„Da mache ich nicht mit!” versetzte Perthes bestimmt.

„Meinen Sie, ich?” warf sich Wilkens in die Brust. „Es dauert keine fünf Minuten, und die Mädels sind zurück; sowie sie merken, daß wir streiken.”

Es dauerte aber zehn Minuten und länger.

Wilkens wurde unruhig. Er stand auf und ging ein paarmal halb verlegen zum nächsten Tisch und wieder zurück. Dann sah er verstohlen über den niedrigen Lattenzaun des Gartens weg, den Weg hinunter.

„Schlendern wir 'n bißchen auf eigene Faust?” fragte er schon bedeutend kleinlauter zu Perthes zurück, der sitzen geblieben war.

Widerstrebend erhob sich dieser. Er war jetzt mit seiner Geduld zu Ende.

Die Rücksichtslosigkeit, mit der er von Marga behandelt wurde, empörte ihn. Am liebsten wäre er ohne Abschied heimgegangen. Er war zum ersten- und letztenmal auf der Sägemühle. Das war eine ausgemachte Sache. Aber er wollte es ihr offen sagen. Sie hielt ja so viel von der Offenheit in der Freundschaft, wenn sie auch mit ihrem heutigen Verhalten das Gegenteil bewies.

Deshalb blieb er. Deshalb schlenderte er, unlustig genug, mit Wilkens aus dem Garten in die angrenzenden Wiesen, am Fluß entlang. Er hatte den Hut vom Kopf gerissen. Sein Gesicht hatte sich verfinstert. Der Unmut, gleich wieder leidenschaftlich wie sein ganzes Temperament, lag in tiefen Falten auf seiner Stirn und blickte ihm aus den Augen. Er fuhr sich einmal ums andere durch den schwarzen Haarbusch oder strich über den krausen Vollbart.

Und dabei lag die Dämmerung so mild und verträglich ringsum.

Das hohe Gras mit seinem Labkraut, seinen Schafgarben und Kuckucksblumen überwucherte den schmalen Weg, den „Leinpfad”, auf dem früher die Pferde an strammer Leine die Lastkähne stromaufwärts geschleppt hatten. Das Wasser in seinem tiefen, stählernen Grau rauschte und gluckste heimlich, als wollte es den sachten Abendwind, den tuschelnden Geheimniskrämer, noch an bedeutsamer Wissenschaft übertreffen. Und drüben, über den Heuhocken, den silberreifen Kornäckern, dem Berg mit seinem schweren, düsteren Tannenmantel, lag es wie feiner, rieselnder Taudunst. Auf all das achtete Perthes nicht. Nicht einmal auf das gefühlvolle Summen von Wilkens, mit dem dieser seinen zärtlichen Gefühlen Ausdruck verlieh. Nur die eigene Verstimmung schien ihm der Aufmerksamkeit wert.