Am jenseitigen Ufer, auf den Wiesenhängen, wurde noch geheut. Der süße Duft der Mahd flog über den Fluß. Die feinen Ränder der Waldberge tauchten mit tausend und abertausend scharfen Tannenspitzen in den letzten Sonnenglanz.
Die wundersame Ruhe des Abends rang groß und beharrlich gegen die lärmende Lustigkeit des jugendlichen Tisches im Garten.
Ellis jubelndes Lachen, Wilkens' Jodler, die laute, hastige Stimme von Perthes hielten vergebens dagegen. Die ländliche Mahlzeit, bestehend aus zwei großen hochgebräunten Eierkuchen, frisch gepflücktem Salat, Schwarzbrot und Butter, war mit gewaltigem Beifall begrüßt worden. Noch war sie nicht vertilgt, noch hatten Perthes und Wilkens kaum um neue „Metkrüge” geklappert, geläutet und gerufen, als schon das feierliche Schweigen über das Laute seinen Sieg davontrug. Still und stiller, wie draußen über dem Fluß und Wald, wurde es auch drinnen im Garten. Und die kleinen, sanften Geräusche des Abends, die nur ebensoviele Lockrufe der sieghaften Stille sind, machten das Gespräch vollends verstummen: der späte, hell anhebende und kurz abbrechende Triller einer Lerche im Feld; das Plätschern eines Fischerkahns im Wasser, der flußabwärts glitt; ein fernes, gedämpftes Hundegebell aus dem nächsten Dorf.
Elli war schnell für das Lyrische gewonnen.
Als Wilkens wieder an sein geleertes Glas klimperte, flog ihm ein „Prosaischer Radaumacher!” an den runden, wollig-blonden Kopf. Er wurde ganz klein und verdrehte sentimental die so gar nicht melancholischen Augen.
Perthes hatte zu rauchen begonnen. Er stieß ein paar Wolken von sich, blies Ringel von zartem Dunst und warf die Zigarre hinaus auf den Fluß.
Marga saß in sich gekehrt neben ihm. Sie suchte sich aus der Stille des Abends zur eigenen zurückzufinden.
„Wir, Marga und ich, machen jetzt unseren Spaziergang über die Wiesen, nicht wahr, Margakind?” erklärte Elli plötzlich und stand auf. Marga nickte. Unbekümmert um Perthes und Wilkens, Arm in Arm aneinandergeschmiegt, traten sie aus dem Garten.
„Wir sind jetzt wohl beurlaubt?” fragte Perthes den mit ihm zurückbleibenden Wilkens.
Wilkens schüttelte den Kopf. „Nee, so lass' ich mich nicht in den Sand setzen!” meinte er gleichmütig. „Im übrigen — Fräulein Marga kenne ich so genau nicht, aber Elli ist felsenfest überzeugt, daß wir zwei hinterdreinschlendern. Wetten, daß —?” Er blinzelte den Doktor mit der listigen Miene des erfahreneren Liebespraktikus an.