In der Tat zeigte sich Perthes' hochgewachsene Gestalt gleich hinter Wilkens in der Tür. Sein brauner, bärtiger Kopf ragte über die anderen hinaus. Nur der Flanellstorch konnte sich mit ihm messen. Mit dem suchenden Lächeln des Fremdlings überschaute er das Gedränge. Er hatte sich schnell orientiert. Nach Wilkens trat er auf den Geheimrat zu und begrüßte ihn mit unbefangener Höflichkeit.

Der alte Herr sah ihn einen Moment fragend an. Dann besann er sich und schüttelte Perthes die Hand. „Marga erinnert sich Ihrer. Nett, daß Sie kommen. — Kleinchen!” Er erwischte die eben vorbeihuschende Elli an einem Zipfel ihres Ärmels, ehe sie zu dem ersehnten Wilkens durchschlüpfen konnte. „Herr Doktor Perthes — meine Jüngste,” stellte er vor, während er ihr den Arm um die Schulter legte. „Führ' ihn mal zu Marga!” Er deutete aufgeräumt nach der Seite, wo sie stand. Dann mußte er neue Gäste begrüßen: Frau Geheimrat Achenbach, die Witwe eines Kollegen, eine stattliche alte Dame mit gütigen Augen unter schneeweißen Scheiteln, auf einen Krückstock sich stützend; weiterhin einen ehemaligen Schüler und jetzigen Privatdozenten, Bertelsdorf mit Namen, der es kaum erwarten konnte, bis er mit blinzelnder, katzbuckelnder Höflichkeit an die Reihe kam, seinen Gruß anzubringen.

Inzwischen drängelte sich Elli, gewandt wie ein Wiesel, durch die einzelnen Gruppen, Perthes mit übermütigen Gebärden hinter sich her winkend.

Marga stand an der Tür zum Wohnzimmer. Sie hatte sich dorthin zurückgezogen, weil sie sich in dem Geschwirre der Menschen überflüssig vorkam. Es fiel niemand auf, daß sie beiseite trat. Die drei Wilmannsmädchen lachten auch ohne sie über die Aufschneidereien der beiden Burschenschafter. Einsam, mit einem halben, verlorenen Lächeln lehnte sie im Rahmen der Tür.

„Da bring' ich dir Herrn Doktor Perthes, Margakind!” rief ihr Elli schon von weitem entgegen.

Marga richtete sich auf.

„Guten Abend, Fräulein Marga!” begrüßte sie Perthes kameradschaftlich. „Wir haben uns ja furchtbar lange nicht gesehen. Ich dachte immer, ich würde Ihnen mal wieder begegnen. In der Stadt, am Ufer oder sonstwo —”

„Wir sind früher oft dort gegangen,” sprudelte Elli naseweis hervor. „Aber neuerdings — ich glaube, seit Marga Sie dort getroffen hat, will sie partout nicht mehr hin.”

„Aber Elli!” wehrte sich Marga. Doch die Missetäterin war schon lachend davongewischt, um endlich zu ihrem Wilkens zu kommen.

„So, so, Fräulein Marga — Sie weichen mir also aus!” neckte Perthes. „Und warum denn, wenn ich fragen darf?”