„Aber das Kleinchen hat Sie ja angeschwindelt,” erklärte sie ernsthaft.
„Und ich komme Ihretwegen in eine richtige Gesellschaft. Obwohl ich mir vorgenommen hatte, hier gar nichts mitzumachen.”
„Das ist immer noch etwas anderes, als wenn ich Ihretwegen an den Fluß käme,” erwiderte Marga. Ihr Ton war abweisender, als sie wollte. Sie fand sich nicht in eine tändelnde Unterhaltung. Aller Scherz nahm nur schwer den Weg zu ihrer Seele; er machte sie eher scheu und verschlossen als zutraulich. Sie hatte sich wieder an den Türpfosten gelehnt und blickte zu Boden. Ihre ruhige Stirn kräuselte sich einen Moment: ihr offenes Gesicht war nicht darin geübt, ihre Gedanken zu verbergen.
„Was dachten Sie jetzt eben?” forschte Perthes. „Sicherlich nichts Gutes über mich.”
„Sie sind aber eingebildet, Herr Doktor!”
„Ich — wieso?”
„Als ob es nichts anderes zu denken gäbe als —” Marga vollendete den Satz nicht; sie erschrak über ihre eigenen Worte. Sie kamen ungerufen aus ihr hervor. Warum war sie so unfreundlich zu ihm? War sie denn kleinlich? Er hatte von diesem Ufergang gesprochen, von dem sie wußte, daß er einer anderen galt. Es waren nur liebenswürdige Redensarten, wenn er sie damit in Verbindung brachte. Weshalb seine Spielerei? Und doch — als er nun schwieg — tat ihr ihre Äußerung leid. Ohne ihn zu sehen, fühlte sie, daß er sich von ihr weggewandt hatte.
Er schaute in der Tat abgekehrt, mit gekreuzten Armen, auf die vielen schwatzenden Menschen im Salon.
„Sie sind mir doch nicht böse, Doktor Perthes?” fragte Marga mit veränderter, bittender Stimme.
„Warum denn? Ich wundere mich nur, daß Sie heute gar nicht nett zu mir sind.”