Elli rückte auf ihrem Sitz hin und her. Sie wollte nicht mehr, und doch wollte sie brennend gern. Käthe hatte die Feder weggelegt. Auch sie überlegte. Schon stand Elli auf und huschte nach der Tür. Käthe folgte langsam. Mit vereinten Kräften beugten sie sich draußen über das Geländer und spähten den heraufsteigenden Schritten entgegen. Marga lauschte wie zuvor. Es war wieder das alte lustige Spiel, das sie nicht lassen konnten, heute zum zehntenmal nicht. Die kleine Zänkerei war längst vergessen. Die Treppen, das Nußbaumgeländer knackten unter der Last der beiden vornübergebeugten Mädchenkörper verräterischer denn je.

Die Musterung des ahnungslosen Besuchers dauerte lange. Für Marga in ihrem Alleinsein schienen die Schwestern eine Ewigkeit auszubleiben. Endlich klappte im ersten Stock die Tür zum Zimmer des Geheimrats ins Schloß. Käthe und Elli stürmten gleichzeitig zurück ins Zimmer. „Etwas schrecklich Interessantes!” rief Elli aufgeregt schon von weitem.

„Ein Neuer! Hat noch nie bei Papa gehört!” berichtete auch Käthe mit ungewohnter Lebhaftigkeit, während sie vorsichtig die Tür nach dem Flur zuzog.

„Alt? Jung? Groß? Klein? So erzählt doch nur!” forschte Marga mit jener Neugier, die sie mitunter leidenschaftlich überkam, wenn ihr junger Sinn sich aufbäumte, als fürchtete sie, die Schwestern möchten ihr ein Stück Leben vorenthalten, nach dem sie sich in ihrer Dunkelheit nicht minder sehnte als die anderen mit ihren hellen Augen.

Alle drei rückten an dem runden Tisch ganz nahe zusammen. Fast stießen sie mit den eifrig aufgestützten Ellbogen aneinander. Käthe und Elli überstürzten und ergänzten sich in ihren Mitteilungen. Die ganze ausgelassene Lust der „Bande”, wie Papa Richthoff seine Mädels nannte, machte sich in dieser halb spaßhaften, halb ernsten Kritik Luft.

„Sehr straffe männliche Erscheinung,” beschrieb Käthe.

„Groß, schlank!” unterbrach Elli. „Schick gekleidet! Jackettanzug — Pfeffer und Salz! Braune Stiefel!”

„Weißt du, Marga, ähnlich wie der eine Assistent von Professor Lepart,” erklärte Käthe.

„Doktor Zerweck? Das Gigerl? Ich danke!” ereiferte sich Elli. „Nicht die Spur, Marga. Viel natürlicher, gar nicht geckenhaft!”

„Nicht wie ein Philologe, weißt du,” nahm Käthe den Bericht wieder auf. „Mehr weltmännisch.”