„Du hast ja selbst gesagt, er soll auf die Liste kommen,” erklärte Elli kühn, um der Schwester zu Hilfe zu kommen.

Marga rührte sich nicht. Sie schien die Fransen an der Kaffeedecke zu zählen.

„Aber dann Schluß! Die Mädels dazu wählt gefälligst selber aus. Und mich laßt mit allem Drum und Dran aus dem Spiel. Kosten darf die Sache nichts, und stören darf sie mich auch nicht.”

Der Geheimrat erhob sich. Er war jetzt wieder ganz der gestrenge und unwirsche Herr und Gebieter, der sich nicht länger um solche Läppereien kümmerte. Fast schien ihm die Sache wieder leid zu tun.

„Nur noch den Tag, Papa!” bat Käthe. „Wir müssen doch wissen, wann dir's am besten paßt.”

Der Geheimrat war schon aus der Tür und stieg in sein Zimmer hinauf. Er hatte gestern in seiner Kaisergeschichte den segensvollen Titus porträtiert. Jetzt kam er zu dem unsympathischen und grausamen Domitian. Mit der Gnade und Milde war es zu Ende.

Doch zum Glück für das Haus ergaben Richthoffs erneute Forschungen, daß der böse Flavier unter seiner Großmannssucht und rohen Härte die besseren Anlagen seines Hauses wenigstens in seinen Anfängen nicht ganz verleugnete. So wurde es möglich, daß man dem Geheimrat doch auch noch den Termin für das geplante Gartenfest ablocken konnte.

Was gab es dann aber auch alles am Wenzelsberg zu tun! Die Einladungen mußten geschrieben werden. Es galt, den Lohndiener und die Kochfrau zu bestellen. Dann kam das Menü. Das las der alte Herr zwei Tage lang nicht, obwohl Käthe es ihm mit aller Liebe und Sorgfalt bei jeder Mahlzeit neben die Serviette legte. Am dritten Tage steckte er es in die Tasche und schickte es am fünften als völlig unbrauchbar zurück. Nur mit List konnte er schließlich gezwungen werden, Gegenvorschläge zu machen. Mit der Bemerkung, daß die Weibsleute nicht einmal von der Küche etwas verständen, ergriff er selbst das Kochbuch und verlangte die unmöglichsten Gerichte. Das Ungeheuerlichste war, daß er allen Einwendungen zum Trotz auf einer Suppe bestand, einer für eine Abend- und Gartengesellschaft allem Herkommen hohnsprechenden Ouvertüre. Er wollte in Italien eine Wildsuppe gegessen haben, die unbedingt ausprobiert werden mußte, ein unheimliches, höchst apartes Gemächte, von dem er sich für sich und seine Gäste Wunder versprach. Käthe konnte nicht mehr erreichen als ein Kompromiß: dafür, daß er die übrigen Gänge genehmigte, mußte ihm die abenteuerliche Suppe zugestanden werden.

Langsam kamen die Zu- und Absagen.

Je größer die Spannung war, mit der seine Mädels die Post erwarteten, um so weniger eilig hatte es der Geheimrat mit dem Öffnen der Briefschaften. Für Elli gab es Folteraugenblicke am Frühstückstisch. Sie hatte schon die Hoffnung aufgegeben, daß Wilkens käme. Endlich schrieb er zu. Doktor Perthes machte zwar eine korrekte sonntägliche Aufwartung, bei der er seine Karte abgab, aber zusagende Antwort schickte er erst am Abend vorher. Er entschuldigte seine Vergeßlichkeit, wollte aber gern kommen. Käthe konnte es nicht unterlassen, zu bemerken, daß Mediziner das „immer” so machten.