruhe hervorbrachte wie zuvor auf der Brücke der harmlose Kettendampfer.

„Ausgezeichnet!” antwortete sie, lauter als nötig, an Margas Stelle. „Entschuldige nur, wir müssen —”

„Natürlich, ihr habt's eilig!” versicherte Cousine Grasvogel durchaus verständnisvoll, aber ohne locker zu lassen. „Was mir gerade einfällt — ihr werdet gewiß verwundert —”

„Gar nicht! Gar nicht!” rief Elli. Sie wußte nicht warum, aber sie ahnte, daß die gute Cousine noch mehr Unheil anrichten wollte, und strebte, Marga am Arm zerrend, entschieden davon.

„Ach — ihr wißt's am Ende schon lange! Nicht? Ich meine, daß der liebenswürdige, nette Doktor — wie heißt er doch? — Doktor Perthes — er war doch mal bei euch auf der Sägemühle, nicht? oder öfter — und auf dem reizenden Gartenfest im Juni, nicht? — daß er sich mit Alice Hupfeld verlobt hat? Vorgestern erfuhr ich's von —”

Elli hatte Marga mit Gewalt fortreißen wollen. Aber seit der Name Perthes gefallen war, stand sie steif, schwer, unbeweglich. Und als die für beide niederschmetternde Neuigkeit heraus war, stand auch Elli einen Moment, wie vom Schlag gerührt, kreidebleich.

Cousine Grasvogel, die es nicht bös meinte, stockte in ihrem Redefluß, selber bestürzt und sprachlos über die Wirkung ihrer Mitteilung.

In der nächsten Minute riß Elli Marga mit einem halb wütenden, halb schmerzlichen Aufschrei herum und lief mit ihr, so schnell sie konnte, heimwärts davon.

Marga selbst folgte willig und wortlos. Der Zufall wollte, daß sie fast an derselben Stelle, wo ihr einst Käthe über Perthes' Liebelei mit Hilde König eine erste Andeutung gemacht, diesen tiefen, über alles Verstehen schmerzhaften Streich empfing. Das dumpfe, erregte Arbeiten in ihren Zügen war in ein fast konvulsivisches Zucken übergegangen. Ihre erstorbene Seele erwachte aus der bleiernen Erstarrung von Wochen. Das Blut stieg und fiel in ihren Wangen mit heißen, beklemmenden Wellen.