„Wer war's denn?” forschte die Blinde.
„Ach was! Nicht der Mühe wert! Einfach lächerlich!” lautete die unklare Antwort, die ein tiefer Seufzer begleitete.
„Trabner, der alte Oberlehrer,” erklärte Käthe, die jetzt, gleichfalls enttäuscht, zurückkam.
„Ach der!” nickte Marga und nahm die auf den Knien liegende Handarbeit wieder auf.
„Der Flanellstorch!” ergänzte Elli, die ihren Unwillen an irgendwem auslassen mußte. „Mit der Glatze und der Stahlbrille, den Gummimanschetten und dem famosen Trikot-Stehumlegekragen. Ich glaube, er hört Papa seit fünfzig Jahren, der — der —”
„Ein sehr netter, vernünftiger Mensch,” meinte Käthe strafend. „Papa schätzt ihn sehr.” Als Älteste hielt sie es stets für ihre Pflicht, gerecht zu sein und Ellis vorlauten Urteilen die Spitze abzubrechen.
Aber Elli war heute gar nicht in der Laune, sich schulmeistern zu lassen. „Sieh mal an!” Sie bog ihren lichtblonden Lockenkopf zur Seite. „Du schwärmst wohl gar für den guten Flanellstorch?”
„Das ist ehrlich dumm, Kleinchen! Ich kann nur nicht leiden, daß man jemand in Bausch und Bogen ablehnt. Das weißt du.” Käthe setzte sich an den kleinen Schreibtisch am Fenster. Sie wollte fortfahren, in ihr Tagebuch zu schreiben.
„Vergiß das ja nicht gleich mit aufzuschreiben,” neckte Elli weiter. „Unter ‚Gedankensplitter‛.”
Käthe drehte sich empört nach der Spötterin um. „Das verbitt' ich mir, hörst du?” Ihre dunklen Augen zürnten, und sie strich sich die Haare aus der Stirn, zurück nach den schwarzen, wohlgeordneten Flechten. „Ich kann nicht dafür, daß dein Herr Wilkens ausbleibt,” setzte sie mit spitzem Vorwurf hinzu.