„O, das will ich nicht sagen,” widersprach Elli. „Es gibt sehr feine Philologen.” Sie verstummte plötzlich und wurde wieder rot. Wilkens war nämlich Philologe, derselbe Wilkens, der vorhin an der kleinen Tränenszene schuldig geworden war.

Jetzt mußten sie alle drei über Ellis Naivität lachen, sie selber nicht zum wenigsten.

„Aber wie sieht er denn nun eigentlich aus?” fragte Marga ganz unglücklich. „So erzählt doch mal ordentlich!”

Käthe und Elli fingen wieder von vorn an. Schwatzend und lachend lieferten sie eine Charakteristik, so wirr und widerspruchsvoll, daß Marga sich nach noch so vielen Beschreibungen so klug vorkam wie zuvor. Was sie mit einiger Bestimmtheit erfuhr, war nur, daß er einen braunen Vollbart trage und sehr ausdrucksvolle dunkle Augen habe. Über diese Augen, die keine der beiden Schwestern länger als eine Sekunde in beträchtlicher Ferne gesehen, drohte es zu neuem Streit zu kommen. Elli fand sie feurig, Käthe schmelzend.

Marga legte sich ins Mittel. „Wir müssen mal Papa fragen, wer es war,” sagte sie einfach und entschieden.

Käthe und Elli waren einen Moment sprachlos über diesen verblüffend klaren und offenen Rat. Dann fielen sie vereint mit ihren Bedenken über Marga her. Als ob das so einfach wäre, Papa zu fragen! Man würde ja verraten, daß man Posten gestanden! Papa würde Gott weiß was denken! Und wenn er erst merkte, daß man gern etwas von ihm wissen wollte, konnte man sicher sein, daß er schwieg wie ein Löwe. Das mußte fein eingefädelt werden. Da mußte ein richtiger Feldzugsplan gemacht werden. Wieder steckten sich die drei Mädchenköpfe wie die Häupter einer Verschwörung über dem Tisch zusammen. Sie fuhren erst erschrocken auseinander, als ziemlich laut an die Tür gepocht wurde.

Therese streckte den Kopf herein. „Der Kaffee steht unten,” meldete ihre mürrische Stimme. „Er wird kalt. Und der Herr Geheimrat hat nach dem seinen schon gerufen.”

Wie im Nu ging es aus der Stube und die Treppe hinunter. Elli voran, denn an ihr war die Reihe, Papa den Nachmittagskaffee zu bringen. Das war eine wöchentlich abwechselnde Ehre.

Käthe und Marga folgten Arm in Arm. Sie hatten am Nachmittag eine Besorgung zu machen und verabredeten den Stadtbummel. Bis zum Abendbrot galt es schon zu warten, ehe man gemütlich mit Papa plaudern konnte. Dann mußte man — man mußte erfahren, wer der „Neue” war.